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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von gabiliest:

Dein Körper, das unbekannte Wesen

Körperquatsch mit Soße von Johanna Klement

Hast du auch schon einmal gehört, dass die Erwachsenen gesagt haben, du sollst nicht so viel fernsehen? Davon bekommst du eckige Augen! Oder hat Oma mal gemeint, wenn du zu viel Kuchen isst, wirst du platzen? Das glaubst du nicht? Damit hast du natürlich recht, ist alles Quatsch! Und um das den Erwachsenen zu verklickern, gibt`s jetzt Hilfe.

Wenn du das Buch “Körperquatsch mit Soße” in der Buchhandlung siehst, greif zu und lies es, denn dann weißt du, was an solchen Behauptungen dran ist und kannst das auch der älteren Generation sagen.

Schluss mit Körpermythen, die wir Erwachsenen vielleicht schon von unseren Eltern oder Großeltern übernommen haben. Die Ärztin Johanna Klement hat sich nun in kurzen und sehr kurzweiligen Kapiteln mit diesen Überlieferungen und vermeintlichen Weisheiten auseinandergesetzt. Daraus wurde ein unterhaltsames Buch mit witzig pointierten Texten und frechen phantasievollen Illustrationen von Tine Schulz. Schon das gelungene Hardcover dieses hochwertig ausgestatteten und durch seine Größe überzeugenden Buches zeigt, dass manches, was Kinder so hören, zwar bei einem Ohr rein- und beim anderen wieder rausgeht, trotzdem können solche Behauptungen auch Angst machen. Verklebt Kaugummi tatsächlich den Magen, wenn wir ihn schlucken oder wächst gar in unserem Bauch ein Apfelbaum, weil wir den Apfel mit Putz und Stängel gegessen haben? Nein, natürlich nicht!

Die Autorin gibt zu jedem dieser Körpermythen kurze und humorvolle, auch für Kinder gut verständliche, aber wissenschaftlich fundierte Erklärungen. Außerdem fordert sie die Kinder auf, sich selbst als Mythendetektive ein Bild über den Wahrheitsgehalt der im Buch beschriebenen Aussagen zu machen. Am Ende des Buches gibt es dafür ein Quellenverzeichnis. Die Gliederung des Buches folgt einem klaren Körperschema, sie beginnt beim Kopf und endet bei den Füßen. Alle Texte sprechen die Kinder direkt an und fordern sie auch zum Mitmachen auf, denn es gibt unterschiedliche Rätsel und Mitmachelemente. Dieses Buch ist ein Bilder-, Mitmach-, Vorlese- und Lesebuch und ein Spaß für die ganze Familie! Und natürlich auch ein Sachbuch, das unterhaltsam und ohne erhobenen Zeigefinger unseren Körper, das unbekannte Wesen, zu verstehen hilft.

Durch die verschiedenen, kreativen Schriftarten und die zahlreichen phantasievollen Bilder freuen sich sicher auch Lesemuffel über dieses Buch. Ich habe es mit meinen zwei Enkelinnen gelesen, wir fanden es lustig und lehrreich. Wir können “Körperquatsch mit Soße” daher wirklich empfehlen, denn in diesem Buch steht garantiert kein Quatsch.

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Plötzlich Spion

Die Reise ans Ende der Geschichte von Kristof Magnusson

Der SPIEGEL- Bestseller Autor Kristof Magnusson entführt mit seinem neuesten Roman “Die Reise ans Ende der Geschichte” in die Zeit nach Ende des Kalten Krieges und in eine Welt veränderter geopolitischer Verhältnisse. Hier geht es, wie das witzige und gelungene Hardcover bereits andeutet, um den Tanz um den Abgrund, bei dem man leicht das Gleichgewicht verlieren kann.

Dieter Germeshausen ist Spion, im mittleren Alter, ungelenk sowohl körperlich wie im Umgang mit anderen Menschen. Seine Arbeit beim BND fühlt er nicht ausreichend gewürdigt. Daher wird er Doppelagent auch im Dienst des russischen FSB. Nunmehr liegt Dieters Welt in Trümmern, der Kalte Krieg vorbei, die Berliner Mauer ist gefallen. Dieter fürchtet seine Enttarnung, er will aussteigen, aber noch ein großes Geschäft machen. Hier kommt Jakob Dreiser ins Spiel.

Jakob Dreiser ist jung und als Dichter gemeinsam mit einer jungen Russin international bekannt geworden. Nunmehr gibt es Aussicht auf dauerhaften Frieden und Jakob ist glücklich, warum sollten die ehemaligen Feinde einander weiter hassen? Für ihn ist das das Ende der Geschichte, was sich alsbald als gewaltiger Irrtum herausstellen wird. Jakobs besonderes Talent, auf Menschen zuzugehen, auch schweigsame Gesprächspartner zum Reden zu bringen, Vertrauen zu erwecken ist genau das, was Germeshausen braucht. Daher reist Jakob mit Germeshausen nach Kasachstan ohne den Hintergrund der Reise zu kennen. Dennoch ist er es, dem es gelingt, die notwendigen Kontakte zu knüpfen. Jakob ist begeistert von seiner neuen Aufgabe und fühlt sich endlich lebendig. Mit auf der Reise ist auch Francesca, Sprachlehrerin an der Russischen Botschaft in Rom und natürlich auch Spionin des FSB. Denn Germeshausen muss am Leben bleiben, seine Kenntnisse sind für den FSB unverzichtbar.

Kristof Magnusson beschreibt eine Reise, die ganz anders verläuft als es sich der Befehlsstrukturen gewohnte Germeshausen vorstellt. Dreiser macht einfach sein eigenes Ding, rettet ihm sogar das Leben, doch Dankbarkeit gehört nicht zu Germeshausens hervorstechenden Eigenschaften. Noch einmal braucht er Jakob, diesmal ist das Geschäft im Stande, den Weltfrieden zu gefährden. Nun ist Jakob zum Handeln gezwungen…

“Die Reise ans Ende der Geschichte” ist ein angenehm lesbarer, spannender und fast fröhlicher Roman. Das liegt vor allem an der Figur des Jakob Dreiser, der freundlich auf Menschen zugeht, gut zuhört und imstande ist, jeden aus der Reserve zu locken. Obwohl er in dieser Geschichte eine tragende Rolle spielt, wirkt er immer wieder erstaunt, welche Möglichkeiten sich plötzlich auftun. Allerdings auch enttäuscht, als er seine Tätigkeit als Spion beendet glaubt. Das Buch verbreitet Leichtigkeit und ein angenehmes Gefühl, im Kreise von Spionen zu sein, jedoch nur als Beobachtende. Die Lesenden müssen allerdings alleine ans Ende der Geschichte reisen, denn der Autor lässt die weiteren Entwicklungen offen. So bleibt es der eigenen Phantasie überlassen, wie es Germeshausen und Dreiser letztlich in Russland ergeht.

Besonders gefreut habe ich mich darüber, dass das Buch in den letzten Kapiteln Anleihen an Buch und Film “Jagd auf roter Oktober” nimmt. Wer diesen Film mag, wird auch “ Die Reise ans Ende der Geschichte” mögen.

Mein Fazit:
“Die Reise ans Ende der Geschichte” ist ein locker und leichthändig geschriebener Roman, was jedoch der Spannung keinen Abbruch tut. Die Charaktere sind hervorragend gezeichnet und die Atmosphäre nach Ende des Kalten Krieges authentisch eingefangen. Das Buch bietet unvorhersehbare Wendungen und spiegelt eine sich verändernde gesellschaftliche Wirklichkeit, doch immer mit feinem Humor. Für mich hat Kristof Magnusson eine gelungene Reise beschrieben, die ich gerne allen reiselustigen Lesefreunden weiterempfehle.

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Zwischen Hoffnung und Erwartung: Was darf der Mensch?

Real Americans von Khong Rachel; Schnettler Tobias

Die bekannte Autorin Rachel Khong hat mit “Real Americans”, einem New York Times Bestseller, einen eindrücklichen Roman vorgelegt, der das Schicksal dreier Generationen, die Suche nach Zugehörigkeit und familiären Wurzeln sowie den Wunsch behandelt, durch das Eingreifen von Wissenschaft das Leben zu beeinflussen.

Die geschlossene Auster am beeindruckend gestalteten Buchumschlag steht für die Möglichkeit, das Leben in die eigene Hand zu nehmen und sich für Neues zu öffnen.

Rachel Khong beschreibt drei Generationen einer chinesisch- amerikanischen Familie, ihre Suche nach kultureller Identität und persönlichem Sinn in einem Land, das zunehmend versucht, durch genetische Forschung und Selektion Einfluss auf den Verlauf und die Länge des Lebens zu nehmen. Die drei Teile des Buches spielen auf unterschiedlichen Zeitebenen und sind jeweils einer Hauptperson gewidmet: May, deren Leben im Rückblick vom Jahr 2030 ausgehend beschrieben wird, die aus China geflohen und in die USA eingewandert ist; Lily, ihre Tochter, deren Geschichte 1999 beginnt und die bereits in Amerika geboren ist und Nick, Lilys Sohn, der seine Identität erst mühsam suchen muss. Sein Schicksal wird ab dem Jahr 2021 erzählt.

May, ein Bauernmädchen, in China unter furchtbaren Bedingungen aufgewachsen, erreicht, dass sie an der Universität von Peking Biologie studieren kann. Als das Leben unter Mao unerträglich wird, gelingt ihr mit einem Freund die Flucht nach Amerika. Sie bemüht sich um das Erlernen der Sprache und Integration, als Forscherin sucht sie nach der Möglichkeit, Erbkrankheiten auszuschalten. Als sie eine Versuchsperson braucht, kommt Lily ins Spiel.

Lily hat das Gefühl, ihrer Mutter nicht genügen zu können und nicht geliebt zu werden, da sie sich für Forschung nicht interessiert. Aus einem unbefriedigenden Job flüchtet sie in die Ehe mit Matthew, reich und Erbe eines Pharmaunternehmens. Beide ahnen nicht, dass ihre Familien schon lange bekannt sind und dieselben Forschungsziele verfolgen. Erst nach der Geburt von Nick, der ein Ebenbild von Matthew ist, wird klar, welche Versuche dieser Ähnlichkeit zu Grunde liegen. Matthew muss nun zwischen seiner Familie und den Unternehmensinteressen wählen.

Nick, der mit seiner Mutter auf einer abgelegenen Insel aufwächst, ist introvertiert und stellt immer wieder die Frage nach seinem Vater. Lily gibt jedoch keine Antwort. Doch Nick forscht nach, die Arbeit auf einer Austernfarm verschafft ihm dazu die nötigen Mittel. Erst wenn er seine Wurzeln kennt, kann er sagen, wer er selbst ist.

“Real Americans” ist ein eindrücklicher Roman, der ernste Problemfelder aufzeigt. Die Kernfrage lautet: Was darf der Mensch? Die Lesenden werden immer wieder einbezogen, um zu diesem Thema Stellung zu beziehen. Was darf Forschung? Ist das Wissen um die Möglichkeiten der Gen- Manipulation Segen oder Fluch? Was ist moralisch vertretbar? Darf man darauf hoffen, die eigenen Wurzeln zu finden und dadurch sich selbst zu definieren, Teil einer Familie zu werden, Heimat in einem fremden Land zu finden? Ist der Sinn des Lebens darin zu suchen, die Welt besser zu machen oder zu lieben?

Rachel Khong hat in ihrem Roman mehrere Genres verbunden. Es ist ein Familienroman ebenso wie ein Entwicklungsroman, eine Liebesgeschichte und ein Wissenschafts- Thriller. Sie weist kritisch auf Missstände und Vorurteile gegenüber Zugewanderten hin, ebenso auf den Wunsch dieser Gruppe, als typische Amerikaner wahrgenommen zu werden. Der Roman bietet die gekonnte Beschreibung ausgeprägter Charaktere, ist empfindsam und zugleich spektakulär, in großen Linien werden gesellschaftliche Vorgänge und Einstellungen beleuchtet. Trotz dieser schwierigen Thematik ist das Buch angenehm und flüssig zu lesen. Nicht alle wesentlichen Fragen werden beantwortet, so bleibt offen, wieso alle drei Generationen eint, dass für sie die Zeit plötzlich stehen bleibt und sich dehnt. Durch diese gekonnte Mischung von Fakten und Fiktion ist hier bemerkenswerte Literatur entstanden, die man gelesen haben sollte.

Mein Fazit:

“Real Americans” ist zu Recht ein New York Times Bestseller, der auch im deutschsprachigen Raum großen Widerhall verdient. Neben spannenden und aktuellen Themen werden anhand der Lebensgeschichten der Protagonisten grundlegende Probleme angesprochen, die die Aufmerksamkeit der Lesenden finden sollten, da sich eine fundierte Auseinandersetzung lohnt.

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Mysteriös und gruselig: Tausend Tage

Gänsehaut in Hovenäset 2. Sternengrab von Kristina Ohlsson

Die schwedische SPIEGEL Bestseller- Autorin Kristina Ohlsson hat mit “Sternengrab” den zweiten Band ihrer Trilogie “Gänsehaut in Hovenäset” vorgelegt. Das geheimnisvolle Hardcover dieses hochwertig ausgestatteten Buches stimmt auf die gruselige Atmosphäre ein. Nicht nur das abgebildete Mädchen Alva sondern auch die schwarze Katze werden eine wichtige Rolle in diesem im kleinen schwedischen Örtchen Hovenäset angesiedelten Mystery- Krimi spielen.

Alvas Vater ist bei einem Verkehrsunfall mit Fahrerflucht gestorben, das ist bis jetzt beinahe tausend Tage her. Alva trauert immer noch und sie hat sich vorgenommen, herauszufinden, wer an diesem Unfall schuld ist. Das ist allerdings ihr Geheimnis, nicht einmal ihre besten Freunde Heidi und Harry wissen davon. Nun will Alvas Mutter in einer alten Strandhütte ein Café eröffnen, doch mit dieser Hütte stimmt etwas nicht. Eine schwarze Katze taucht plötzlich auf dem Campingplatz auf, auf dem Alva mit ihrer Mutter und ihrem Bruder lebt. Auch eine stumme Frau und ein seltsames Mädchen mit blauem Mantel mieten ein Haus auf dem Campingplatz. Was hat es mit den Beiden auf sich? Wieso kommt die schwarze Katze immer wieder? Welches Geheimnis birgt die Strandhütte, unter der ein seltsames Rohr verläuft? Und wieso hört Alva die Schritte ihres toten Vaters im Wohnwagen?

Alva fragt die Vorbesitzer der Hütte, die kryptische Warnungen vor der Katze aussprechen. Auch mit der Polizei nimmt Alva wieder Kontakt auf. Denn bald sind die tausend Tage um und Alva braucht Gewissheit. Als es den Kindern gelingt, das Geheimnis der Hütte zu enträtseln, sind alle in großer Gefahr. Unheimliche Mächte bedrohen sowohl Alva wie ihre Mutter. Das Grauen scheint seine Finger nach allen Beteiligten auszustrecken. Die Katze, deren Augen immer heller werden, birgt den Schlüssel zu einem schrecklichen Geheimnis, hüte dich!

Kristina Ohlsson hat mit “Sternengrab” ein Buch geschrieben, das von Anfang an in eine geheimnisvolle und düstere Atmosphäre entführt. Sie baut meisterhaft Spannung auf, der Gruselfaktor ist hoch und wird sicher für Gänsehaut sorgen. Das Buch wird ab elf Jahren empfohlen. Die Geschichte, die hervorragend auf diese Altersgruppe abgestimmt ist, überzeugt mit eindringlicher Sprache und Bildern, die im Kopf sofort entstehen. So schafft die Autorin eine ungeheuer dichte Atmosphäre. Die Charaktere von Alva, Heidi und Harry sind treffend gezeichnet und machen es den Kindern leicht, sich auf die Lebenswirklichkeit der Figuren einzulassen. Allerdings- was ist Wirklichkeit, was ist übernatürlich? Dieses Rätsel können Alva und ihre Freunde lange nicht lösen, erst spät erkennen sie, welchen Einfluss ein furchtbares Geschehen aus der Vergangenheit auf die mysteriösen Ereignisse der Gegenwart hat.

Mein Fazit:
“Sternengrab” beweist, dass Kristina Ohlsson zu Recht eine der bekanntesten Krimiautorinnen Schwedens ist. In unnachahmlicher Weise zieht sie die Lesenden in den Bann dieser geheimnisvollen und gruseligen Erzählung. In kurzen Kapiteln gelingt es, in eindringlicher Sprache eine gespenstische Szenerie entstehen zu lassen, die es schwierig macht, das Buch zwischendurch aus der Hand zu legen, denn die Spannung bleibt bis zur letzten Seite erhalten. Für Kinder, die düstere Mystery verbunden mit einer wunderbaren Freundschaftsgeschichte und einer starken Heldin lieben, ist dieses Buch eine tolle Lektüre, die ich mit fünf Sternen bewerte.

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Ein toller Held rettet die Wiesel

Freiheit für die Waldwiesel von Stepha Quitterer


Die bekannte Autorin Stepha Quitterer hat mit “Freiheit für die Waldwiesel” ein Buch vorgelegt, das neben einer spannenden Geschichte auch ein Plädoyer für Umwelt- und Naturschutz sowie Tierrechte hält. Das einprägsame und farblich eindrucksvoll gestaltete Hardcover zeigt schon den Held der Geschichte, Piet Wiesel, auf dem Weg zu seiner Mission, die Befreiung seiner Familie aus der Wieselfabrik.

Die phantasievollen Illustrationen, die sich auch im Buch wiederfinden, stammen von Barbara Jung.

Piet hat es nicht leicht. Er lebt mit seiner Mutter und Schwester Cilli im Wald, der Vater ist tot. Piet, der an einem Kletterwettbewerb teilnimmt, um einen Ausbildungsplatz in der Stadt zu gewinnen, verletzt sich dabei schwer. Sein bester Freund ist schuld an seinem Absturz. Ebenso auch daran, dass alle Wiesel eingefangen und in die Stadt zur Wieselfabrik deportiert werden. Nun macht sich Piet auf den Weg, um seine Familie zu retten. Unterstützung erhält er nicht nur von Krähe Achim, sondern auch von einem Siebenschläfer, Hugo, der gerne Opernsänger wäre. Hugos Freunde, die Ratten, die den Gesang von Hugo so lieben, helfen tatkräftig bei der Befreiungsaktion mit.

Piet Wiesel hat mit vielen Schwierigkeiten auf seinem Weg in die große Stadt zu kämpfen, beinahe wäre er in der Wieselfabrik gelandet. Dabei erkennt er auch, dass angebotene Hilfe nicht immer gut gemeint sein muss. Die Stadt erscheint ihm laut, schmutzig und gefährlich. Allerdings erhält er Hilfe von mutigen Freunden. Auch der Einfallsreichtum der Ratten lässt nichts zu wünschen übrig. Die Situation in der Fabrik, in der die Wiesel gefangen gehalten werden, zeugt davon, dass auch Mitglieder der selben Art, also Wiesel, bereit sind, andere Wiesel zu unterdrücken und zu quälen. Doch gibt die Autorin ihrem Buch einen versöhnlichen und positiven Schluss, sodass die schlimmen Ereignisse auch von den Kindern gut eingeordnet werden können. Das Buch wird für Kinder ab elf Jahren empfohlen.

“Freiheit für die Waldwiesel” ist ein Roman, der schwierige Themen kindgerecht anspricht: Die Gefahr, falschen Freunden zu vertrauen; den Wunsch, nach immer mehr Wohlstand zu streben; die Leichtigkeit, mit der Wiesel von Wieseln gequält werden; Drogen, Ausbeutung und letztlich auch kaltblütiger Mord, wenn man dem verbrecherischen Anführer nicht gehorcht. Möglicherweise könnten Kinder damit überfordert sein, daher eignet sich dieses Buch besonders gut dazu, gemeinsam mit Erwachsenen gelesen und besprochen zu werden, vielleicht auch im Unterricht. Erwachsene werden möglicherweise zeitgeschichtliche Prallelen erkennen, auch hier bietet sich ein Dialog mit den Kindern an.

Trotz dieser schwierigen Themen spart das Buch nicht mit humorvollen Szenen, der positive Ausgang der Geschichte soll Kinder ermutigen, zu erkennen, dass Zusammenarbeit, Mut, Freundschaft und gegenseitiges Vertrauen auch aus schwierigen Situationen heraus helfen können. Ich habe das Buch gemeinsam mit meinem elf Jahre alten Enkel gelesen, es hat Anlass zu guten Gesprächen geboten und er hat Wiesel Piet sehr gemocht. Kindern, die spannende ebenso wie tiefgründige Geschichten lieben, können wir “Freiheit für die Waldwiesel” empfehlen.

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Verdrängte Schuld

Berchtesgaden von Carolin Otto

In ihrem ersten Roman, “Berchtesgaden”, hat sich die bekannte Drehbuchautorin Carolin Otto der unmittelbaren Nachkriegszeit angenommen. Der Krieg ist zu Ende, das Führer- Hauptquartier auf dem Obersalzberg verwaist, die amerikanischen Besatzer übernehmen die Macht. Auf dem ausdrucksstarken Cover findet sich das gut gewählte Sujet einer jungen Frau in der Kleidung der damaligen Zeit.

Der Schauplatz des Romans ist Berchtesgaden im südöstlichen Zipfel Oberbayerns. Zwei junge Mädchen, Sophie und Magda, bestaunen das verlassene Haus von Albert Speer, Hitlers Architekten. So viel Wohlstand! Nach einigem Zögern beschließen die Mädchen zu plündern, wie so viele andere auch. Als Sophies geliebter Bruder Max das Beutegut sieht, wirft er der Familie Verrat vor, denn Max ist überzeugter Nationalsozialist und Mitglied der SS. Spät wird Sophie mit den ungeheuerlichen Verbrechen der SS konfrontiert werden, die begangenen abscheulichen Untaten werden von Max lapidar damit gerechtfertigt, dass Krieg war und töten sein Geschäft. Seine Schilderungen werden das, was Sophie bereits als Schreibkraft beim amerikanischen Military Government erfahren hat, an Gräuel weit übertreffen. Max schreckt auch nicht davor zurück, Magda, die ihn bis zur Besessenheit liebt, auszunutzen.

Der Autorin ist es gelungen, ein detailliert recherchiertes Geschichtspanorama darzustellen, ein umfangreiches Quellenverzeichnis findet sich am Ende des Buches. In ihrem Nachwort betont Carolin Otto, dass viele ihrer Charaktere historisch belegt sind, so Dr. Kriss, von den Nazis zum Tode verurteilt, der unter amerikanischer Besatzung Bürgermeister von Berchtesgaden wurde. Mehrere historische Kriegsfotografinnen dienten als Vorbild für die Figur die amerikanischen Reporterin Meg, die erschütternde Bilder macht und in ihr Heimatland sendet, jedoch auch an Raubkunst Interesse hat.

Das Buch beschreibt, wie leicht Schuld verdrängt wird, wie sehr sich die Menschen nach dem Krieg die Normalität zurückwünschten. Sophie ist das Beispiel einer jungen Frau, die sich lange nicht mit dem Kriegsgeschehen auseinander gesetzt hat und die hoffnungsvoll und anfänglich auch naiv in die Zukunft blickt. Sie verliebt sich in den schwarzen GI Sam, der lieber als Sieger in Deutschland bleibt, als die Rassendiskriminierung in Amerika zu erleben. Dennoch verstößt die Beziehung gegen das Fraternisierungsverbot.

Der Halbjude Frank Rosenberg, aus Deutschland geflohen und nun als Besatzer zurückgekehrt, ist für die Verhöre der ehemaligen Nationalsozialisten zuständig. Nur wenige bekennen sich schuldig, die meisten Menschen berufen sich auf Befehlsnotstand. So wie fast alle Familien hat auch Frank eine Tote zu betrauern, allerdings hofft er, dass seine Nichte noch am Leben ist.

Auch die weiteren handelnden Personen sind lebensnah beschrieben. Magda ist mit Mutter und Tante vor den Russen geflohen; Ali, eine Schauspielerin, hat ein Verhältnis und ein Kind mit einem ranghohen deutschen Soldaten; Dr. Kriss versucht, das Leben für die Einwohner von Berchtesgaden zu verbessern.

So findet sich in den parallel laufenden, jedoch auch miteinander verwobenen Handlungssträngen des Buches die Schilderung der damaligen Lebensrealität, die Täter und Opfer, Mitläufer und weiterhin überzeugte Nationalsozialisten zusammenbringt.

Der Schreibstil von Carolin Otto ist beobachtend, erzählend, fast plakativ. Die Stofffülle des Buches und die Vielzahl der handelnden Personen bewirkt jedoch auch, dass die Lesenden zwar einen guten Überblick über die Nachkriegszeit in diesem Lieblingsort des Führers erhalten, allerdings gibt es nur einige Szenen, die tatsächlich berühren. Dennoch ist es die Intention des Romans, aufzuzeigen, wie leicht Unrecht verdrängt wird und wie schwierig die Aufarbeitung der damaligen Geschehnisse auch heute noch ist. Leider bleiben im Roman viele Handlungsfäden unverknüpft, hier wäre ein zweiter Band wünschenswert.

Carolin Otto hat mit “Berchtesgaden” ein ausgezeichnet recherchiertes Buch geschrieben, das als Plädoyer für die Demokratie verstanden werden soll und das Geschehnisse wieder ins Gedächtnis ruft, über die zu schweigen unerträglich wäre.

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Scharade

Agatha Raisin und die tote Therapeutin von M. C. Beaton

Die bekannte SPIEGEL- Bestseller-Autorin M.C. Beaton hat mit “Agatha Raisin und die tote Therapeutin” bereits den sechsundzwanzigsten Band ihrer Krimireihe um die clevere Ermittlerin vorgelegt. Da die Autorin bereits verstorben ist, wurde dieser Band posthum veröffentlicht. Das idyllische, ruhige Cover des Buches entführt die Lesenden in das Dorf Carsely in den malerischen Cotswolds.

Agatha Raisin ist empört. Eine neu im Dorf zugezogene Therapeutin, Jill Davent, verbreitet Gerüchte über Agathas einfache Herkunft. Das kann ihrem Ruf als Privatdetektivin mit gut gehender Firma schaden, daher versucht sie, mehr über Jill herauszufinden. Zudem scheint sich Jill an Agathas Ex-Mann James heranzumachen, da kommt Eifersucht auf. Doch Jill, deren Qualifikationen fragwürdig sind, wird ermordet aufgefunden, Agatha gerät unter Verdacht. Während sie mit allen Mitteln versucht, Jills Mörder zu finden, ereignen sich in ihrem Umfeld weitere Gewalttaten, auch Agatha selbst schwebt in höchster Lebensgefahr.
Doch kann sie sich immer auf die Loyalität ihrer Angestellten verlassen, auch ihr Ex- Mann James und ihr Freund Sir Charles Fraith, mit dem sie eine on- off Beziehung führt, unterstützen sie. Trotzdem- in keinem anderen Fall war Agatha so erschüttert und schockiert über die Gefahren ihres Berufs.

In ihrem neuen Kriminalfall hat die Autorin M.C. Beaton wieder eine lange undurchschaubare Geschichte gestrickt. Agatha wird als zähe Person beschrieben, durchaus attraktiv und mit einem Faible für gut aussehende Männer. Auch wenn sie zu Amouren neigt, stellt sie sich immer wieder vor, wie schön es wäre, verheiratet zu sein, kaum dass sie einen weiteren Favoriten kennen gelernt hat. Ihr zur Seite steht Sir Charles, vermögend, aber geizig. Er kommt und geht in Agathas Leben, wie er möchte, so dass Agatha nicht immer gut auf ihn zu sprechen ist. Dennoch unterstützt er Agatha bei der Falllösung und ist im entscheidenden Moment zur Stelle.

Agatha ist ein interessanter Charakter. Arbeitswütig, aber freundlich zu ihren Angestellten, scharfsinnig, aber immer wieder in prekäre Situationen kommend. Sie reagiert oft impulsiv, nimmt kein Blatt vor den Mund und wirkt manchmal sehr direkt und daher unhöflich. Erst spät wird sie, trotz ihres geschulten Verstandes und guter Intuition, erkennen, dass hinter allen Morden eine Person steckt, die sie lange für völlig harmlos hielt. Zu allem Überdruss schnappt ihr ihre Freundin Mrs. Bloxby, eine biedere Vikarsfrau, auch noch einen neu ins Dorf gezogenen, gut aussehenden Mann vor der Nase weg.

“Agatha Raisin und die tote Therapeutin” ist wieder ein gelungener Krimi voll überraschender Wendungen, glaubhafter Indizien und falscher Spuren, bei dem auch der feine Britische Humor und way of life nicht zu kurz kommen. Pointiert werden die kleine Dorfgemeinschaft, der Tratsch und die üblen Gerüchte dargestellt. Ebenso, welche umfassende Neugier Menschen dazu treibt, Verleumdungen in die Welt zu setzen. Die Handlung ist kurzweilig, das Buch hält den Spannungsbogen bis zum Schluss und bietet eine unerwartete, aber durchaus glaubhafte Auflösung der Geschehnisse. Fans von Miss Marple kommen hier voll auf ihre Rechnung. Daher kann ich diesen charmanten Roman gerne allen Lesenden empfehlen, die Cosy- Crime Geschichten mit einer eigenwilligen, aber sympathischen Ermittlerin lieben.

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Wunderwerk Sprache

Ich rede, also bin ich von Julia Mailänder

Sind wir nicht alle Sprachexperten?
Immerhin nutzen wir die Sprache- oder sogar mehrere- jeden Tag und in den unterschiedlichsten Zusammenhängen. Wir plaudern in privater Runde, halten einen Vortrag oder flüstern verliebt sehr intime Worte. Doch wir kümmern uns nicht darum, was unser Gehirn leisten muss, damit alles reibungslos klappt.

Das erklärt uns die bekannte Autorin Julia Mailänder, die Neurowissenschaften der Sprache studiert hat und uns in ihrem Buch “Ich rede, also bin ich” sowohl skurrile Fakten wie fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse näherbringt.

Sprache kann flüchtig sein, wenn sie nicht verschriftlicht ist, ist ein Abbild unserer Kultur und Geisteshaltung, kann manipulieren und die Welt erklären. Sie ist eine Grundlage unseres Denkens, geprägt von unserer Herkunft, sie beeinflusst unsere Empathie und unser Urteilsvermögen. In kurzen und sehr kurzweiligen Kapiteln stellt uns Julia Mailänder unterschiedliche Themen vor. Warum ermöglicht uns erst Sprache, als soziale Wesen zu handeln? Was hat die Entwicklung des Gehirns mit unserer Fähigkeit, zu sprechen, zu tun? Und wo genau entsteht im Gehirn ein Wort, ein Gedanke? Wie können wir eine flüssige Unterhaltung führen, wenn wir schon eine Antwort überlegen, während unser Gegenüber noch spricht?

Julia Mailänder führt uns in die Grundlagen der Neurolinguistik ein, niemals abgehoben oder besserwisserisch, sondern immer mit dem Focus, etwas so Komplexes wie menschliche Kommunikation verständlich zu machen. So ist es interessant zu lesen, dass wir weniger empathisch reagieren, wenn wir in einer Fremdsprache denken, dass die Stimmen, die wir im Traum hören, weit über die reale Welt hinausgehen und dass das häufigste im Schlaf gesprochene Wort “nein” ist. Vielleicht sollten wir unsere Debattenkultur auch im Wachzustand verbessern?

Bisher besagt eine Volksweisheit, dass Liebe blind macht, aber wussten Sie, dass sie auch sprachlos macht? Dass wir positive Emotionen mit aggressiver Sprache kombinieren? Wer wollte nicht schon einmal einen Menschen oder ein Tier aus Liebe “auffressen”? In fünf Abschnitten ihres Buches bringt uns Julia Mailänder Themen näher wie…”Ähm”… warum wir dieses Wörtchen so oft verwenden und wieso uns diese Fülllaute beim Denken helfen. Für jeden Teil ihres Buches findet sich im Anhang ein detailliertes Quellenverzeichnis.

“Ich rede, also bin ich” lädt uns ein, einen tieferen und genaueren Blick in das Wesen und die Funktion der Sprache zu werfen. Wem man dieses locker geschriebene und doch so informative Buch empfehlen kann? Natürlich uns allen, denn wollen wir nicht alle Sprachexperten werden?

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Bitteres Erbe

Eine vergessene Schuld von Arne Jensen

Der bekannte Autor Arne Jensen hat mit “Eine vergessene Schuld” einen bewegenden Roman vorgelegt, der sich mit der Auswirkung von Verbrechen beschäftigt, die von Vorfahren begangen wurden, jedoch bis heute nachwirken. Schon das stimmungsvolle Cover weist auf einen der Handlungsstränge hin, der in der Kriegszeit und unmittelbaren Nachkriegszeit spielt.

Zwei große Themen beherrschen den Roman. Im Jahr 2023 veröffentlicht der pensionierte Verfassungsrichter Dr. Rudolf Heppner über die sozialen Medien polarisierende Thesen, die sich mit Bürgerpflichten und juristischen Grenzfragen beschäftigen. Eine dieser Fragen ist, ob man den Wehrdienst verweigern dürfe und ob im Kriegsfall Militärgerichte eingeführt werden sollten. Da Heppner selbst nicht präzise Stellung bezieht, reagieren sowohl rechte wie linke Randgruppen mit Kommentaren. Dann wird auf Heppner ein Farbbeutel-Attentat verübt.

Nunmehr schalten sich LKA, BKA und Staatsschutz ein, ein politischer Hintergrund wäre möglich. Daher soll eine junge Psychologin, Jasina Behrens, ein Persönlichkeitsprofil des Richters erstellen. Bei den Gesprächen, die zunehmend privat werden, stößt Jasina auf Ereignisse, die in der Familiengeschichte und Jugend von Heppner liegen und bis heute sein Handeln zu bestimmen scheinen. Doch auch Jasina quält sich mit Schuldgefühlen.

Der zweite Handlungsstrang umfasst die Zeit ab 1942 bis kurz nach Kriegsende 1945. Er ist historisch belegt und wurde vom Autor akribisch recherchiert, nur die Namen wurden im Roman geändert, sind aber im Nachwort nachzulesen.
Raimund Bach ist Marinemaat, halbjüdisch, in Holland stationiert. Als Angehöriger der Marine sind er und seine Familie bisher von den Repressalien der Nationalsozialisten verschont geblieben. Als seine Mutter deportiert wird und er den Marschbefehl an die Front erhält, desertiert Bach. Doch bei Kriegsende hält hin nichts mehr in seinem Versteck. Mit einem weiteren Deserteur, Bernhard Döpper, stellt er sich den kanadischen Besatzern. Jedoch gilt in Holland für deutsche Truppen noch immer das Recht der NS- Zeit. Bach und Döpper werden einige Tage nach Kriegsende vor ein Militärgericht gestellt, der Marinerichter, der die Anklage vertritt, heißt Hans- Friedrich Heppner…….

“Eine vergessene Schuld” behandelt tiefgreifende gesellschaftspolitische und zutiefst menschliche Themen. Welche Rolle darf der Staat spielen, wieweit darf er die Rechte des Einzelnen einschränken? Wäre es in einer Diktatur legitim, den Wehrdienst zu verweigern? Wie weit schuldet man einem Unrechtsstaat Gehorsam? Trifft die Nachkommen derjenigen, die in der Nazi-Zeit Verbrechen begangen haben, noch persönliche Schuld? Tragen sie Verantwortung für das Tun ihrer Vorfahren?

Der Roman berührt die Lesenden durch die Schilderung von ausweglosen, bitteren Schicksalen, man fühlt die Angst und Bedrängnis der Protagonisten, Mitleid und Abscheu wechseln einander ab. Der vom Autor gesetzte Rahmen spiegelt sowohl die gesellschaftlichen Vorgänge wie die Wertesysteme der Vergangenheit und Gegenwart.

Arne Jensen zeichnet hervorragend die Charaktere seiner Figuren. Bach, verängstigt und in seinem Versteck seiner Freiheit und Menschenwürde beraubt, vertraut darauf, dass er durch das Kriegsende den Nazi- Häschern entgangen ist. Ebenso ungläubig wie sein Freund Döpper muss er erfahren, dass Deutsche auch nach der Kapitulation in den holländischen Lagern noch Kriegsrecht anwenden können. Dr. Rudolf Heppner, der in seiner Laufbahn klare Entscheidungen basierend auf bestehenden Rechtsgrundlagen fällen konnte, kann mit der Vergangenheit nicht abschließen. Sein Gefühl ist es, Verantwortung dafür zu tragen, dass die Geschehnisse der Kriegszeit nicht vergessen werden, denn über sie zu schweigen wäre unerträglich. Die Psychologin Jasina Behrens ist aufgrund ihrer Flucht aus Syrien traumatisiert, ihre professionelle Distanz zu Richter Heppner wird im Verlauf der Gespräche immer schwieriger. Auch die Darstellung der involvierten Behörden einschließlich ihrer Zuständigkeitsstreitigkeiten ist lebendig und realitätsnah. Leider wird nur sehr kurz über den Täter berichtet, da hätte ich mir gewünscht, mehr über seine Person und seine Motive zu erfahren. Somit liegt der Schwerpunkt der Gegenwartserzählung auf Höppner.

Arne Jensen hat mit “ Eine vergessene Schuld” einen eindrücklichen und wirkmächtigen Roman geschrieben. Er widmet ihn den Opfern von Gewalt, Verfolgung und Entrechtung. Gleichgültigkeit und Schweigen lässt die Erinnerung an die Opfer immer mehr verblassen. Dieser Roman mahnt uns, nicht zu vergessen.

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Rettet Stormi!

Mein Seepferdchenhof 1. Wilde Flosse, großes Herz von Kathrin Lena Orso

“Mein Seepferdchenhof- Wilde Flosse, großes Herz” ist das erste Kinderbuch, das meine Enkelin und ich an einem Nachmittag regelrecht verschlungen haben. Schon das liebevoll gestaltete Hardcover hat uns von Anfang an gefallen, meine Enkelin hat das Buch sofort beschlagnahmt und zu lesen begonnen- etwas, das sie üblicherweise nicht tun würde.

Die Illustrationen von Leonie Engel sind farbenfroh, phantasievoll gezeichnet, passen hervorragend zum Text und bieten vor allem Kindern, die nicht gerne lesen oder gerade mit dem Lesen beginnen, willkommene Ruhepunkte. Die Geschichte der Autorin Kathrin Lena Orso bietet alles, was Mädchen mögen: Eine phantastische Unterwasserwelt, in die man am Liebsten gleich selbst eintauchen würde; viel Spannung, eine tolle Heldin und natürlich richtig niedliche Seepferdchen. Zu Beginn werden die wichtigsten Figuren des Buches mit Bildern vorgestellt. So wird den Kindern ein guter Einstieg in das Leseerlebnis ermöglicht.

Heldin der Geschichte ist Elli, ein Meermädchen, das auf Grund einer Verletzung nicht an einem Wasserball- Turnier teilnehmen kann. Besonders schlimm für sie ist, dass sie den Eindruck hat, ihr Team brauche sie nicht mehr. Auch ihre beste Freundin Mona vernachlässigt sie. Doch Maris, ein Klassenkamerad, lädt Elli auf seinen Seepferdchenhof ein, die wunderschönen Seepferdchen begeistern Elli sofort. Mit Stormi, einem verstörten Rennseepferd, verbindet Elli eine besondere Beziehung, denn Stormi lässt eigentlich niemanden an sich heran. Als sein fieser Besitzer Stormi zurück will, ist für Elli klar: Stormi muss gerettet werden!

Kathrin Lena Orso und Leonie Engel haben mit “Mein Seepferdchenhof- Wilde Flosse, großes Herz” den ersten Band einer neuen Reihe vorgelegt, die sich besonders an Mädchen, die Reiten und Tiere mögen, richtet. Allerdings wird das Buch, das für Kinder ab sechs Jahren empfohlen wird, auch älteren Kindern gefallen. Es eignet sich sehr gut zum Vorlesen und zum selbst Lesen, die Sprache ist altersangepasst und leicht verständlich. Besonders gut hat uns gefallen, dass Begriffe, die die Kinder kennen, leicht abgewandelt auch in der Unterwasserwelt vorkommen und so auch Erwachsenen ein Schmunzeln entlocken können. Kurze Kapitel, die große Schrift und durchgehend farbige Illustrationen erhalten die Lesefreude. Der stabile Einband und das dicke Papier dieses hochwertig ausgestatteten Buches garantieren, dass auch Geschwisterkinder noch Freude daran haben werden.

Besonders begeistert hat uns die spannende und warmherzige Geschichte über Freundschaft, Tierliebe und den Wunsch, dazu zu gehören. Hier können Kinder sicher selbst einige Erlebnisse erzählen, denn es ist nicht immer einfach, befreundet zu sein. Natürlich haben wir das niedliche Rennseepferdchen Stormi sofort ins Herz geschlossen und die mutige Heldin Elli bewundert, die sich auch durch Rückschläge nicht unterkriegen lässt und den Mut hat, Neues zu wagen. Meine Enkelin war so begeistert von diesem Buch, dass wir auch gleich das im Anhang befindliche erste Kapitel des nächsten Bandes gelesen haben. Wir empfehlen kleinen und großen Leseratten die zauberhafte Geschichte von Stormi und freuen uns schon auf den zweiten Band.

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