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Vor-schauen

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Vor-schauen oder: Eine Bestandsaufnahme

Während andere viele andere Dinge machen, durchkämmen wir Buchhandlungsmenschen noch vor unseren Haaren abertausende Verlagsprogramme. Dabei gibt es garantiert allerlei Bestaunenswertes zu entdecken, auch abseits der Bücher. Ich komme daher nicht umhin, hier ein paar Bemerkungen über die Wahl von Verlagsnamen zu deponieren, die mir ins Auge, manchmal gar ins gute (?) alte Herz stachen. Es folgen also einige Notizen im Zuge einer Bestandsaufnahme der Verlagswelt*.

Wir beginnen angemessen betrüblich mit dem „Romantik Verlag“. Dessen erste, letzte und einzige Veröffentlichung ist datiert auf das Jahr 2015, was nun wirklich nichts gutes für die Romantik verheißen kann. Ich empfehle daher, solange es noch geht, eine Kooperation mit dem „Lebensschimmer Verlag“ einzugehen, der wohl auch dringend eine Umarmung nötig hat. Ebenso auf der Suche nach Liebe ist der Herr im roten Hemd, abgebildet auf der neuesten Veröffentlichung der „EditionRotesHemd“. Hier verschmelzen Name, Form und sogar Inhalt in herzentzückender Vollendung. Eine große Ausnahme, wie ich festzustellen gezwungen war. Eine kleine Auswahl der empörenden Wahrheit: Kein einziges Buch im „Vogel-Verlag“ hat auch nur im Entferntesten mit Vögeln zu tun. Da erhofft man sich beim „Eichhörnchenverlag“ weitaus mehr, jedoch – man ahnt es – wird man kein Werk über, mit oder auch nur von Eichhörnchen finden. Ebenso tadelnswert bezüglich seitenweise vorenthaltener Titeltiere sind der „Gorillaverlag“, „Waldschnecke Verlag“, „Weisser Hai“, „Lucky Bird“ (nicht mal ordinäre Vögel), „Mückenschwein“, „Piepmatz Verlag“, ja sogar „Monster Salad“** wird dem Namen nicht gerecht. Erstaunlich namenstreu ist glücklicherweise der „Schwimmende Schnäuzchen Verlag“, der uns (dringendst notwendig) schwimmende Schweine auf den Bahamas präsentiert. Weil Schweine wissen, was gut ist.

Eindeutig im Uneindeutigkeitsbereich schwebt ebenfalls „Jesus Christus Kontrastprogramm“ (ganz im Gegensatz zur „Herborner Pumpentechnik“ übrigens). Ob wir es hier mit gottgefälligen Erzeugnissen oder eben teuflischem Engagement zu tun haben, ist auch auf mehrere Blicke nicht ersichtlich. Nur absolut Hellsichtige vermögen weiters die beiden, doch recht unterschiedlichen Schwerpunkte der „Edition Rauchzeichen“ zu erraten: künstliche Gelenke und Italien. Überaus clever (wahrscheinlich sogar zu clever) ist der Verlag „leider namenlos“, dasselbe lässt sich von „Page & Turner“ behaupten. Der kürzeste Verlagsname ist „2a“, der längste scheint „Thomas Mildner-Rotermund - Verwaltungstelle von Angelegenheiten der Blackfinboys“ zu sein, aber mir fehlt nun wirklich die Kraft, zu googlen, was das schon wieder ist. Langsam könnte ich wohl eine Pause gebrauchen. Bleibt zu hoffen, dass ich bei Snacking Media fündig werde, lauert doch noch einiges auf mich. Es bleibt aufregend.

 

*Quelle: VLB-Tix des Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels.

**Ein nicht ganz so garstiges Wort wie Spinnenabdomensalat. Man bedanke sich für dieses geistige Bild bei Max Goldt und lese seine Bücher.