Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Lilli33:
Solider Thriller, aber auch nicht besser als viele andere
Draußen Thriller. Gebunden. von Klüpfel Volker; Kobr Michael
Inhalt:
Die siebzehnjährige Cayenne und ihr fünfzehnjähriger Bruder Joshua leben außerhalb der Gesellschaft. Stephan, ihr Beschützer und Ersatzvater, zwingt sie dazu, weil sie in Gefahr sind. Für Joshua ist das ein einziges Abenteuer. Er stellt sich mit Leib und Seele dem harten Überlebenstraining, das Stephan den beiden in den Wäldern Brandenburgs angedeihen lässt.
Doch Cayenne bekommt immer mehr Zweifel, ob an dieser Geschichte von der Gefahr überhaupt etwas dran ist. Denn Stephan macht ein großes Geheimnis darum.
Meine Meinung:
Den meisten Lesern wird das Autorenduo Klüpfel/Kobr von den Kluftinger-Krimis her bekannt sein. Damit haben sie einen Riesenerfolg - zu Recht. Einen wie den Kluftinger gibt es nicht noch einmal. Und das ist für mich die Krux bei diesem Versuch, einmal etwas anderes zu schreiben: Thriller gibt es wie Sand am Meer, und hier reiht sich nun auch „Draußen“ ein, ein solider Thriller, der sich aber nicht groß von anderen soliden Thrillern unterscheidet. Gute Unterhaltung, an die ich aber sicher schon in wenigen Wochen keinen Gedanken mehr verschwenden werde.
Interessant ist das Setting in der Prepper-Szene mit einem Touch von Endzeit-Atmosphäre, denn das wurde noch nicht so oft in Romanen verarbeitet.
Erzählt wird in drei Handlungssträngen, von denen zwei in der Gegenwart spielen. Da wäre zum einen die Handlung um Cayenne, Joshua und Stephan, zum anderen geht es um politische Ränke, in deren Mittelpunkt Jürgen Wagner steht, ein recht gewissenlos erscheinender Mann, der Erfolg gewohnt ist und das gerne auf Kosten anderer. Der dritte Erzählstrang besteht aus Tagebucheinträgen eines Fremdenlegionärs.
Auch wenn Stephan gegenüber den Kindern nichts Genaues über sein Motiv herauslässt, kann man sich als Leser schon bald einiges zusammenreimen und bestimmte Zusammenhänge erahnen, wenn auch bei Weitem nicht alles. Am Ende laufen natürlich alle Fäden zusammen und die ganze Geschichte kommt ans Licht. Was in der Vergangenheit geschehen ist, wirkt auf mich ein wenig an den Haaren herbeigezogen, wenn auch nicht ganz unrealistisch. Und auch im weiteren Verlauf konnte ich nicht alle vor allem von Stephans Verhaltensweisen nachvollziehen. Seine ewige Geheimniskrämerei ging mir schon ein bisschen auf die Nerven, sodass ich fast gesagt hätte: „Dann behalt’s doch für dich, ich will’s jetzt gar nicht mehr wissen.“ Aber natürlich habe ich trotzdem weitergelesen, es war ja auch spannend und gut geschrieben.
Von mir gibt es 3,5 Sterne, die ich wohlwollend aufrunde.
Äußerst spannender Thriller
Der Kastanienmann Thriller. Kartoniert. von Sveistrup Søren
Inhalt:
Mark Hess ist nach fünf Jahren bei Europol ausgebrannt und wird gegen seinen Willen in seine Heimat Kopenhagen zur Mordkommission versetzt. Hier erwartet ihn an der Seite von Naia Thulin eine bizarre Serie von Morden, die anscheinend mit einem älteren Fall zusammenhängen. Die Ermittlungen werden dadurch erschwert, dass die beiden Polizisten sich erst mal zusammenraufen müssen und auch der Chef nicht wirklich mitzieht, während der Täter ihnen stets mindestens einen Schritt voraus ist.
Meine Meinung:
Søren Sveistrup hat sich als Drehbuchautor einen Namen gemacht. Auch sein Thriller-Debüt kann sich durchaus sehen lassen. Trotz seines Umfangs von über 600 Seiten war mir keine Seite zu viel. Es hätten auch gerne noch mehr sein können.
Sprachlich ist der Roman sehr gut zu lesen, und die Handlung ist reichlich komplex, aber nicht zu kompliziert. Der Autor lockt den Leser trotz einer überschaubaren Zahl von Verdächtigen immer wieder auf falsche Fährten, sodass die Auflösung schließlich einigermaßen überraschend kommt. Doch bis dahin erwarten einen viele Stunden Spannung.
Für zartbesaitete Leser ist das Buch eher nicht geeignet, da es auch sehr brutale Folterszenen und andere Grausamkeiten enthält. Diese stehen jedoch nicht unbedingt im Vordergrund. Sveistrup versteht es, die Spannung subtiler zu erzeugen.
Einen Punktabzug gibt es von mir, da mir einige Kleinigkeiten nicht logisch erscheinen. Die Ermittler werden dabei etwas zu dumm dargestellt, obwohl sie sonst eher überdurchschnittlich intelligent wirken. Ich kann hier leider nicht näher darauf eingehen ohne zu spoilern.
Trotzdem gibt es von mir eine absolute Leseempfehlung für alle Thriller-Fans.
Ein alter Fall in neuen Händen
Der Kastanienmann Thriller. Kartoniert. von Sveistrup Søren
Inhalt:
Vor fast sechs Jahren wurde Oliver Cordes, Sprössling einer reichen Familie, ermordet. Sein Halbbruder Gustaf hat dafür fünf Jahre im Gefängnis verbracht und ist seit kurzer Zeit wieder auf freiem Fuß. Zwar hatte er damals gestanden, doch später sein Geständnis widerrufen. Sein Bewährungshelfer bittet nun den Heidelberger Kripo-Chef Alexander Gerlach, den Fall neu aufzurollen.
Doch der ist nicht von Gustafs Unschuld überzeugt. Erst als Gustaf Cordes spurlos verschwindet und es Spuren eines neuerlichen Verbrechens gibt, greift er ein …
Meine Meinung:
Dies ist bereits der 16. Band der Reihe um den empathischen Kommissar Gerlach. Der Fall ist in sich abgeschlossen und somit dieser Band auch gut als Stand alone lesbar. Natürlich ist das Lesevergnügen noch größer, wenn man die Nebenhandlung mit beruflichen und privaten Entwicklungen von Anfang an verfolgt hat. Für das Verständnis ist es aber nicht notwendig.
Wer sich in der Heidelberger Gegend auskennt, wird viele bekannte Orte wiederfinden. Die Handlung beschränkt sich fast vollkommen auf den Rhein-Neckar-Kreis, hauptsächlich Heidelberg, aber auch andere Städte und Dörfer. Da ich vor Zeiten in Heidelberg gelebt habe, fühle ich mich in diesen Krimis natürlich wie zu Hause. Ich denke aber, es wird mit dem Lokalkolorit nicht so übertrieben, dass es für andere Leser öde ist.
Die Handlung entwickelt sich langsam und mit vielen Ecken. Immer wieder kommen neue Aspekte und damit Überraschungen hinzu. Die Befragung der Familienmitglieder und der Freunde und Bekannten gestaltet sich schwierig und zäh. Lügen, widersprüchliche Aussagen oder Aussageverweigerung machen Gerlach die Arbeit schwer. Darunter litt für mich ein wenig die Spannung, zumal der alte Fall sowieso schon kalt ist und es auf einen Tag mehr oder weniger nicht ankommt.
Schon früh hatte ich eine bestimmte Person im Verdacht. Am Ende konnte Wolfgang Burger mich mit seiner Auflösung aber komplett überraschen und überzeugen. Nun warte ich gespannt darauf, was der Autor sich im nächsten Band einfallen lässt, um mich wieder nach Heidelberg zu locken.
Die Reihe:
1. Heidelberger Requiem
2. Heidelberger Lügen
3. Heidelberger Wut
4. Schwarzes Fieber
5. Echo einer Nacht
6. Eiskaltes Schweigen
7. Der fünfte Mörder
8. Die falsche Frau
9. Das vergessene Mädchen
10. Die dunkle Villa
11. Tödliche Geliebte
12. Drei Tage im Mai
13. Schlaf, Engelchen, schlaf
14. Die linke Hand des Bösen
15. Wen der Tod betrügt
16. Wenn Rache nicht genügt
Zack Herrys persönlichster Fall
Der Kastanienmann Thriller. Kartoniert. von Sveistrup Søren
Inhalt:
Zack Herry kommt gerade dazu, als ein junges Mädchen in der Stockholmer U-Bahn wahllos Leute attackiert. Sie trägt außerdem einen Sprengstoffgürtel. Zack bleibt gar nichts anderes übrig, als das Mädchen zu erschießen. Doch die Bilder gehen ihm nicht mehr aus dem Kopf.
Da wird ein Polizeikollege brutal gefoltert und ermordet.
Er war dabei, den größten Drogenboss Schwedens zu überführen. Sein Informant besteht darauf, dass Zack Herry den Kontakt nun übernimmt. Zack taucht immer mehr in den verbrecherischen Sumpf ein und muss schließlich sogar seinen Kindheitsfreund Abdula um Hilfe bitten.
Meine Meinung:
Dies ist bereits der 5. Band um den Ausnahmepolizisten Zack Herry. Man kann ihn problemlos ohne Vorkenntnisse lesen. Wer allerdings vorhat, den Vorgängerband, „Der Schrei des Engels“, noch zu lesen, sollte dies davor tun, um hier nicht gespoilert zu werden, denn eine bestimmte Schlüsselszene wird hier kurz erwähnt.
Natürlich ist es immer am besten, eine Reihe von Anfang an zu verfolgen, um auch die privaten und beruflichen Entwicklungen der Protagonisten zu kennen, aber das Wichtigste wird hier noch einmal erwähnt, und der Kriminalfall ist in sich abgeschlossen.
Bisheriger Co-Autor war Markus Lutteman, nun ist Anna Karolina mit an Bord. Ehrlich gesagt, ist mir dabei kein Unterschied aufgefallen. Die Story ist spannend wie gewohnt, der Handlungsfaden wird rasant abgespult, und die Sprache ist kurz und bündig, bringt das Wesentliche auf den Punkt.
Zusammen mit dem Helden Zack Herry bekommt man als Leser*in kaum mal eine Erholungspause. Das Buch lässt sich schwer aus der Hand legen, denn je weiter man im Lesen voranschreitet, umso dringender will man endlich wissen, wie alles zusammenhängt, wer hinter den ganzen seltsamen Vorkommnissen und hinter den brutalen Folterungen steckt und warum.
Ich mochte gerade Zack Herry in diesem Band sehr. Er hat sich endlich aus dem Sumpf gezogen, ist seiner Drogensucht entkommen und wieder glücklich liiert, als das Unheil mit aller Macht über ihm hereinbricht.
Mir gefiel nur seine Darstellung als Super-Superheld nicht. Dieser Mann schafft Unmögliches.
(ACHTUNG: KLEINE SPOILER)
Er rast mit dem Motorrad einhändig über eine Schlaglochpiste, während er mit der anderen das Handy bedient oder springt 30m in die Tiefe, nachdem wir gerade gelesen haben, dass das kein Mensch überleben kann: Zack hat natürlich keinen Kratzer.
(SPOILER ENDE)
Dabei komme ich mir dann leicht veräppelt vor. ;-)
Ansonsten:
Wieder eine absolute Leseempfehlung von mir, am besten für die ganze Reihe.
Intelligent konzipiertes Katz-und-Maus-Spiel
Der Kastanienmann Thriller. Kartoniert. von Sveistrup Søren
Inhalt:
Ein alter Fall ist das ganz persönliche Anliegen des norwegischen Kriminalkommissars William Wisting aus Larvik. Am 10. Oktober vor 24 Jahren verschwand Katharina Haugen spurlos. Seither trifft Wisting sich jedes Jahr am Jahrestag mit Katharinas Mann Martin, mit dem er sich ein wenig angefreundet hat.
Doch dieses Jahr ist Martin nicht zu Hause.
Zudem wurden in einem weiteren Cold Case Spuren gefunden, die zu Martin Haugen führen. Ist dieser Mann ein ganz anderer, als er zu sein scheint?
Meine Meinung:
Ich habe diesen 448 Seiten starken Kriminalroman innerhalb von 24 Stunden verschlungen, das sagt wohl einiges. Nun frage ich mich natürlich, warum ich von Jørn Lier Horst zuvor noch nie etwas gehört habe, denn dieser Autor schreibt einfach klasse. So musste ich jetzt feststellen, dass es sogar bereits eine Reihe um den Kommissar William Wisting gibt, die leider in Deutschland nicht allzu bekannt ist.
„Wisting und der Tag der Vermissten“ ist nun der 1. Band einer neuen Reihe, in der es um Cold Cases geht. Oftmals finde ich solche Krimis nicht allzu spannend, schließlich liegt der Fall viele Jahre zurück und auf einen Tag mehr oder weniger kommt es nun auch nicht an. Jørn Lier Horst erzählt aber genau einen solchen Fall wahnsinnig fesselnd. Man spürt die Spannung praktisch unterschwellig in jedem Satz, sieht die Gefahr förmlich auf einen zurollen.
Dabei kommt Jørn Lier Horst fast ganz ohne Blut und Gewalt aus. Als ehemaliger Kriminalkommissar erzählt er lieber authentisch von der polizeilichen Ermittlungsarbeit, lässt seine Protagonisten raffiniert interagieren und setzt die Lösung des Falles wie ein Puzzle Stückchen für Stückchen zusammen.
Verschiedene Handlungsfäden werden hier genial miteinander verknüpft. Verdachtsmomente kommen auf und werden wieder verworfen. Die genauen Zusammenhänge waren für mich bis zum Schluss nicht vorhersehbar, erwiesen sich aber als äußerst logisch. Im Rückblick erkenne ich die kleinen Details, die wie beiläufig eingestreut wurden und anhand derer man auch als Leser auf die Lösung hätte kommen können. Genau so liebe ich Krimis!
Am Ende des Buches sind die ersten zwei Kapitel des 2. Bandes der Reihe abgedruckt. „Wisting und der fensterlose Raum“ soll im Januar 2020 erscheinen. Ich kann es kaum erwarten.
Sehr anstrengend
Der Untergang der Könige von Jenn Lyons
„Der Untergang der Könige“ ist der 1. Band eines mehrbändigen Fantasy-Epos. Das Buch ist nicht nur aufgrund seines Gewichts und seiner Dicke anstrengend zu lesen, sondern vor allem wegen seines Inhalts.
Die ersten ca. 750 Seiten werden aus zwei wechselnden Perspektiven erzählt. Der junge Kihrin sitzt im Kerker und wird von der Gestaltwandlerin Klaue bewacht.
Sie zwingt ihn seltsamerweise dazu, ihr seine Geschichte zu erzählen, obwohl sie sie bereits kennt, da sie seine Gedanken lesen kann. Kihrin beginnt mit seiner Erzählung an dem Punkt, wo er versklavt wurde. Das ist Klaue nicht genug, und so erzählt sie selbst aus der Zeit davor. Abwechselnd werden die Handlungsstränge weitergesponnen, bis beide in der Gegenwart angekommen sind. Beide Geschichten werden später von Thurvishar D’Lorus transkribiert und mit einer Vielzahl von Fußnoten versehen. Das mag ich persönlich gar nicht, weil es den Lesefluss doch erheblich stört.
Der Sinn dieser Zweiteilung der Geschichte hat sich mir leider nicht erschlossen. Eine einzige chronologische Erzählung hätte ich hier besser gefunden.
Die phantastische Welt, die Jenn Lyons sich ausgedacht hat, bietet nichts wirklich Neues. Es gibt Dämonen und Drachen, Adlige und Sklaven, Zauberer und Götter und so etwas wie Elfen, nur heißen sie hier anders. Das Setting mutet eher mittelalterlich an - man fährt in Kutschen oder reitet auf Pferden -, dazu passt die manchmal etwas zu lockere, neuzeitliche Sprache nicht. Auch der Anflug von Humor, der sich zuweilen irgendwo versteckt, erschien mir unpassend. Denn witzig ist die Geschichte überhaupt nicht. Sie ist geheimnisvoll und grausam, durchzogen von Intrigen. Und ziemlich kompliziert.
Stellenweise hatte ich den Eindruck, jeder liegt mit jedem im Clinch und nichts ist, wie es scheint. Dies mag auch daran liegen, dass man nie genau wissen konnte, wer sich hinter einer Figur gerade verbirgt, denn viele können ihre Gestalt verändern bzw. ihre Seelen schlüpfen in den Körper eines anderen. Weiter behaupten manche, irgendjemand sei ihr Sohn, obwohl es nicht stimmt, oder ein Vater verleugnet sein Kind. Man bekommt es so mit einer riesigen Anzahl von Namen zu tun, die zu weit weniger Charakteren gehören und die man zuweilen schwer auseinanderhalten kann. Erschwerend kommt hinzu, dass viele davon praktisch keine Rolle spielen, weil sie längst tot sind. Andererseits kann man bei den Toten nie wissen, ob sie wirklich tot sind. Man muss hier echt mit allem rechnen.
Im Anhang befindet sich ein Stammbaum der verschiedenen Adelshäuser, aus dem man die Verflechtungen der einzelnen Personen ersehen kann. Dieser ist mit Vorsicht zu genießen, da viele Verbindungen, die hier aufgezeigt sind, erst im Lauf der Geschichte ans Tageslicht kommen und man gespoilert wird, wenn man zu früh auf den Stammbaum schaut.
Das ebenfalls hinten angehängte Glossar mit verschiedenen Begriffen und Personen kann dagegen relativ problemlos während der Lektüre herangezogen werden. Die Aussprachehinweise fand ich eher verzichtbar, denn die Regeln, die Jenn Lyons sich ausgedacht hat, sind so kompliziert, dass man besser einfach liest, wie es einem in den Sinn kommt.
Klasse!
Der Fund Thriller. Gebunden. von Aichner Bernhard
Inhalt:
Rita Dalek ist 53 Jahre alt und arbeitet in einem Supermarkt. Das Leben hat ihr übel mitgespielt. Als sie in einer Bananenkiste einen außerordentlichen Fund macht, beschließt sie, dass sich von nun alles ändern wird. In welche Gefahr sie sich und ihre Nächsten bringt, ist ihr dabei nicht bewusst …
Meine Meinung:
Man muss ihn mögen, Aichners knappen, prägnanten Schreibstil, sonst wird man die Lektüre nicht richtig genießen können.
Und ich mag ihn sehr! Dass er lang rumschwafelt, kann man diesem Autor wirklich nicht vorwerfen. Sehr viele Kapitel bestehen nur aus Dialogen zwischen einem Polizisten und verschiedenen involvierten Personen - ohne einleitende oder ausschmückende Worte. Aber auch die normalen Erzählabschnitte - Rückblicke aus Ritas Sicht - sind eher einfach und schmucklos gehalten, die Sätze kurz und treffend. Und doch wird alles gesagt, was man wissen muss. Bernhard Aichner versteht es, auf diese Art sehr spannend zu erzählen. Praktisch in jedem Satz fühlt man die Gefahr, die auf Rita zurollt, später ihre Ängste, ihr Getriebensein, aber auch die Zuneigung zu ihrer Freundin Gerda.
Die Handlung entwickelt sich schnell und fesselnd. Mit häufigen Wendungen wird der Leser immer wieder überrascht. Trotz der knappen Worte erhalten die Figuren eine ausreichende Tiefe. Die Story ist haarsträubend, aber nicht unrealistisch. Und die Protagonistin Rita ist eine ganz wunderbare warmherzige Frau, der man ein bisschen Glück gönnen würde.
Fazit:
Wer bereits Aichner-Fan ist, darf diesen Thriller auf keinen Fall verpassen. Alle anderen können damit zum Fan werden, wenn sie bereit sind, sich auf den außergewöhnlichen Schreibstil des Autors einzulassen.
Ein verzwickter alter Fall
Der Verein der Linkshänder Roman. Gebunden. von Nesser Hakan
Inhalt:
Van Veeteren geht auf seinen 75. Geburtstag zu, er fühlt sich alt. Da tut sich ein alter Fall neu auf, und Van Veeteren macht sich zusammen mit seiner Frau Ulrike Fremdli daran, die verknoteten Fäden zu entwirren.
Kurz danach wird in Schweden die Leiche eines Mannes gefunden. Hier ermittelt Inspektor Barbarotti.
Bald erkennt man eine Verbindung zwischen den beiden Fällen.
Meine Meinung:
Nessers neuestes Werk ist Teil seiner beiden Krimi-Reihen: Band 11 der Van Veeteren-Serie und Band 6 der Barbarotti-Reihe, denn beide Ermittler arbeiten hier zumindest teilweise in einem Fall zusammen. Für mich war es das erste Buch aus diesen Reihen; ich hatte aber nicht das Gefühl, dass mir Vorkenntnisse fehlten. Man kann es also ganz gut als Stand alone lesen.
Håkan Nesser versteht es, unaufgeregt und mit einem leichten, unterschwelligen Anflug von Humor zu erzählen. Auch wenn der Kriminalfall nicht besonders spektakulär und hochspannend daher kommt, ist das Buch doch literarisch ein Genuss.
Es gibt im Großen und Ganzen drei Erzählzeiten, zwischen denen hin- und hergesprungen wird. Da ist zum einen die Gründungszeit des Vereins der Linkshänder in den 1960er Jahren, dann ein Verbrechen im Jahr 1991 und schließlich die Ermittlungen in der Gegenwart 2012,
Der Fall entpuppt sich als sehr verzwickt, nachdem der vermeintliche Mörder von einst selbst als Opfer aufgefunden wurde. Mittlerweile ist sehr viel Zeit vergangen und die Spurenlage entsprechend dünn. So ziehen sich die Ermittlungen etwas hin. Als Leser ist man den Ermittlern dabei ein bisschen voraus, da man durch die Rückblicke mehr Informationen bekommt. So hatte ich dann leider auch schon recht früh einen Hauptverdächtigen, mit dem ich dann auch richtiglag.
Insgesamt konnte mich Nesser gut unterhalten, der Roman ist logisch und interessant aufgebaut und auch sprachlich ein Lesevergnügen.
Der bisher beste Band der Reihe
Der Verein der Linkshänder Roman. Gebunden. von Nesser Hakan
Inhalt:
Nick Wahler tritt seinen Job als neuer Chef der Mordkommission in Itzehoe an. Gleich zu Beginn seiner Tätigkeit bekommt er es mit zwei verzwickten Fällen zu tun. An einer Tankstelle wurde nachts der Tankwart ermordet, und der alte Josef Hader ist in seiner Mühle zu Tode gekommen. Bald ergibt sich zudem eine Verbindung zu einem Cold case.
Der Fall der vor etwa zehn Jahren verschwundenen Anneke Jung wurde nie aufgeklärt. Frida Paulsen, Bjarne Haverkorn und ihre Kollegen haben alle Hände voll zu tun.
Meine Meinung:
Schon die ersten beiden Bände dieser Reihe haben mir gut gefallen, aber dieser übertrifft sie noch. Romy Fölck erzählt eine spannende Geschichte mit überwiegend sympathischen Figuren (zumindest auf Seiten der Polizei), wobei sie auch das Privatleben stark miteinbezieht. Hier ist es natürlich schön, wenn man die Protagonisten aus den Vorgängerbänden schon kennt, es ist aber nicht unbedingt notwendig. Den Hauptteil der Handlung nehmen die Kriminalfälle ein, die auch in diesem Band abgeschlossen werden.
Besonders schockierend empfand ich die Einschübe, die die Gedanken einer entführten Frau enthalten. Ohne wirklich groß ins Detail zu gehen, schafft die Autorin es hier, das Grauen für den Leser erlebbar zu machen. Das ist show, don*t tell auf hohem Niveau.
Ansonsten begleitet man als Leser die Ermittler bei ihrer mühseligen Arbeit, die insgesamt recht authentisch erscheint. Sie ist ausgezeichnet durch falsche Fährten, Rückschläge und bürokratische Hürden. Es gibt aber auch etliche sehr spannende Szenen, bei denen man das Buch unmöglich aus der Hand legen kann. Überhaupt versteht die Autorin es, durch geschickt platzierte Cliffhanger, den Leser bei der Stange zu halten.
Die Beschreibungen der Marschlandschaft sind wieder sehr gelungen. Auch ich als Süddeutsche kann mir diese Gegend dadurch sehr gut vorstellen.
Fazit:
Für Krimiliebhaber sehr zu empfehlen. Ein rundum gelungenes Leseerlebnis!
Die Reihe:
1. Totenweg
2. Bluthaus
3. Sterbekammer
Drama in drei Akten
Drei von Dror Mishani
Inhalt:
Orna sehnt sich nach der Scheidung wieder nach etwas Wärme und lernt über ein Dating-Portal Gil kennen. Emilia ist als lettische Pflegekraft nach Israel gekommen. Als ihr Pflegling stirbt, hängt sie in der Luft. Sie sucht ein Zuhause und wendet sich auf dem Weg dorthin Gott zu. Auch Ella ist auf der Suche nach einem Mann …
Meine Meinung:
Der Roman lässt sich nur schwer in eine Genreschublade pressen.
Das ist gerade das Besondere daran. Er ist aus drei Teilen aufgebaut, jeweils aus der Sicht einer der drei Frauen. Diesen kommt man dadurch recht nahe. Man erlebt ihre Gedanken und Gefühle hautnah und kann ihre Handlungsweisen gut verstehen. Sie wirken unspektakulär und authentisch. Der Mann blieb mir dagegen seltsam fremd, obwohl er eine große Rolle spielt und ich gerne mehr über ihn erfahren hätte.
Die Geschichte ist auf jeden Fall gut komponiert, wenngleich ich den Hype, den der Verlag darum macht, nicht ganz nachvollziehen kann. So absolut außergewöhnlich ist das Buch nun auch wieder nicht. Der Schreibstil ist gut und einfach lesbar, aber keineswegs trivial. Gerade im ersten Teil war ich noch nicht allzu sehr gefesselt, die Handlung fließt hier sachte vor sich hin. Doch immer mehr baut sich eine unterschwellige Spannung auf, die dafür sorgt, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen will.







