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Rezensionen von Lilli33:

Ein Buch mit Schwächen, aber auch mit einer enormen Sogwirkung

Dire Bound von Sable Sorensen

Ein Buch mit Schwächen, aber auch mit einer enormen Sogwirkung

Sable Sorensen ist das Pseudonym der Autorinnen Eliza und Annie, die mit „Dire Bound“ einen tollen Auftaktband der Wolves-of-Ruin-Reihe geschaffen haben. Er erschien im Februar 2026 im Goldmann Verlag.

Die Protagonistin Meryn Cooper lebt mit ihrer kleinen Schwester Saela und ihrer Mutter in Sturmfrost, der Königsstadt von Nocturna.

Seit Jahrhunderten ist das Reich schon im Krieg mit Astreonia, das von den unsterblichen Siphonen bewohnt wird. Letztere beziehen ihre Kräfte aus dem Blut der Menschen. Vor allem das der Kinder ist energiegeladen. Und so verschwinden immer wieder Kinder aus Sturmfrost. Als Saela entführt wird, schwört Meryn, sie zurückzuholen. Dafür meldet sie sich zur Armee. Doch anstatt direkt an die Front versetzt zu werden, muss sie die gefährlichen Prüfungen zur Gebundenen absolvieren. Die uralte und mächtige Schattenwölfin Anassa wählt Meryn für eine Bindung aus.

Besonders den Anfang dieses Buches fand ich ganz hervorragend. Ich fühlte mich sofort heimisch in dieser besonderen Welt und hatte keinerlei Schwierigkeiten, mir das Beschriebene vorzustellen. Der Schreibstil ist leicht und lebendig. Es gibt einige Dialoge, die mich zum Schmunzeln brachten, aber auch sehr viele spannende Szenen. Die Geschichte zog mich unweigerlich in ihren Bann und ich konnte zwischendurch kaum aufhören zu lesen. Bei mehr als 800 Seiten sind das schon mal unverzichtbare Voraussetzungen für ein tolles Leseerlebnis.

Meryn ist eine taffe junge Frau, die sich aufopferungsvoll um ihre kleine Familie kümmert und sich gegen allerlei Männer durchzusetzen weiß. Ihre Beziehung zu Lee, einem Palastkurier, fand ich ziemlich süß. Allerdings war es mir auf Dauer dann doch zu viel „Spice“, das hätte ich definitiv nicht gebraucht.

je weiter die Handlung voranschritt, desto mehr haderte ich mit den Figuren. Meryn und auch ihr Ausbilder Stark benehmen sich manchmal einfach nur dumm. Das ist zwar für den Fortgang der Geschichte gut, hat mich aber doch genervt. Auch die brutale Auslese in den Bindungsprüfungen hätte nicht sein müssen. Gewalt und Manipulation in jeglicher Form nehmen hier einen großen Raum ein. Wer auf meterweit spritzendes Blut allergisch reagiert, sollte besser die Finger von dem Buch lassen.

Auch wenn hier etliche Klischees bedient werden, hat es mir doch unheimlich viel Spaß gemacht, diesen verzwickten Fantasyroman zu lesen. Das Ende bietet mit einer überraschenden Wendung einen Zwischenabschluss, mit dem ich bis zum Erscheinen des 2. Bandes gut leben kann.

Die Wolves-of-Ruin-Reihe:
1. Dire Bound
2. Fury Bound (ET Juli 2026)

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Herrlich undurchsichtige Charaktere

Witch of the Wolves: Halbmond Erbe von Kaylee Archer

Herrlich undurchsichtige Charaktere

Seit dem Tod ihrer Mutter lebt Cordelia bei ihrer Tante Lenora in London. Beide sind mächtige Hexen. Cordelia versteckt sich vor ihrem Vater Silas, dem Alpha des Albion-Rudels. Doch irgendwann wird sie entdeckt und von Silas’ rechter Hand Bishop entführt, weil ihr Vater sie vor einer großen Gefahr beschützen will, von der Cordelia bis dahin gar nichts wusste, und auch ihren Vater und sein Rudel kannte sie nicht.

Mir hat es großen Spaß gemacht, über Hexen und Werwölfe sowie andere übernatürliche Wesen zu lesen. Die Mischung ist gut gelungen, der Schreibstil in der Regel flüssig, nur an einigen wenigen Stellen etwas holprig, was icb aber nicht weiter schlimm fand.

Die Ausarbeitung der verschiedenen Charaktere ist toll. Cordelia ist eine wirklich taffe junge Frau, die sich nicht die Butter vom Brot nehmen lässt, sondern für ihre Rechte kämpft und sich nichts vorschreiben lässt. Aus ihrer Perspektive erleben wir die Handlung und sind ihr so ganz nah, bekommen ihre Gedanken und Gefühle hautnah mit. Von ihrem Gegenpart Bishop wissen wir hingegen kaum, welche Absichten er wirklich verfolgt, ob er auf Cordelias Seite ist oder auf der ihres Vaters oder gar auf seiner eigenen. Diese Unsicherheit macht die Sache spannend, auch weil die beiden sich unweigerlich zueinander hingezogen fühlen. Die Romanze entwickelt sich dabei recht schnell, auch wenn beide es erst mal abstreiten - hier sehen die Lesenden einfach mehr. ;-) Ein paar moderate Sexszenen fügen sich gut in die Handlung ein, wären für mich aber nicht so ausführlich notwendig gewesen.

Auch wenn die Handlung in kleinen Details vorhersehbar ist, ergeben sich für das große Ganze doch immer wieder überraschende Wendungen. Es fließt einiges an Blut, auch viel Gewalt ist im Spiel. Wer das nicht erträgt, sollte eher die Finger von diesem ansonsten recht unterhaltsamen Buch lassen.

Das Ende ist für den Moment einigermaßen abgeschlossen, aber eine Fortsetzung bietet sich an. Wann diese erscheinen wird, ist mir noch unbekannt. Die deutsche Ausgabe von „Witch of the Wolves. Halbmond Erbe“ erschien im Februar 2026 bei HarperCollins.

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Zwischen Coming of Age und Thriller

Kala von Walsh Colin; O'Brien Andrea

Zwischen Coming of Age und Thriller

„Kala“ ist der Debütroman von Colin Walsh. Das merkt man diesem Werk keineswegs an. Ich empfand die Story von Anfang bis Ende als ausgefeilt und rund, dabei auch sprachlich sehr schön präsentiert. Auf Deutsch erschien das Buch im Februar 2026 im Gutkind Verlag.

2003, Kinlough, Irland. Eine Clique von Fünfzehnjährigen genießt den Sommer. Die Jugendlichen machen allerlei Blödsinn, probieren sich aus, gehen an die Grenzen - Pubertät eben. Kala, Helen, Aoife, Mush, Joe und Aidan gehen zusammen scheinbar durch Dick und Dünn. Doch wenn man genau hinsieht, bemerkt man die Risse. Und dann verschwindet im November Kala von einem auf den anderen Tag spurlos. Die Zurückgebliebenen müssen mit diesem Verlust fertigwerden und sich fragen, ob sie eine Schuld an Kalas Verschwinden tragen.

2018 treffen sich Helen, Mush und Joe anlässlich der Hochzeit von Helens Vater wieder. Aiden ist inzwischen verstorben, Aoife weggezogen. Helen flüchtete nach Kalas Verschwinden nach Kanada, Joe wurde ein berühmter Musiker. Nur Mush blieb stets in Kinlough, wo er seiner Mutter im Café hilft. Als auf einer Baustelle ein Skelett gefunden wird, stellt sich schnell heraus, dass es sich um Kala handelt. Die sterblichen Überreste weisen Anzeichen von massiven Verletzungen auf. Was ist mit Kala vor fünfzehn Jahren geschehen? Vor allem die Journalistin Helen bohrt nach, nicht wissend, dass sie dadurch sich und ihre Freunde in höchste Gefahr bringt.

Der Roman beginnt ziemlich gemächlich. Aus verschiedenen Perspektiven lernen wir die Gruppe mitsamt ihrer Dynamik kennen. Heute, fünfzehn Jahre später, hängt die Vergangenheit immer noch wie ein Damoklesschwert über den jungen Menschen. Vieles wurde verdrängt, will nun aber an die Oberfläche. Mit jeder gelesenen Seite entwickelt die Handlung einen immer stärkeren Sog, werden die Figuren immer greifbarer. Nachdem Colin Walsh uns zunächst viele rätselhafte Andeutungen vorlegt, serviert er uns schließlich häppchenweise die Fakten, knüpft ein Netz von unerwarteten Verbindungen und Ereignissen.

Der Schreibstil ist fesselnd, atmosphärisch dicht und bildhaft. Mein Kopfkino hatte ordentlich zu tun. So liebe ich das! Was als Coming of Age-Roman beginnt, endet schließlich als spannender Thriller.

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Leichte Literatur

Wir Freitagsmänner von Hans-Gerd Raeth

Leichte Literatur

Eigentlich lese ich solche Bücher eher selten. Diesmal habe ich nur zugegriffen, weil ich den Klappentext und auch die Hörprobe klasse fand. Der Sprecher Christoph Maria Herbst macht seine Sache wirklich gut, liest gut betont und verleiht den verschiedenen Figuren Charakter. Ich habe ihm sehr gerne gelauscht.

Das Hörbuch ist ungekürzt und hat eine Laufzeit von 6 h 34 min.

Trotz des ernsten Themas - die Wechseljahre des Henri Albers - ist der Roman dank seines leichten Schreibstils sehr locker zu genießen. Der Humor ist fast genau auf meiner Wellenlänge. Immer wieder musste ich schmunzeln oder gar laut lachen. Henri fand ich größtenteils sympathisch. Und auch seine Hündin Bobby ist herzallerliebst.

Henri ist geschieden, aber aktuell wieder auf der Suche nach einer Partnerin. Bei einem sehr kuriosen Date lernt er zufällig Emily kennen und ist quasi schockverliebt. Doch Emily hat ganz andere Interessen. Mit diversen Tricks versucht Henri, sie für sich zu gewinnen. Das war zunächst ganz lustig, am Ende war mir Henris Aufdringlichkeit aber definitiv zu viel. Darüber konnte ich dann nicht mehr lachen.

Interessant fand ich jedoch die Gedanken zu den Wechseljahren des Mannes. Als Frau habe ich mir da ehrlich gesagt noch keine großen Gedanken dazu gemacht. Hier konnte ich einiges dazulernen.

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Atmosphärisch dicht

Fünf Fremde von Romy Fölck

Atmosphärisch dicht

Nordseeinsel Neuwerk, August 1995. Während eines Schullandheimaufenthalts verschwinden die Teenager Isa und Janosch. Nach Tagen wird Isa gefunden, so traumatisiert, dass sie kein Wort spricht. Was mit Janosch geschah, bleibt ungelöst.

Dreißig Jahre später treffen verschiedene Personen auf Neuwerk aufeinander.

Manche kennen sich von früher, andere sind sich bis dahin fremd, doch alle haben irgendwie mit dem Fall von damals zu tun. Ihr Zusammentreffen ist kein Zufall …

Der Anfang dieses Buches ist einfach großartig. Es hat mich sofort gepackt und ich fand mich auf der kleinen Nordseeinsel wieder, die ich zwar nicht in Wirklichkeit kenne, aber nach dieser Lektüre zu kennen glaube, so lebensecht wird sie und ihre Bewohner beschrieben.

Die Ereignisse werden so intensiv und atmosphärisch geschildert, dass man meint, mittendrin dabei zu sein. Nicht nur die ungeklärten Vorkommnisse in der Vergangenheit, sondern auch solche in der Gegenwart lassen einen hin und wieder zusammenzucken. Ein Übriges tut ein fürchterlicher Orkan, der das Fortkommen auf und von der Insel unmöglich macht.

Aus wechselnden Perspektiven und in zwei Zeitebenen (1995 und 2025) setzt sich nach und nach ein komplexes Bild der ganzen Handlung zusammen. Man kann dabei sehr gut miträtseln, wer und was hinter der ganzen Geschichte steckt. Einiges habe ich dabei schon früh vermutet, anderes konnte mich überraschen. Aber leider erschien mir die Auflösung zu konstruiert und unwahrscheinlich. Da spielen schon ziemlich viele Zufälle und nicht nachvollziehbares Handeln mit.

Nichtsdestotrotz hat mir das Buch aufgrund seiner vielen spannenden Elemente und der lebendigen Erzählweise gut gefallen.

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Schuld, Magie und Liebe

Das White Octopus Hotel von Alexandra Bell

Schuld, Magie und Liebe

Als Eve Shaw auf ihrer Arbeitsstelle von einem fremden alten Herrn besucht wird, der denselben Namen trägt wie Eves Lieblingskomponist Max Every, hat sie das unheimliche Gefühl, ihn zu kennen. Doch das scheint unmöglich. Und nun bittet dieser Max Every sie auch noch, ins White Octopus Hotel in den Schweizer Bergen zu reisen.

Eves Recherchen ergeben, dass das Hotel bereits vor über achtzig Jahren geschlossen wurde. Trotzdem macht sie sich auf den Weg und landet in einem eleganten Grand Hotel mit mysteriösen Gegenständen, Zeitreisezimmern und vielen Geheimnissen.

Mich konnte Eves Geschichte richtig packen, denn sie ist weitaus tiefgründiger als es der erste Anschein erahnen lässt. Seit vielen Jahren plagt Eve sich mit Schuldgefühlen und zieht sich immer mehr in sich zurück. Das Auftauchen des Fremden rüttelt sie auf, zumal es auch das Gerücht gibt, dass man im White Octopus Hotel die Zeit zurückdrehen könnte. Könnte Eve den Tod ihrer kleinen Schwester damit ungeschehen machen? Auch Max Every trägt eine schwere Last. Im Ersten Weltkrieg hat er so viel Leid mit ansehen müssen, was ihm zuweilen den Lebensmut nimmt.

Obwohl beide Protas schier unter ihrer Last zu zerbrechen drohen, schafft Alexandra Bell es, eine hoffnungsvolle Atmosphäre zu kreieren. Mit einem leichten Schreibstil und der sanften Entwicklung einer Romanze ist dieses Buch einfach schön und sehr berührend. Allerdings hatte ich beim Hören leichte Schwierigkeiten, den Zeitreisesprüngen zu folgen. Hier gibt es einiges an Hin und Her. Das Buch handelt in drei Zeitebenen: Gegenwart (2016), 1935 und 1918. Anfangs fand ich dies verwirrend, später hatte ich mich daran gewöhnt. Es hat mir sogar sehr gut gefallen, wie die verschiedenen Zeitstränge miteinander verwoben sind. Je mehr man die Verbindungen aufdeckt, desto mehr Überraschungen kommen auch zum Vorschein.

Ich habe das Hörbuch gehört, gesprochen von Sarah Dorsel und Sebastian Fischer. Beide machen ihre Sache sehr gut, lesen gut betont und transportieren mit ihrer Stimme die Atmosphäre zu den Hörenden. Der Text ist ungekürzt, die Lauflänge beträgt 10 h 49 min.

Gerne empfehle ich diese magische und berührende Geschichte weiter.

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Unser Haus mit Rutsche von Safia Al Bagdadi

Hat was, aber leider nicht genug

Layla Beni Sayed hadert mit sich und ihrem Leben. Verschiedene berufliche Ansätze waren nicht von Erfolg gekrönt. Auch die Schriftstellerei läuft ihr nicht einfach von der Hand. In Gesprächen mit ihrer Psychotherapeutin und ihrem Hausarzt kommt sie sich selbst näher.

In episodischen Rückblenden begleiten wir Layla durch ihre außergewöhnliche Kindheit in Saarbrücken. Behütet von einer französischstämmigen Mutter und einem irakischen Vater, der oft auf Reisen ist, verläuft ihr Leben anders als das ihrer Freundinnen. Amir, der Vater, ist eine schillernde Person, in gewisser Weise ein Traumtänzer, der seiner Familie die tollsten Träume ausmalt, wie zum Beispiel das Haus mit Rutsche in Bagdad. Doch immer wieder kommt etwas dazwischen, beispielsweise der Golfkrieg, wodurch Amir arbeitslos wird und nicht wieder auf die Beine kommt.

Wir haben an bestimmten Ereignissen Anteil, aber auch am ganz gewöhnlichen Alltag dieser Familie - alles betrachtet durch die Augen des Kindes Layla. Vieles hätte ich mir tiefgründiger und intensiver gewünscht, aber klar, ein Kind begreift die Dinge nicht so wie ein Erwachsener. So empfand ich vieles als eher belanglos, was für die kleine Layla eine große Bedeutung hatte. Nichtsdestotrotz war es interessant, einen Blick in diese bunte Familie (auch auf die weiteren Familienangehörigen in Frankreich und im Irak) zu werfen und das Aufeinanderprallen der grundverschiedenen Kulturen zu beobachten.

Der Schreibstil ist sehr angenehm, zuweilen mit einer Prise Humor gewürzt, sodass man fast über die zum Teil schlimmen Ereignisse hinweg getäuscht wird.

Die Handlung in der Gegenwart gefiel mir bei Weitem nicht so gut wie die in der Vergangenheit. Laylas Gedanken haben mich hier verwirrt und vor allem die wiederkehrenden Suizidgedanken fand ich verstörend.

Das Buch erschien im Februar 2026 im Carl Hanser Verlag.

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Das war nicht meins

Die Reise ans Ende der Geschichte von Magnusson Kristof

Das war nicht meins

Das Ende des Kalten Krieges muss gefeiert werden. Zu diesem Anlass trifft man sich im Garten der Botschaft der Russischen Föderation in Rom. Der alternde Doppelagent Dieter Germeshausen, der unter den neuen Umständen um seine Lebensgrundlage fürchtet, hat einen letzten Plan, bevor er sich zurückziehen will.

Doch dazu braucht er den jungen Dichter Jakob Dreiser, der im Gegensatz zu Germeshausen gut mit Worten umgehen kann. Gemeinsam reisen sie nach Kasachstan, damit Germeshausen das große Geld scheffeln kann. Doch Jakob Dreiser ist von seiner neuen Spionagetätigkeit so begeistert, dass er Germeshausens Anweisungen spontan in den Wind schlägt und auf eigene Faust handelt …

Von Kristof Magnusson habe ich bereits „Das war ich nicht“ gelesen, und das gefiel mir um Längen besser. Mit „Die Reise ans Ende der Geschichte“ konnte ich leider nicht viel anfangen. So witzig wie im Klappentext versprochen, fand ich das Buch bei Weitem nicht. Die Charaktere sind slapstickartig überzeichnet, dabei aber erstaunlich eindimensional und nichtssagend bis unglaubwürdig.

Nach einem spannenden Anfang, wo Germeshausen einen Giftanschlag erleidet, geht es erst mal recht gemächlich in der Vergangenheit weiter. Über Seiten wird die Party im Garten der russischen Botschaft beschrieben, ohne dass etwas Wesentliches geschieht. Ganz langsam werden hier Germeshausen und Dreiser zusammengeführt. Das hätte für meinen Geschmack ruhig etwas schneller passieren dürfen. Und die Story zieht sich auch danach in die Länge. Erst gegen Ende kommt dann etwas Tempo und auch Spannung auf. Und dann ist plötzlich Schluss, ohne dass die Geschichte ans Ende gekommen wäre - zumindest empfinde ich es so.

Sprachlich ist der Roman sehr in Ordnung, auch die Idee ist toll. Doch leider schaffte der Autor es nicht, mir die Figuren nahe zu bringen.

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Psychothriller für Jugendliche (und Erwachsene)

Happy Head von Josh Silver

Psychothriller für Jugendliche (und Erwachsene)

Das Buch ist wohl eher für Jugendliche ab ca. 14 Jahre gedacht, konnte mich als Erwachsene aber auch gut fesseln. Der Schreibstil ist relativ einfach, wirkt durch die Chatnachrichten und einige Ausdrücke aus der Jugendsprache aber sehr lebendig und authentisch.

Der siebzehnjährige Sebastian wurde ausgewählt, um an einem Programm für mentale Gesundheit von Jugendlichen teilzunehmen - HappyHead. Zusammen mit 99 anderen Teenagern wird er zwei Wochen irgendwo in Schottland verbringen, um den Startstein für sein weiteres - glückliches - Leben zu legen. Täglich warten neue Challenges auf die Teilnehmer. Schon bald ergeben sich Zweifel am Sinn der Maßnahmen, und noch schlimmer: Die Jugendlichen scheinen sogar in Gefahr zu sein.

Seb ist ein angenehmer Charakter, den ich gerne begleitet habe. Seine Charakterentwicklung hat mir gut gefallen. Noch besser fand ich allerdings den rebellisch erscheinenden Finneas, der sich von Anfang an nicht aufzwingen lässt. Beide zusammen sind ein tolles Protagonistenpaar. Ich habe beide ganz schnell in mein Herz geschlossen und mit ihnen gebangt, dass sie aus dieser Sache heil wieder raus kommen.

Die Story ist unglaublich spannend und rätselhaft. Was steckt wirklich hinter diesem Programm und dieser Einrichtung? Welche Rolle spielen die Betreuer? Und warum werden die Teenager bis aufs Blut getriezt? Seite für Seite deckt diese rasant erzählte Geschichte Unglaubliches auf, das einem schier das Blut in den Adern gefrieren lässt. Ein echter Pageturner, den ich innerhalb kürzester Zeit verschlungen habe. Auf die Fortsetzung freue ich mich jetzt schon.

Die Dilogie:
1. Happy Head
2. Dead Happy (ET Herbst 2026)

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Vom Unglück einer Familie

Alle glücklich von Kira Mohn

Vom Unglück einer Familie

„Alle glücklich“ von Kira Mohn, die sich mit diesem Roman in ein für sie neues Genre wagt, ist im Januar 2026 im HarperCollinsVerlag erschienen.

Für mich war es das erste Buch der Autorin, ich hatte daher keine besonderen Erwartungen. Na ja, außer vielleicht, dass zumindest jemand glücklich ist in dieser Geschichte.

Tatsächlich stellt sich die Familie Holtstein aber ganz anders dar.

Mutter Nina begnügt sich mit einem Job als Arzthelferin, da sie ihr Medizinstudium wegen der Schwangerschaft mit Ben abbrechen musste, während Vater Alexander seines beendet und eine erfolgreiche Karriere in der Klinik hingelegt hat. Er rackert sich für die Familie ab, ist aber viel zu selten daheim. Der neunzehnjährige Ben fühlt sich wie ein Loser. Er wünscht sich so sehr eine Freundin, vor allem, da seine drei Jahre jüngere Schwester Emilia anscheinend in einer glücklichen Beziehung mit Julian ist.

Der Roman sollte vielleicht besser „Alle nicht wirklich glücklich“ heißen, doch das ist nur der Anfang. Das dicke Ende kommt erst zum Schluss. Abwechselnd begleiten wir die vier Protagonist*innen durch ihren Alltag, lernen sie dabei immer besser kennen und dürfen hinter ihre Fassaden schauen. Dabei wirkt das Leben der Familie anfangs noch recht normal, wie es sicher in vielen realen Familien ist. Das Ende gleicht dann eher einem Erdbeben, das keinen Stein mehr auf dem anderen lässt. Das war mir dann fast schon zu heftig in dieser Größenordnung. Und leider endet die Geschichte dann auch noch recht offen, was ich nicht so besonders mag.

Der Schreibstil ist ziemlich einfach und nüchtern gehalten. Dabei gäbe es hier so viele Emotionen zur Leserin zu transportieren. Insgesamt konnte mich der Roman nicht wirklich mitreißen, obwohl ich mich gut in sämtliche Familienmitglieder hineinversetzen konnte.

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