Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Natalie:
Wie das Leben so spielt…
Solange ich dich suche von Josefine Weiss
Maddies beste Freundin verschwand vor 11 Jahren ohne Vorwarnung. Angeblich soll sie vor ein paar Jahren in dem kleinen Ort Whitecastle gewesen sein - der einzige Hinweis den Maddie hat. Aufgrund eines persönlichen Wunsch fährt sie nach Schottland und mietet sich ein Privatzimmer. Dean, der Vermieter gibt ihr Rätsel auf und doch schleicht er sich neben der Suche nach Aden immer wieder in ihre Gedanken ein…
Der Roman begeistert durch das charmante Setting von Schottland und den verworrenen Wegen, welche das Leben so manchmal nimmt.
Die Emotionen kommen nicht zu kurz und als Leser muss man einfach mit Maddie mitfühlen - wie würde es einem selber in einer solchen Situation gehen? Auch Dean ist ein sehr interessanter Charakter, den man lange nicht einschätzen kann. Das alles macht den Roman absolut lesenswert. Auch wenn ich irgendwann eine Ahnung hatte, in welche Richtung es gehen könnte, haben mich so einige Wendungen überrascht und das Buch konnte mich bis zum Schluss fesseln. Leseempfehlung von mir.
Lesenswert
Die Sehenden und die Toten von Sia Piontek
Carla Seidel hat sich von Hamburg ins ländliche Wendland versetzen lassen - sie will dort mit ihrer hochsensiblen Tochter Lana neu anfangen, es auch beruflich hier bei der Polizei ruhiger angehen. Doch die ehemalige Mordermittlerin bekommt schon bald einen grausamen Mordfall auf den Tisch, der all ihre Fähigkeiten benötigt - ein Jugendlicher wird tot im Wald gefunden, seine Augen durch Spiegelscherben ersetzt.
Carla merkt bald, dass Justus nicht der war, für den er sich in seinem Umfeld ausgab und sie muss tief graben, um den Mord aufklären zu können…
Der Krimi ist für mich ein gelungener Reihenauftakt. Carla ist, neben ihrer Tochter, ein sehr interessanter Charakter, sie ist herrlich normal, hat ihre kleinen Problemchen, Ecken und Kanten. Das Thema Hochsensibilität durch ihre Tochter fand ich toll herausgearbeitet und in der Gesamthandlung integriert. Lange werden falsche Spure gelegt, unerwartete Wendungen kommen hoch, bevor es am Ende nochmal richtig brenzlig wird. Manches fand ich etwas unrealistisch, was der Spannung beim Lesen jedoch keinen Abbruch tat. Mich hat der Krimi sehr gut unterhalten und ich daher eine Leseempfehlung von mir.
Aufarbeitung
Neue Zeiten auf der Kö – Die Journalistin von Bettina Lausen
Düseldorf, 1950. Wir begleiten die zwanzigjährige Eva, die sich mitten in ihrer Ausbildung befindet und kurz vor ihrer Hochzeit mit Gert steht, dem Sohn einer befreundeten Familie. Im Zuge ihrer Ausbildung nimmt Eva auch am Politikunterricht teil. Hier erfährt sie erstmals von den wirklichen Gräueltaten Hitlers, welche ihre Eltern bis jetzt totschweigen.
Eva ist entsetzt und beginnt mit Hilfe ihres Politiklehrers sich eingehender damit zu beschäftigen. Dabei erfährt sie nicht nur, dass sie selbst als vierjährige von ihren Eltern für NS-Propaganda instrumentalisiert wurde, sondern steckt plötzlich in einem tiefen Konflikt mit ihren Eltern, der ihre Grundfeste erschüttert. Je tiefer Eva gräbt, umso mehr Entsetzliches kommt hoch. Sie will nicht länger alles totschweigen und bemüht sich, als Journalistin Fuß zu fassen. Doch wird sie trotz aller Widerstände ihren selbstbestimmten Weg gehen können?
Bettina Lausens Roman ist ein Buch, welches tief berührt. Es geht um Schuld, Familiengeheimnisse, das Aufarbeiten der Kriegserlebnisse. Vieles wird totgeschwiegen, eigene Meinungen, besonders von Frauen wie Eva, sind nicht gewünscht. Eva muss nicht nur mit der Vergangenheit kämpfen, sondern auch mit den vorherrschenden Vorurteilen. Nur wenige, wie etwa ihr Politiklehrer oder ihre Oma, unterstützen sie ihren eigenen Weg zu gehen. Mit Eva ist dabei eine großartige Hauptprotagonistin entstanden, welche viel Mut beweist, zu ihren Überzeugungen steht und sich nicht von Hindernissen stoppen lässt. Die Mischung aus geschichtlichen Fakten, den toll ausgearbeiteten Charakteren und einer bewegenden Liebesgeschichte lässt einen das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Hervorheben möchte ich auch noch Evas Oma Ida, welche mit ihrem Dialekt so liebenswürdig dargestellt wird und dem Buch noch mehr Authentizität verleiht.
Von mir eine große Leseempfehlung für diesen Roman.
JA zum Leben
Während ich hier bin von Emma Steele
Maggie, 30 Jahre jung, leidet seit ihrer Kindheit an Herzproblemen. Als sie endlich ein passendes Spenderherz bekommt, kann sie ihr Leben trotzdem nicht genießen, lebt ständig in Angst vor neuerlicher Krankheit und Überbelastung. Tatsächlich stoßt ihr Körper das Spenderherz nach über einem Jahr ab und sie erleidet einen Herzstillstand.
Als Maggie wieder erwacht, findet sie sich in einem fremden Körper, in einer fremden Wohnung wieder. Sie lebt plötzlich das Leben von Emily, einer gesunden, jungen Frau. Nicht nur Emilys Nachbar Adam macht Maggie glücklich, sie genießt dieses Leben… doch bald ziehen schon dunkle Wolken auf…
Für mich ist dieser Roman einfach ein großes und lautes „Ja“ zum Leben. Es muss nicht immer gleich so etwas Dramatisches wie eine Herzkrankheit mit Transplantation sein, aber für mich hat sich beim Lesen immer mehr der Gedanke festgesetzt, dass man sein Leben nicht einfach sich vorbeiziehen lassen sollte, sondern jeden Tag, so gut es geht, genießen und dankbar sein sollte. Man kann also definitiv auch für sich selbst was aus Maggies Geschichte mitnehmen. Maggie selbst fand ich einen authentischen und liebenswerten Charakter. All ihre Gefühle, Emotionen und Gedanken sind so gut nachvollziehbar. Auch der Zwiespalt zwischen dem Genuss von Emilys Leben, dass eigentlich nicht ihres ist, und ihrem eigenen ist so gut dargestellt. Ich finde Maggies Entwicklung toll, aus der sie so viel mitnehmen kann. Auch die Nebencharaktere sind super ausgearbeitet und tragen definitiv ihren Teil zur Geschichte bei. Leseempfehlung.
Freundschaft, die lange währt
Das Fenster zur Welt von Sarah Winman
Der junge britische Soldat Ulysses und die sechzigjährige Kunsthistorikerin Evelyn begegnen einander zufällig mitten in der Toskana während des zweiten Weltkriegs. Obwohl es nur eine kurze Begegnung ist, sollten sie beide einander nicht vergessen, jedoch eine lange Zeit aus den Augen verlieren…
Der Roman mit dem treffenden Titel „Das Fenster zur Welt“ zeigt dem Leser genau das - nämlich das Leben.
Wird zu Beginn kurz der zweite Weltkrieg gestreift, geht es danach vor allem um die Menschen, die wir im Buch begleiten dürfen. Was hat der Krieg aus ihnen gemacht, aber vor allen auch, wohin geht die Reise? Die Geschichten der beiden Hauptprotagonisten wird erzählt - teilweise in England, hauptsächlich aber in Florenz. Beide haben Freunde und treue Wegbegleiter, welche immer an ihrer Seite sind. Nicht alle sind sympathisch, aber definitiv wie aus dem echten Leben entsprungen. Der rote Faden während des gesamten Buchs, welches insgesamt über mehrere Jahrzehnte geht, war für mich die Freundschaft und die Lust am Leben mit all den schönen, aber auch tragischen Momenten. Ulysses und Evelyn verbindet eine ganz besondere Freundschaft, die ich gern begleitet habe - zuerst einzeln, bis sie sich schlussendlich wieder gefunden haben. Einzelne Längen haben meine Lesezeit nur unwesentlich beeinflusst. Leseempfehlung von mir.
Unglaublich spannend
Die Dämmerung von Marc Raabe
Nachdem Teil eins rund um Art Mayer und Nele Tschaikowski letztes Jahr ein absolutes Highlight für mich war, habe ich mich schon sehr auf Band 2 gefreut. Wieder erwartet die Zwei ein bizarrer Tatort. Die allseits bekannte und beliebte Charity-Lady Charlotte Tempel wird ermordet im Königswald gefunden - drapiert als halb Mensch, halb Tier.
Schnell gerät ihre rebellische Tochter Leo unter Verdacht, zeichnet sie doch ein ganz anderes Bild ihrer Mutter. Doch dann taucht eine weitere Leiche auf und Arts Zweifel (die er von Beginn an hatte), dass Leo dafür verantwortlich ist, werden immer größer. Doch wer ist es dann? Art und Nele kommen einen unglaublichen Geheimnis auf die Spur…
Um es gleich vorweg zu nehmen - auch Die Dämmerung konnte mich voll überzeugen, ich hatte den Thriller innerhalb weniger Stunden ausgelesen. Was mit den tollen Charakteren beginnt, endet mit der unglaublich spannenden Story und den packenden Szenarien. Immer mehr verzahnen sich die einzelnen Fäden in der Gegenwart ineinander, wobei auch wieder Vergangenes eine große Rolle spielt. Die Geschichte, welche schlussendlich dahintersteckt hatte ich so nie und nimmer erwartet, es wird aber auf jeder Seite im Buch hervorragend konstruiert darauf hingearbeitet. Jede Seite ein absoluter Thriller-Genuss für mich und eine große Leseempfehlung für alle, die es spannend und raffiniert lieben.
Gelungener Abschluss der Trilogie
Astrids Vermächtnis - Roman (Schwesterglocken-Trilogie 3) von Lars Mytting
Im abschließenden Band dieser Trilogie befinden wir uns im Butangen zwischen 1936-1945. Auch Norwegen wird nicht vom zweiten Weltkrieg verschont und mit Astrid Hekne befindet sich eine Nachkomme der Hekne-Schwestern mittendrin. Gemeinsam mit dem Pfarrer leistet sie Widerstand und versucht gleichzeitig den Einzug einer neuen, moderneren Zeit als auch die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ihrer Familie zu bewältigen.
Das Erbe der Hekne-Schwestern wurde nie vergessen und der gewebte Wandteppich als auch die Schwesternglocken tragen ihren Mythos weiter…
Die Trilogie überspannt einen Zeitraum von knapp 400 Jahren und mit dem abschließenden Band wird zu Beginn auch nochmal die Schleife ins 17. Jahrhundert gezogen, in dem die Hekne-Schwestern lebten. Zu der damaligen Zeit waren die siamesischen Zwillinge für viele ein Werk des Teufels und ihre besonderen Fähigkeiten verstärkten dies noch mehr. Lars Mytting spielt mit Aberglaube und Mythos und bringt diesen auch in Band drei geschickt immer wieder ein. Mit Astrid begleiten wir eine starke Hauptprotagonistin, mit der die unbändige Entschlossenheit der Hekne-Frauen sichtbar wird. Aber auch die weiteren Charaktere sind gut gezeichnet und lassen den Leser tief in die Kriegsjahre in dem kleinen Tal eintauchen. Der rote Faden der Hekne-Schwestern zieht sich dabei bis zum Schluss durch und der Mix aus tatsächlichen Begebenheiten aus der Zeit, dem Einzug einer moderneren Welt, als auch Mythos und Aberglaube rund um das Hekne-Erbe ergibt eine intensive, aber auch sehr bewegende Lesezeit. Hat man in den Schreibstil reingefunden, verschmerzt man auch ein paar kleine Längen im Buch und ist verwundert, wenn man die über 600 Seiten so schnell beendet hat. Leseempfehlung von mir. 4,5????
Empfehlenswert
Liebe kann doch jedem mal passieren von Anne Sanders
Julie braucht dringend eine Auszeit von ihrem Leben. Um sich klar zu werden, was sie überhaupt will, ob sie ihren jetzigen Weg weitergehen möchte. Deshalb hat sie sich dafür ein halbes Zimmer in Brighton gemietet. Doch statt diesem bekommt sie ein ganzes, welches sie aber mit Alex, einem komplett Fremden teilen muss.
. also doch ein halbes Zimmer, allerdings anders als gedacht. Einen Rückzieher zu machen, kommt für Julie dann aber doch nicht in Frage, lieber Augen zu und durch…
Diese ungewöhnliche Ausgangssituation hat mich beim Lesen direkt in den Bann gezogen. Julie und Alex könnten nicht gegensätzlicher sein. So denken beide übereinander. Bis sie irgendwann merken, dass ihre Leben doch nicht so unterschiedlich sind. Der Roman begeistert mit Witz, schräger Wohnsituation (auch wenn das anscheinend dort gang und gebe ist) und gleichzeitig mit feinen Tönen, welche in vermeintlichen Nebenschauplätzen eingebunden werden. Für mich hat das, gemeinsam mit den beiden charmanten Hauptcharakteren, eine tolle Lesezeit ergeben und ich kann den Roman nur weiterempfehlen.
Spannend, aber…
Das Waldhaus von Liz Webb
Die 37-jährige Hannah zieht zurück nach London in ihr Elternhaus. Sie kümmert sich dort um ihren kranken, dementen Vater. Immer öfter hält er Hannah für ihre verstorbene Mutter. Diese kam vor Jahren unter nie geklärten Umständen zu Tode. Hannahs Vater bittet sie in diesen Phasen immer wieder um Verzeihung.
Aber wofür genau? In ihr keimen immer mehr Zweifel, ob nicht doch ihr Vater irgendetwas mit dem Tod ihrer Mutter zu tun hat. Um endlich die Wahrheit ans Licht zu bringen, wählt sie eine ungewöhnliche Methode und verwandelt sich dafür mehr und mehr in ihre Mutter.
Die Idee des Thrillers finde ich super spannend und auch die Umsetzung per se war fesselnd, mit vielen Wendungen gespickt. So ziemlich jeder von den Charakteren hatte was zu verbergen und so vielleicht sogar ein Motiv. Leider hat sich mein Lesevergnügen durch, die für mich, absolut unsympathische Hannah als Hauptprotagonistin deutlich geschmälert. Ich kam mit vielen ihrer Charakterzüge nicht so klar und sie nervten mich zusehends auch. Da ich trotzdem wissen wollte, wie sich der Thriller auflöst, habe ich diesen auch beendet. Schade, mit einem anders gezeichneten Hauptcharakter wäre es ein toller Thriller gewesen, so leider für mich nur ok.
Die Magie von Worten
Die Vermesserin der Worte von Katharina Seck
Ida hat für eine Autorin das wohl größte Problem - sie hat keine Worte mehr, ihr Kopf ist leergefegt. Aus dieser Not heraus nimmt sie einen Job als Haushaltshilfe bei einer älteren Dame an. Ottilie spricht nur ungern, bleibt lieber allein und scheint immer mehr zu verblasen. Doch unter der dicken Staubschicht des Herrenhauses findet Ida eine große Gemeinsamkeit mit Ottilie.
Nämlich die Liebe zu Büchern, Geschichten und Worten. Nach und nach wird Ida klar, dass sie nicht nur für Ottilie Worte finden muss, um sie aus ihrer Einsamkeit zu befreien, sondern das auch der Schlüssel für ihre eigene Wortlosigkeit ist.
Die Vermesserin der Worte ist ein berührender und so feiner Roman, in dem ganz viele Schichten des Lebens zum Klingen gebracht werden. Die beiden Frauen erzählen so gemeinsam eine Geschichte, in der es viel mehr als nur um (nicht mehr vorhandene) Worte geht. Beide sind auf ihre Art und Weise einsam, haben Wunden aus der Vergangenheit, die immer noch nicht geheilt sind und finden aber über ihre Liebe zu Büchern mit allem was dazugehört zueinander, öffnen sich und geben ihrem Leben wieder neuen Sinn. Ein Roman, der nicht laut sein muss, um zu berühren - große Leseempfehlung von mir.











