Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Lilli33:
Warmherzig und nostalgisch
Lovely Rita von Frank Goosen
Warmherzig und nostalgisch
Jahrzehntelang hat Rita Urbaniak die Kneipe „Haus Himmelreich“ geführt. Für viele Menschen ist sie eine zweite Heimat geworden. Doch irgendwann muss Schluss sein; Haus Himmelreich soll jetzt endgültig die Pforten schließen. Der Ich-Erzähler, ein Journalist, möchte darüber schreiben und verbringt die letzten zwei Abende zusammen mit den Stammgästen in der Kneipe.
Zwischen Tresen und Stammtisch werden ihm Geschichten zugetragen und Witze erzählt.
Frank Goosen hat dabei, wie so oft in seinen Werken, die Atmosphäre gut eingefangen. Mein Kopfkino sprang sofort an und zeigte mir die so unterschiedlichen Personen, die sich seit Jahrzehnten immer wieder in der Kneipe zusammenfinden, die dem Alltag entfliehen, über alle möglichen Themen diskutieren, sich necken und auch mal streiten. Doch Gisela, die Bedienung, hat alles immer im Griff. Aber wo steckt eigentlich Rita? Ausgerechnet die Frau, deren Geist im Himmelreich allgegenwärtig scheint, glänzt durch Abwesenheit.
In Rückblicken jedoch erfahren wir eine ganze Menge über sie, ihre Schwester Chris und ihre Nichte Verena. Der jeweilige Zeitgeist ist gut getroffen und wird mit der Erwähnung vieler Musiktitel und Künstler untermauert. Ich fühlte mich direkt in die Vergangenheit zurückversetzt.
Auch wenn es nicht Frank Goosens größter Wurf ist, mochte ich diese warmherzige Geschichte einer originellen Ruhrpottkneipe und ihrer Menschen, die sehr authentisch dargestellt werden. Tatsächlich hätte ich gerne noch mehr davon gelesen und mich gefreut, wenn manche Aspekte vertieft worden wären.
Beeindruckend und bedrückend
John of John von Douglas Stuart
Beeindruckend und bedrückend
Aufgewachsen auf einer kleinen Insel der Äußeren Hebriden, studierte Cal in Edinburgh, leider ohne anschließend einen Job zu finden. Da kommt die Bitte seines Vaters, nach Hause zurückzukehren, gar nicht so ungelegen. Doch Cal ahnt, dass das Zusammenleben mit seinem Vater John und seiner Großmutter Ella nicht einfach werden wird.
John ist in der Kirche sehr aktiv und bibelfest, sodass Cal sich nicht traut, ihm seine Homosexualität zu gestehen. Dabei hat John selbst ein Geheimnis, das ihm zu schaffen macht.
Douglas Stuart hat einen ganz wunderbaren, ehrlichen, direkten Schreibstil, der einen tief eintauchen und nicht an dem Gelesenen zweifeln lässt. Und was man hier zu lesen bekommt, ist harter Tobak. Es tut richtig weh, Cal dabei zu begleiten, sich selbst zu finden. Sein Hadern mit seiner Familie, mit seinem Leben, mit seiner sexuellen Orientierung, seine Unentschlossenheit zwischen Familienbanden und Freiheit lassen sich fast schon mit Händen greifen, so dicht und intensiv werden sie dargestellt.
Es passiert eigentlich nicht viel und doch benötigt die Story die über 550 Seiten, um sich genau richtig zu entwickeln. Ich hätte auch gerne noch mehr davon lesen können, mir war keine Seite zu viel. Die Handlung ist zwar nicht wirklich spannend, aber mich konnte sie so dermaßen fesseln, dass ich in jeder freien Minute nach dem Buch greifen musste. Und auch dazwischen waren meine Gedanken oft bei Cal und John und Innes und den anderen Dorfbewohnern, die auf einem unglaublich kargen Fleckchen Erde ihr Auskommen finden und es miteinander aushalten müssen.
Fazit:
Ein langsamer, intensiver Roman, den man nicht so schnell vergisst.
Empfehenswert auch für Kochanfänger
One Pot von Dr. Oetker Verlag
Empfehlenswert auch für Kochanfänger
„One Pot“ ist zur Zeit in aller Munde, habe ich den Eindruck. Auch ich liebe es, alle Zutaten „in einem Aufwasch“ zu garen und nebenbei Zeit für andere Dinge zu haben. Auf der Suche nach neuen Rezepten habe ich einen Blick in dieses Kochbuch geworfen und viele Rezepte nachgekocht.
Es ist für jeden etwas dabei, ob Vegetarier oder Veganer, Fleisch- oder Fischesser.
Das Buch ist gegliedert in die Kapitel
Basiswissen One Pots
Nudeln
Reis und Körner
Gemüse und Kartoffeln
Fleisch und Fisch
Süßes
Positiv:
Die Zutatenlisten sind überschaubar; alles ist im gut sortierten Supermarkt problemlos zu bekommen. Oft gibt es auch Tipps, was man gegen etwas anderes austauschen kann, je nach persönlicher Vorliebe.
Die Anleitungen sind kleinschrittig beschrieben und gut erklärt, sodass auch Kochanfänger damit klarkommen sollten.
Positiv hervorzuheben sind die Angaben von Energieinhalt, Protein, Fett und Kohlenhydraten.
Jedem Gericht ist ein ansprechendes Farbfoto zur Seite gestellt, bei dem einem das Wasser im Mund zusammenläuft. So kann man sich auch gut vorstellen, wie am Ende alles aussehen soll.
Neutral:
Der angegebene Zeitaufwand hat bei mir trotz jahrzehntelanger Kocherfahrung oft nicht ganz ausgereicht. Also lieber ein paar Minuten mehr einplanen.
In der Regel sind die Rezepte für 4 Personen gedacht, was bei meine vierköpfige Familie manchmal etwas knapp war.
Für mich hieß One Pot bisher: alle Zutaten in einen Topf, in eine Pfanne oder auf ein Backblech und garen lassen. In diesem Kochbuch gibt es allerdings einige Rezepte, wo man die Zutaten nach und nach gart und immer wieder aus dem Topf nimmt und zwischenlagert. Serviert wird dann am Ende alles in einem Topf.
Fazit:
Ein empfehlenswertes Kochbuch mit einem bunten Potpourri verschiedenster, relativ einfach herzustellender kompletter Mahlzeiten mit viel Gemüse, aber auch Fleisch und Fisch sowie Süßspeisen.
Durchwachsen
Summer Heat von Solveig-Marie Kastner
Durchwachsen
Nein, „durchwachsen“ trifft es eigentlich nicht. Es ist eher ein mageres Stück mit einem Fettrand. Wenn ich es noch einmal lesen würde, würde ich die ersten 300 Seiten querlesen und dann richtig einsteigen, denn erst dann kommt die Handlung in Fahrt und Spannung auf. Die ersten zwei Drittel der Geschichte ziehen sich, sind durchzogen von detaillierten Beschreibungen des Luxus-Resorts an der Algarve, von den Arbeitsbedingungen und der wiederholten Erwähnung, dass die Protagonistin Mia zu einem ganz bestimmten mysteriösen Zweck dort ist.
Dies wird so oft gesagt, dass ich mir irgendwann nur noch dachte: Entweder erfahre ich das jetzt auf der Stelle oder es kann mir den Buckel runter rutschen.
Dabei war mir Mia nicht sonderlich sympathisch. Sie wirkte auf mich auch nicht nahbar, was ich sehr schade fand, denn eigentlich ist ihre Vorgeschichte sehr berührend. Doch das habe ich ja erst gegen Ende erfahren. Mir war Mia auch viel zu naiv. Wer reist schon Tausende Kilometer zu einem Saisonjob, ohne sich vorher mal anzusehen, wo der Ort überhaupt liegt und was da drumherum ist? Dass man in Portugal nicht in Meilen, sondern in Kilometern rechnet, sollte sie auch wissen.
Leider bleiben die Nebenfiguren ziemlich blass und ich konnte bis zum Schluss ihre Handlungsweisen nicht immer nachvollziehen. Sie verhielten sich Mia gegenüber meines Erachtens grundlos gemein. Dies hatte wohl nur den Zweck, die Spannung zu erhöhen, da unsere Protagonistin so auf sich allein gestellt war.
Der Schreibstil ist ein Pluspunkt. Das Buch ist sehr angenehm und leicht zu lesen. Mit den relativ kurzen Kapiteln kann man sich schnell durch die knapp 500 Seiten arbeiten. Anfangs lesen wir nur Mias Ich-Perspektive, später kommen auch andere Charaktere zu Wort, was ich sehr gut fand, da mir Mia mit ihrer Paranoia zunehmend auf die Nerven ging. Wobei ja nicht gesagt ist, dass Menschen mit Paranoia nicht wirklich verfolgt werden. ????
Triggerwarnung (bei Bedarf bitte rückwärts lesen):
GNIBBOM NEGORD HCUARBSSIM RELLEUXES TLAWEG EHCILSUÄH
Die Zukunft hat schon begonnen
Ins fahle Herz des Sommers von Andreas Eschbach
Die Zukunft hat schon begonnen
Die Sommer werden immer heißer und länger. Der Regen bleibt aus. Wer konnte, ist schon längst in den Norden gezogen, nach Kanada, Sibirien und in andere Gebiete, die durch den Klimawandel jetzt geradezu paradiesisch sein müssen. Fausto ist geblieben, als einer von wenigen in dem Dorf irgendwo in Frankreich.
Sie kämpfen täglich ums Überleben. Eines Tages taucht eine junge Frau auf, der die Hitze überhaupt nichts auszumachen scheint, und Fausto verliebt sich Hals über Kopf …
232 Seiten für ein so komplexes Thema - das hätte mir gleich zu denken geben sollen. Das Szenario ist gut, man hätte tatsächlich viel mehr daraus machen können, wenn man dem Buch mehr Raum gegeben hätte. Zuweilen hatte ich den Eindruck, ein etwas umfangreicheres Exposé in Händen zu halten, dessen ausführliche Ausarbeitung erst noch erfolgen muss.
Der Anfang ist recht gemächlich. Eindrücklich und fast körperlich erfahren wir die brütende Hitze, die sengende Sonne, die alles Leben verdorren lässt. Das ist wirklich gut beschrieben. Aber dabei passiert erst mal nichts, was ich nicht in anderen dystopischen Romanen schon mehrfach gelesen hätte. Bis Valérie auftaucht. Mit ihr wird es spannend, wenn auch nicht unbedingt überraschend. Vieles ist so vorhersehbar.
Die Handlung ist eingleisig. Wir befinden uns die ganze Zeit an Faustos Seite. Trotzdem bleibt selbst der Protagonist ziemlich blass, von den übrigen Figuren mal ganz abgesehen.
Durch Faustos Gedanken, die sich viel mit der Vergangenheit beschäftigen, wird man erinnert, dass wir uns im richtigen Leben gerade in dieser Vergangenheit befinden, wo vor extremen Klimaänderungen gewarnt wird. Könnte unsere Zukunft auch wirklich so aussehen wie Faustos Gegenwart?
Wirkt zu bedrückend
Unter Wasser von Tara Menon
Wirkt zu bedrückend
„Unter Wasser“ ist Tara Menons Debütroman. Auch wenn mich dieses Werk nicht total begeistert hat, war es doch zumindest keine Zeitverschwendung. Der Schreibstil ist bildhaft, das Kopfkino kommt sofort in Gang. Das liebe ich. Besonders die Beschreibungen der Natur in Thailand, Flora und Fauna, die Menschen, die Farben haben es mir angetan.
Es ist ein richtiges Feuerwerk. Zuweilen empfand ich die Zahlen und Fakten als zu viel, da sie nicht unmittelbar mit der Handlung zusammenhängen und als Infodumping den Lesefluss hemmen.
Die Protagonistin Marissa schwingt in ihrer Erzählung zwischen Thailand 2004 und New York 2012 hin und her. So erleben wir die Freundschaft der unzertrennlichen Mädchen Marissa und Arielle in Thailand, begleiten sie beim Erforschen der Unterwasserwelt, beim Umgang mit Gefahren und beim langsamen Erwachsenwerden. In jedem Satz spürt man die unterschwellige Drohung eines Unglücks.
Acht Jahre später bereitet sich New York auf einen schweren Hurrikan vor. Marissa bleibt relativ gelassen, wurde ihr doch bereits vor Jahren ihr Liebstes genommen. Die Trauer steckt noch immer tief in ihr drin. Sie hat noch nicht gelernt, loszulassen und wirklich neu anzufangen. Durch den drohenden Hurrikan kommen die ganzen Erinnerungen wieder hoch.
Das Hauptthema ist unglaublich emotional, und trotzdem konnte mich dieser Roman nicht packen. Möglicherweise war das Hörbuchformat für mich persönlich nicht das Richtige. Die Sprecherin Merle Wasmuth liest für mein Empfinden zu distanziert. Ich glaube, wenn ich das Buch selbst gelesen hätte, hätte ich wesentlich mehr Gefühl in die Sätze gelegt und mich damit hochgepeitscht. Aber so plätschert die Geschichte ein wenig vor sich hin und berührt mich nicht in dem Maß, wie ich es erwartet und mir gewünscht hätte. Ein Manko ist zudem, dass in diesem recht kurzen Roman viele verschiedene Themen angerissen werden und dann einfach versanden.
Einerseits intensiv, andererseits distanziert
Laute Nächte von Anne Freytag
Einerseits intensiv, andererseits distanziert
Nachdem Kennis Freundin Jasmin bei einem Autounfall ums Leben kam, flüchtet er von München nach Wien, wo ihn keiner kennt, wo er neu anfangen will. Tatsächlich fühlt er sich in der WG mit Paul, Elif, Julia und später auch noch Harry bald heimisch.
Und trotzdem will es ihm nicht gelingen, Jasmin loszulassen.
Lange Zeit steht die tote Jasmin Kennis neuem Liebesglück im Weg. Wir dürfen ihn dabei begleiten, wie er sich nach und nach von ihr löst. Das ist ein schmerzhafter und langer Prozess, sodass es nicht verwundert, dass der Roman in drei Teile gegliedert ist, die im Abstand von mehreren Jahren handeln.
Ich liebe Anne Freytags Geschichten, die meistens sehr intensiv und berührend sind. Auch „Laute Nächte“ macht hier keine Ausnahme. Trotzdem war ich nicht so sehr mit dem Herzen dabei wie bei früheren Roman der Autorin. Ich kann nicht einmal sagen, woran es genau liegt. Möglicherweise an der Stimme des Sprechers Pascal Houdus, obwohl er seine Sache wirklich sehr gut macht. Vielleicht kam ich auch nicht so nah ran, weil der Protagonist männlich ist. Egal, das Buch war es trotzdem wert, gehört zu werden, auch wenn für mich persönlich das I-Tüpfelchen fehlte. Ich habe keine Minute davon bereut, zumal Anne Freytag mich wieder einmal mit absolut großartigen Sätzen und Gedanken begeistern konnte.
Das Hörbuch gibt es als ungekürzte Lesung bei SAGA Egmont. Es läuft über 7 Stunden und 42 Minuten.
Wieder sehr amüsant
Mord ist die beste Beseitigung von Volker Klüpfel
Wieder sehr amüsant
Kaum ist der Fall mit dem Kind (in »Wenn Ende gut, dann alles«) abgeschlossen, als Tommi (widerwillig) und Svetlana (nur allzu bereitwillig) in einen neuen Fall stolpern. Per Reiseruf wird Gabriele Zorn gesucht, und genau die fährt gerade vor Tommis Wohnmobil her. Doch als sie der Frau auf einen Parkplatz folgen, ist das Auto leer und Gabriele Zorn spurlos verschwunden.
Während Tommi krampfhaft versucht, endlich sein Buch zu schreiben, wittert Svetlana, die ukrainische Putzfrau, ein handfestes Verbrechen. Ich verrate wohl nicht zu viel, wenn ich sage, dass sie damit ganz richtig liegt.
Neben vielen witzigen Szenen entwickelt sich der Kriminalfall stetig und mit sich steigernder Spannung vorwärts. Dabei hat Svetlana stets die Nase vorn und durchschaut die Zusammenhänge um einiges schneller als Tommi. Die „Zusammenarbeit“ der beiden hat mich immer wieder zum Lachen gebracht. Ich liebe die Wortspiele um Svetlanas verdrehtes Deutsch, wobei die beiden manches Mal grandios aneinander vorbeireden.
Ich mag beide Hauptfiguren sehr gern, sie sind mir schon sehr ans Herz gewachsen. Und auch Tommis Vater Leo ist ein besonderer Charakter, den ich nicht missen mag.
Der Fall hat einige überraschende Wendungen und ist in sich abgeschlossen. Man kann das Buch gut ohne Vorkenntnisse lesen, mit macht es aber eventuell noch mehr Spaß.
Ich freue mich jedenfalls jetzt schon auf ein Wiedersehen mit Tommi und Svetlana in Band 3.
Die Reihe:
1. »Wenn Ende gut, dann alles«
2. Mord ist die beste Beseitigung
Ein Wettlauf gegen die Zeit
Noch fünf Tage von Helena Falke
Ein Wettlauf gegen die Zeit
Lis Castrop ist eine Spitzenköchin und sorgt als Privatköchin für das leibliche Wohl der schwerreichen Familie Harman. Doch beim Silvesterdinner geht etwas schief: Die Harmans sterben durch Gift im Essen. Auch Lis hat etwas davon abbekommen. Ihr Tod ist unausweichlich, doch es bleiben ihr geschätzt noch fünf Tage, um ihre Angelegenheiten zu regeln, vor allem die Zukunft ihrer zwölfjährigen Tochter Cosima, die Lis unmöglich dem alkoholkranken leiblichen Vater überlassen kann.
Da Lis selbst unter Mordverdacht steht, sieht sie sich gezwungen, den wahren Mörder selbst zu ermitteln. Gar nicht so einfach, wenn man ans Krankenhausbett gefesselt ist und jeden Tag mehr abbaut. Doch Lis bekommt Hilfe von der Krankenschwester Esme …
Die Erzählung aus Lis’ Perspektive sorgt dafür, dass man sich gut mit ihr identifizieren kann. In der ihr verbleibenden Zeit erinnert sich Lis an Episoden aus ihrer Vergangenheit und der der Harmans, ruft sich Gespräche in Erinnerung, die irgendeinen Bezug zu dem Mord haben könnten. So lernen wir eine Menge Freunde und Feinde kennen, von denen etliche ein Mordmotiv haben könnten. Allerdings wirkt die Geschichte dadurch ein wenig zerhackt, da Lis sich mal an dies und mal an das erinnert.
Dadurch, dass sich die gesamte Handlung über fünf Tage nur in einem einzigen Krankenhauszimmer abspielt, hatte ich unterschwellig das Gefühl, dass nicht allzu viel passiert. Es sind allein Lis’ Erinnerungen, die die Handlung vorantreiben, aber kaum wirkliche Aktionen. Vor allem hat mich Lis’ Sorge um ihre Tochter berührt. Diese ist sehr authentisch dargestellt und sehr gut nachvollziehbar.
Eine gute Idee der Autorin ist das Voranstellen der jeweils aktuellen Uhrzeit bei jedem neuen Kapitel und die sehr häufige Erwähnung der noch verbleibenden Stunden bis zu Lis’ erwartetem Ende. So erlebt man als Lesende den Wettlauf gegen die Zeit hautnah mit, was für ein bisschen Spannung sorgt.
Tödliche Spiele
The Crane and the Nightjar von Ada Bailey
Tödliche Spiele
„Nebelverhüllt“ ist der Auftaktband einer Dilogie von Ada Bailey, der mich positiv überrascht hat. Die Autorin war mir bis dato unbekannt.
Zara Nightjar ist eine begnadete Kartenspielerin. Als sie zusammen mit dem mysteriösen Crane nach einem verbotenen Spiel verhaftet wird, ist ihr Leben keinen Pfifferling mehr wert.
Es ist nur die Frage, ob sie in den Erzminen zugrunde geht oder den Krählen zum Fraß vorgeworfen wird. Oder hat sie noch eine Chance, wenn sie die tödlichen Prüfungen des grausamen Königs besteht?
Das Buch ist durchweg spannend, ich bin nur so durchgerauscht, weil ich unbedingt wissen musste, wohin das alles führt und wie es mit unseren Protagonist*innen weitergeht. Der Schreibstil ist recht dynamisch und leicht zu lesen. Dabei mochte ich vor allem Zara sehr gern. Sie hat das Herz am rechten Fleck, will niemandem etwas Böses (na ja, zumindest nicht ohne Grund) und steht für Schwächere ein. Sie hat in ihrem Leben schon viel Schlimmes erlebt, ohne den Lebensmut zu verlieren oder verbittert zu werden.
Meist wechseln die Kapitel zwischen Zara und Crane hin und her, wobei beide Perspektiven in der 1. Person geschrieben sind. Einige Kapitel sind auch aus der Sicht von Nebenfiguren. Obwohl man so direkt an Zaras und Cranes Seite durch die Handlung spaziert und das Gefühl hat, die beiden gut kennen zu lernen, bleiben ihnen genügend Geheimnisse, die erst nach und nach ans Tageslicht kommen. Und ich wette, auch für Band 2 sind noch welche übrig.
In der Geschichte gibt es zwar auch Magie, die mir gut gefiel, aber noch mehr Gewalt. Wer in dieser Hinsicht empfindlich ist, sollte die Finger von dem Buch lassen, denn stellenweise ist es wirklich sehr brutal und blutig. Eine solch explizite Darstellung von gewaltsamen Toden hätte meiner Meinung nach nicht sein müssen. Die düstere Atmosphäre, die das Buch durchzieht, hätte auch ohne dies bestanden.
Der Plot-Twist am Ende sowie der Cliffhanger haben es wirklich in sich. Ich bin schon sehr gespannt auf die Fortsetzung.











