Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Lilli33:
Neue Reihe mit einigen alten Bekannten
Ungelöst - Die erste Zeugin von Arno Strobel
Neue Reihe mit einigen alten Bekannten
„Ungelöst. Die erste Zeugin“ knüpft an ein früheres Werk von Arno Strobel an, „Das Wesen“. Einige der damaligen Protagonisten spielen auch im aktuellen Buch wieder eine große Rolle, die ermittelnden Polizisten sind aber neu. Man muss auch überhaupt keine Vorkenntnisse mitbringen.
Was man über die einzelnen Charaktere von damals wissen muss, wird hier gesagt.
Nachdem Bernd Menkhoff den Psychiater Dr. Joachim Lichner ins Gefängnis gebracht hat, ist er nun wieder entlassen worden und prompt verschwinden erneut kleine Mädchen. Natürlich fällt der Verdacht sofort wieder auf Lichner. Luisa Menkhoff, die Tochter des inzwischen verstorbenen Bernd Menkhoff, bietet der Polizei ihre Hilfe an. Durch ihr eidetisches Gedächtnis hat sie unendlich viele interessante Erinnerungen, die zur Aufklärung der Fälle führen könnten. Doch bald geschieht etwas, was darauf hinweist, dass Lichner doch nicht der Täter sein kann …
Von der ersten bis zur letzten Seite hat mich dieses Buch gepackt. Ich wollte es kaum aus der Hand legen, denn die Spannung empfand ich als kontinuierlich hoch. Durch sympathische Protagonist*innen, aber auch durch schwer durchschaubare, war ich durchgehend von der Handlung gefesselt und habe mit den Ermittlern um die Entführungsopfer gebangt und gerätselt, wie alles tatsächlich zusammenhängt. Hierbei warten eine Menge überraschende Wendungen auf die Lesenden. Kaum meint man zu wissen, wer was und warum, dreht sich die Geschichte wieder komplett in eine andere Richtung. Für mich war hier kaum etwas vorhersehbar. Die einzelnen Fakten erkannte ich meistens erst, wenn der Autor mir den entscheidenden Hinweis gab.
„Ungelöst. Die erste Zeugin“ ist der Auftaktband einer neuen Reihe um Cold Cases. Ich bin schon sehr gespannt, wann und womit es weitergeht.
Fazit:
Sehr spannende Unterhaltung für alle Thrillerfans, die nicht unbedingt tiefschürfende Kost brauchen, sondern einfach mal vom Alltag abschalten wollen.
Hat mich absolut gefesselt
Die Insel meiner Schwester von Sara B. Elfgren
Hat mich absolut gefesselt
Im Alter von vierzehn Jahren erfährt Mirjam, dass sie eine fast gleichaltrige Halbschwester hat. Die beiden lernen sich heimlich kennen und werden beste Freundinnen, bis sie sich wieder aus den Augen verlieren. Als Nia dann nach längerer Zeit sich wieder meldet und Mirjam zu ihrem vierzigsten Geburtstag auf die Familieninsel einlädt, hat diese schon ein ungutes Gefühl …
Sara Bergmark Elfgren packt hier schwierige Themen an, meistert die Gratwanderung zwischen bedrückenden Situationen und leichter Erzählung einfach klasse.
Mirjams Lebensgefährte hat sich nach zehn Jahren gerade von ihr getrennt; sie ist am Boden zerstört. Doch noch mehr Sorgen macht sie sich um ihre Schwester Nia, die seit Jahren in einer toxischen Beziehung feststeckt und es einfach nicht schafft, sich von ihrem Mann zu lösen.
Behutsam erzählt die Autorin die Geschichte der beiden Frauen aus der Ich-Perspektive von Mirjam. Dadurch bekommt man alle Gedanken und Gefühle aus erster Hand mit und kann leicht nachvollziehen, warum sie so handelt, wie sie handelt. Aber auch an Nia fühlte ich mich ganz nah dran und konnte sehr gut verstehen, wie sie an diesen Mann geraten ist und warum sie ihn nicht einfach verlassen kann, obwohl vielleicht sogar ihr Leben in Gefahr ist. Dies wird sehr schön durch Rückblenden/Erinnerungsfragmente gelöst.
Die Atmosphäre ist dabei von Anfang an untergründig spannend. Man hat den Eindruck, dass jeden Augenblick etwas passieren muss, doch hier spannt Sara B. Elfgren uns etwas auf die Folter. Der große Knall kommt erst später, dann aber mit aller Wucht! Ich war total erstaunt über die Wendungen, die die Handlung nimmt. Dieser Roman weist mehr Spannung auf als so mancher Thriller.
Stellenweise langatmig
Loki - Her Twisted Heart von Franka Neubauer
Stellenweise langatmig
Der Klappentext hat mich gleich gefangen genommen. Loki hat mich schon immer fasziniert. Interessant fand ich, dass hier die verschiedenen Mythologien vermischt werden: Loki als nordischer Gott sowie weitere Götter aus der nordischen, der römischen und der griechischen Mythologie.
Davon versprach ich mir viel Spannung, aber leider haben alle Götter und Göttinnen außer Loki nur Kurzauftritte, wobei ihre Herkunft auch keine große Rolle spielt.
Harlow hasst die Götter. Doch als ihre Freundin Asra und andere Bewohnerinnen ihres Lagers von einer tödlichen Krankheit befallen werden, wird sie für die Suche nach einem Heilmittel in die Götterwelt Abyssos zu Loki geschickt. Loki, der Gott des Chaos und der Täuschung. Und tatsächlich weiß Harlow nie, woran sie mit ihm ist, ob sie ihm trauen kann oder besser doch nicht. Als die beiden dann auch noch von Amors Pfeil getroffen werden, sind sie aneinander gebunden - verflucht, auf ewig zusammen zu sein. Das ergibt einige spritzige Dialoge zwischen den beiden „Kontrahenten“. Dies hat mir gut gefallen.
Allerliebst war auch der kleine Wassergeist Kaia. Kaia konnte mir bei jedem ihrer Auftritte eine Lächeln ins Gesicht zaubern. Loki empfand ich als eine sehr zwiespältige und dadurch unheimlich interessante Figur. Bei ihm muss man stets auf der Hut sein. Er bleibt undurchsichtig bis zum Schluss. Der Situation geschuldet, wirkt Harlow anfangs ein bisschen jammernd und selbstmitleidig. Das ist nicht so ganz meins, aber zum Glück entwickelt sie sich ganz schnell in eine andere Richtung.
Der Schreibstil ist gut zu lesen, relativ einfach und ohne Schnörkel. Manchmal erschien er mir etwas zu flapsig angesichts jahrtausendealter Götter, zumal das nicht durchgehend der Fall ist. Sonst hätte ich es tolerieren können.
Eigentlich ist die Story ganz interessant und spannend. Stellenweise hat die Erzählung aber auch ziemliche Längen, wo ich mich regelrecht zum Weiterlesen zwingen musste.
Die Loki-Dilogie:
1. Loki. Her Twisted Heart
2. Loki. His Dark Soul (ET: Juli 2026)
Lesenswert, wenn auch mit Luft nach oben
Hazel sagt Nein von Gross Jessica Berger; Koonen Angela
Lesenswert, wenn auch mit Luft nach oben
„Hazel sagt Nein“ ist der Debütroman von Jessica Berger Gross, die wie Hazel in New York aufgewachsen und dann nach Maine gezogen ist. Auch weitere einzelne Aspekte ihres eigenen Lebens hat sie in diesem Buch verarbeitet. Es ist aber bei Weitem kein autobiografischer Roman.
Der Anfang des Romans gefiel mir ausnehmend gut. Hazel wird an ihrem ersten Tag an der neuen Senior High School ins Büro des Direktors Richard White beordert, wo dieser ihr mitteilt, dass er jedes Jahr mit einer seiner Schülerinnen Sex und für das aktuelle Jahr Hazel ausgewählt hat. Wie vor den Kopf gestoßen, sagt Hazel das einzig Richtige: Nein! Damit will sie es eigentlich bewenden lassen, doch die Szene lässt sie in Gedanken nicht los, und so vertraut sie sich ihrer Mutter Claire an. Diese ist entsetzt und telefoniert sofort mit Hazels Vater Gus. Der kleine Bruder Wolf bekommt sowieso immer alles mit. Und so kommt die Lawine ins Rollen. Die Sache wird publik gemacht. Für Familie Greenberg Blum beginnt eine Zeit der Anfeindungen, denn White streitet alles ab und schiebt den Schwarzen Peter Hazel zu. Da er ein angesehenes Gemeindemitglied ist, sind viele der Bewohner auf seiner Seite.
Jessica Berger Gross erzählt diese unfassbare Geschichte aus verschiedenen Perspektiven. Alle Familienmitglieder kommen fast gleichermaßen zu Wort und wir dürfen miterleben, wie das Geschehen ihre jeweilige kleine Welt beeinträchtigt.
Die einzelnen Charaktere gefielen mir recht gut. Sie sind alle ungewöhnlich, haben ihre Ecken und Kanten, aber auch ganz viele liebenswürdige Seiten. Auf eine gewisse Weise mochte ich jede der Figuren sehr gerne, wobei die Szenen mit Wolf regelmäßig am witzigsten waren. Dieser Witz war auch sehr positiv, sonst wäre die Story zu negativ ausgefallen. Dabei ist der Autorin die Gratwanderung zwischen Ernsthaftigkeit und Witz gut gelungen.
Der Schreibstil war leider nicht so ganz nach meinem Geschmack. Ich empfand ihn mit seinen relativ kurzen Sätzen als zu einfach. Ein paar mehr Emotionen hätte ich mir auch gewünscht. Gerade Hazel als die Hauptbetroffene erschien mir oft zu abgeklärt.
Trotzdem fand ich diesen Roman absolut lesenswert, wenn auch durchaus noch Luft nach oben ist.
Fesselnde Story
Die Farm der Mädchen,2 Audio-CD, 2 MP3 von Hans Rosenfeldt
Fesselnde Story
Vor einem Jahr verlor die Polizistin Hannah Wester ihren Mann. Nach einer beruflichen Auszeit ist sie nun wieder am Start und bekommt es gleich mit einem für sie äußerst harten Fall zu tun, dem Fund eines toten Babys. Von dessen Mutter fehlt zunächst jede Spur. In schwierigen Ermittlungen kommt die Polizei einer Organisation auf die Spur, die junge Frauen zur Leihmutterschaft zwingt und ihnen dann die Kinder wegnimmt.
Während Hannah sich in den Fall kniet, kämpft sie gleichzeitig auch gegen private Probleme an, denn nicht nur ihr Mann wurde ihr genommen, sondern vor vielen Jahren auch ihre Tochter. Dass ihr dementer Vater sich ihr gegenüber ziemlich boshaft verhält, sorgt auch nicht gerade für ihr Wohlbefinden.
Nachdem ich von Hans Rosenfeldt schon einige super Bücher gelesen habe, konnte mich auch „Die Farm der Mädchen“ begeistern. Obwohl man ja schon ziemlich früh hinter die Kulissen blicken darf und weiß, wie die Zusammenhänge sind, bleibt die Handlung spannend und fesselnd. Zwar wissen die Lesenden, wer die Guten und wer die Bösen sind, aber die Frage ist durchgehend, wessen Pläne aufgehen und wessen vereitelt werden. Dabei geht es oft um Leben und Tod.
Mir gefiel die Ausarbeitung der verschiedenen Charaktere sehr gut. Auf der einen Seite die jungen schwangeren Frauen, deren Leben skrupellos zerstört wurde. Auf der anderen Seite reiche Menschen, die meinen, mit Geld alles kaufen zu können. Dann natürlich die Mitglieder der Organisation, denen ein Menschenleben gar nichts bedeutet - solange es nicht das eigene ist. Und schließlich die Polizist*innen, die zwischen Vergangenheit und Zukunft gefangen sind und dabei auch nur allzu menschlich wirken.
Ich habe mir dieses Hörbuch von Vera Teltz vorlesen lassen. Die gekürzte Ausgabe umfasst 10 Stunden, 42 Minuten. Die Sprecherin macht dabei ihre Sache ganz hervorragend. Es ist ein Vergnügen, ihrer angenehmen und vielfältigen Stimme zu lauschen, mit der sie die Atmosphäre passend darstellt.
Solider Kriminalroman
Hörst du den Schrei? von Jørn Lier Horst; Jan-Erik Fjell
Solider Kriminalroman
„Hörst du den Schrei?“ von Jørn Lier Horst und Jan-Erik Fjell ist der Auftaktband einer neuen Krimi-Reihe um den Krimi-Podcaster Markus Heger, erschienen bei blanvalet.
Vor fünfzehn Jahren verschwand die siebenjährige Leah spurlos. Nur aufgrund von Indizien wurde damals ihr Vater wegen Mordes verurteilt, obwohl er stets seine Unschuld beteuerte.
Markus Heger berichtete in seinem Podcast über den Fall und wollte ihn in einer 2. Episode wieder aufrollen. Doch seine Quelle zog ihre Aussage zurück, sodass es nichts Neues zu berichten gab. Als die junge Journalistin Mathilde Wold vom Fall Leah hört, wird sie neugierig und beginnt auf eigene Faust zu recherchieren. Kurz darauf ist auch sie verschwunden. Jetzt ist Markus Hegers Ehrgeiz geweckt. Er verbeißt sich in die Ermittlungen.
Mathilde ist eine sympathische junge Frau, die am Beginn ihrer beruflichen Laufbahn steht. Ihr Interesse für den Fall wirkt aufrichtig. Schade, dass sie so schnell von der Bildfläche verschwindet. Markus Heger wirkt bei Weitem nicht so sympathisch, aber auch nicht unbedingt unsympathisch. Er ist ein Mann mit einer bewegten Vergangenheit, unter der er immer noch leidet. Wir erfahren eine Menge über sein Vorleben wie seine unglücklichen Familienverhältnisse. Alles spielt in die Ermittlungen mit hinein.
Es fiel mir leicht, in die Handlung hineinzufinden. Der Fall wird auf eine interessante Art dargestellt. Bis wirklich Spannung aufgebaut wird, dauert es aber ein wenig. Der Schreibstil ist flüssig und einfach lesbar. Etwas tückisch sind nur die Rückblenden, die nicht besonders gekennzeichnet sind. Aber man merkt spätestens beim zweiten Satz, dass man sich nun in der Vergangenheit befindet.
Dadurch dass es mehrere mögliche Verdächtige gibt, lädt der Roman zum Miträtseln ein. Am Ende werden alle echten und falschen Spuren logisch aufgedröselt. Auch wenn einiges vorhersehbar war, konnte mich die Identität des Täters doch überraschen.
Von Jørn Lier Horst kenne ich etliche Wisting-Krimis, die mich allesamt mehr begeistern konnten als das vorliegende Buch, das aber trotzdem nicht schlecht ist. Ich werde die Reihe auf jeden Fall weiter verfolgen.
Mehr "Tell" als "Show"
Tale of Sun and Night 1: Tale of Sun and Night von Magdalena Gammel
Mehr „Tell“ als „Show“
Der Anfang dieses Debüts der jungen deutschen Autorin Magdalena Gammel hat mich richtig begeistert. Man wird gleich mitten in die Handlung geworfen, lernt die Sklavin Lio kennen, die fünf Jahre lang zur Assassinin ausgebildet wurde und nun ihren ersten Auftrag ausführen soll.
Lio ist eine mysteriöse Figur, kann sie sich doch an nichts erinnern, was vor ihrer Versklavung liegt. Ich konnte mich gut in sie hineinversetzen und fand diesen Charakter echt stark. Ihr rebellischer Geist gefiel mir sehr gut und auch der Sarkasmus, den sie versprüht. Witz und Sarkasmus, vor allem in den verschiedenen Dialogen, gibt es hier viel. Das lässt sich sehr vergnüglich lesen.
Der Anfang war also ziemlich stark, es wurde mir dann aber bald zu viel. Lio macht sich mit einer Gruppe auf eine Reise, und diese zieht sich schier endlos hin. Die einzelnen Orte und Ereignisse, die unterwegs liegen, fühlten sich für mich sehr austauschbar an. Alles wird detailliert beschrieben, aber nur weniges trägt zum Fortgang der Haupthandlung bei. Natürlich gibt es auch die ein oder andere spannende (Kampf-) Szene, aber insgesamt fand ich den Mittelteil doch ziemlich zäh. Ich musste mich immer wieder zum Weiterlesen zwingen.
Gegen Ende passieren dann wieder wesentliche Dinge, und zwar Schlag auf Schlag. Im Showdown wird einiges geklärt, doch am Schluss bleiben die Lesenden mit einem Cliffhanger zurück.
An Fantasie mangelt es Magdalena Gammel auf jeden Fall nicht. Die Welt, in die sie uns führt, ist voller seltsamer Wesen und voller Magie. Dabei hätte ich gerade in Bezug auf die Magie gerne noch weitere Erklärungen gehabt.
Alle Bände der Reihe im Loomlight-Verlag:
1. Tale of Sun and Night
2. Memories of Stars and Dust (Herbst 2026)
3. Echos of Shadow and Light (Frühjahr 2027)
Total spannend
Das Signal von Poznanski Ursula
Total spannend
„Das Signal“ ist beileibe nicht mein erstes Buch von Ursula Poznanski. Sie ist eine der wenigen Autor*innen, deren Bücher ich blind kaufen würde, denn sie versteht es, mich immer wieder komplett zu fesseln und mir so spannende Lesestunden zu bereiten. Auch ihr neuestes Werk ist in dieser Hinsicht ein Volltreffer und Pageturner.
Als die junge Innenarchitektin Viola im Krankenhaus aufwacht, fehlen ihr die Erinnerungen und ihr linkes Bein. Sie erfährt, dass der baufällige Weinkeller ihres alten Hauses über ihr zusammengebrochen ist. Doch Viola fällt einfach kein Grund ein, warum sie überhaupt in den Keller gegangen sein sollte. Er war das Terrain ihres Ehemannes Adam. Während Viola sich eine schnelle Genesung wünscht, scheint Adam genau diese hinauszögern zu wollen und sie zu boykottieren. Stattdessen engagiert er eine unfreundliche Pflegerin, die man eher für eine Gefängniswärterin halten könnte. Je länger Viola im Erdgeschoss ihres Hauses zur Untätigkeit verurteilt ist, desto mehr grübelt sie über Adams Beweggründe nach. Hängt alles mit einem Fehler zusammen, den Viola vor etlichen Jahren gemacht hat?
Von der ersten Seite an war ich total gebannt von dieser Story. Sie ist psychologisch wahnsinnig dicht. Die Atmosphäre in dem alten, einsam gelegenen Haus mit der gefühlskalten Pflegerin lässt einen schaudern, und der Schnee und die eisige Kälte draußen tragen auch mit dazu bei. Es verschwinden Dinge aus Violas Zimmer, die angeblich keiner gesehen hat. Und Adam sagt sehr oft nicht die Wahrheit, wie Viola erkennen muss. Doch in ihr reift eine unglaubliche Entschlossenheit, sich trotz ihres Handicaps nicht unterkriegen zu lassen. Ihre besonderen Probleme werden dabei empathisch und realistisch beschrieben. Auch ihre Gedanken und Gefühle sind gut nachvollziehbar, ist man beim Lesen doch ganz nah an der Ich-Erzählerin Viola dran.
„Das Signal“ ist ein klug ausgearbeiteter, spannender Thriller, der praktisch ohne Blut auskommt und trotzdem an den Nerven zehrt. Ein Katz- und Maus-Spiel, bei dem nicht immer klar ist, wer Katze und wer Maus ist …
Jasper Fforde halt ;-)
Wie die Karnickel von Jasper Fforde
Jasper Fforde halt ;-)
„Wie die Karnickel“ erschien im September 2025 im Satyr Verlag. Und wie könnte es da anders sein: Bei dem recht kurzweiligen Roman handelt es sich um eine feine Satire auf unsere Gesellschaft. Dabei verwendet Jasper Fforde viele Anspielungen auf ältere Werke der Literatur oder Filmbranche.
Alle habe ich wahrscheinlich gar nicht entdeckt, aber das ist überhaupt nicht schlimm. Es gibt auch so genügend Stellen zum Schmunzeln. Ich liebe ja diesen trockenen und schwarzen Humor.
Nach einem etwas schwierigen, ein bisschen trockenen und dabei sehr anspruchsvollen Anfang bekam ich eine herrliche Dystopie zu lesen. Fforde hält uns quasi mit einer Parabel einen Spiegel vor. Zwar geht es in dem Buch um Rassismus und Fremdenfeindlichkeit gegenüber Kaninchen, doch das lässt sich leicht auf unsere Gesellschaft übertragen, wenn man denn offen dafür sein will.
Vor 55 Jahren geschah DAS ANTHROPOMORPHENDE EREIGNIS. Dabei nahmen verschiedene Tierarten menschliche Körpergröße und andere Eigenschaften an. Während Füchse und Wiesel gut in die Gesellschaft integriert wurden, machten die vermenschlichten Kaninchen den Menschen im Vereinigten Königreich Angst, vermehrten sie sich doch sprichwörtlich und besaßen sogar einen höheren IQ als die Menschen. Die meisten Kaninchen lebten in abgeschlossenen Kolonien, einige aber auch in Freiheit unter den Menschen. Jetzt steht eine Zwangsumsiedelung aller Kaninchen an, die sich das aber nicht so einfach gefallen lassen wollen. Peter Knox gerät zwischen alle Fronten, als Connie Rabbit mit ihrer Familie in seine Nachbarschaft zieht. Peter und Connie verbindet die Vergangenheit, und sie fühlen sich immer noch zueinander hingezogen. Das Dumme dabei: Peter arbeitet für eine Organisation, die gegen die Kaninchen ist. Er tut es nicht aus Überzeugung, sondern weil er irgendwie sein Brot verdienen muss. Doch das Wiedersehen mit Connie bringt ihn in eine echte Zwickmühle.
Die Charakterentwicklung von Peter fand ich wirklich stark. Er ist kein Held im eigentlichen Sinne, wächst aber nach und nach weit über sich hinaus. Und die Kaninchen haben es faustdick hinter den langen Ohren! Vordergründig wirken sie fast ein bisschen naiv, doch die Pläne, die sie schmieden, führen um manche Ecke, die man nicht erwartet hätte. Sie sind immer für eine Überraschung gut.
Ein absolut lesenswertes Buch! Leider werden es diejenigen, die es nötig hätten, es wohl nicht lesen.
Tolle Story, weniger tolle Umsetzung
Heir of Illusion von Madeline Taylor
Tolle Story, weniger tolle Umsetzung
„Heir of Illusion“ ist der Auftaktband einer Romantasy-Story von Madeline Taylor. Es erschien im November 2025 bei dtv als Hardcover mit sehr schön gestaltetem Schutzumschlag und noch schönerem Einband darunter. Auch ein toller Farbschnitt ziert die Erstauflage, und eine Charakterkarte ist auch enthalten.
Die Handlung um Götter, deren Erben, einen grausamen König und Magie ist vielversprechend und eigentlich genau mein Ding. Doch die Autorin konnte mich zunächst leider nicht abholen. Zwar habe ich mich ganz schnell für die Protagonistin Ivy erwärmen können und mit ihr mitgefiebert, aber viele ihrer Handlungsweisen konnte ich nicht nachvollziehen. Da war mir ihr Charakter einfach zu wechselhaft. Mal tough und stark, dann wieder weinerlich, mitfühlend, unterwürfig oder egoistisch. Zu vieles hat für mich einfach nicht gepasst.
Auch bei der Entwicklung der Handlung gab es für mich Lücken. Dilemmas, von denen ich mir viel Spannung und Aha-Effekte erhoffte, lösen sich einfach in Luft auf. Und wenn ich so zurückdenke, ist nicht wirklich viel passiert. Die Handlung könnte man grob in ein paar Sätzen zusammenfassen. Aber man merkt, dass Madeline Taylor es liebt zu erzählen. Dabei wiederholt sie sich öfters und beschreibt außerdem viele Details, die für den Fortgang der Story keine Bedeutung haben. Emotionen konnte sie damit bei mir kaum erzeugen - es ist mehr „Tell“ als „Show“.
Die erste Hälfte empfand ich als recht langatmig und vorhersehbar. Doch dann dreht die Story auf. Eine Wendung jagt die andere, nichts ist mehr, wie es scheint, und alles wird auf den Kopf gestellt. Und bevor man sich wieder einigermaßen sortiert hat, ist das Buch zu Ende: ein bösartiger Cliffhanger!
Da Madeline Taylor mich erst kurz vor Ende so richtig packen konnte und mich mit dem Cliffhanger dann doch wieder verstimmt hat, weiß ich noch nicht, ob ich Ivys Geschichte weiter verfolgen werde, obwohl es jetzt gerade so richtig spannend wird.











