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Rezensionen von gabiliest:

Wer ist der Große Calafati?

Der Totengräber und die Pratermorde von Oliver Pötzsch

Mit “Der Totengräber und die Pratermorde” hat der Spiegel Bestseller- Autor Oliver Pötzsch den vierten Band seiner Totengräberserie um Inspektor Leopold von Herzfeldt aus dem Wiener Sicherheitsbüro und den Totengräber Augustin Rothmayer vorgelegt.

Schauplatz ist diesmal Wien im Jahr 1896.

Zwei Zauberer gastieren in der Stadt, der Amerikaner Banton, der im Ronacher Theater auftritt und der Grosse Bellini, der seine Kunst im Wiener Prater zeigt. Banton hat modernere Tricks, doch bei seinem spektakulärsten geht alles schief, die Jungfrau wird wirklich zersägt. Als kurz darauf sein Assistent stirbt, hat Inspektor Herzfeldt zwei Morde aufzuklären. Dabei kommt ihm immer wieder seine große und unglückliche Liebe Julia Wolf in die Quere, Journalistin beim Neuen Wiener Journal. Als Julia im Prater recherchiert, wird ihr das Gerücht zugetragen, dass immer wieder Mädchen verschwinden. Tatsächlich werden weitere Frauenleichen gefunden, es ist klar: Irgend jemand, hinter vorgehaltener Hand genannt der Große Calafati, zieht hier im Hintergrund die Fäden. Hängen die vielen Mordfälle zusammen?

Im Wien der Jahrhundertwende wird die Kriminalistik gerade zur faktenbasierten Wissenschaft, die Wiener Medizinische Schule ist weltberühmt. Leopold von Herzfeldt schwört auf die Tatortanalyse und die Daktyloskopie, der am Wiener Zentralfriedhof beschäftigte Totengräber Augustin Rothmayer experimentiert mit Fliegen und Maden, um die Liegezeit von Leichen bestimmen zu können. Dabei arbeitet er mit Professor Hofmann vom gerichtsmedizinischen Institut zusammen und schreibt mit Herzfeldt an einem Buch. Doch die seltsam verkleideten Frauenleichen geben weiterhin Rätsel auf.

Mit “Der Totengräber und die Pratermorde” zeichnet Oliver Pötzsch ein genaues Bild des historischen Wien, wobei der Wiener Prater die Hauptrolle spielt. Er ist ein Kosmos für sich und die Budenbesitzer stehen der Polizei skeptisch gegenüber. Sie machen Streitigkeiten lieber untereinander aus. Dementsprechend schwierig gestalten sich die Ermittlungen, erst als Julia unter falschem Namen eine Stellung in einem Zirkus annimmt, kommt sie an mehr Informationen. Doch weiß sie nicht schon zuviel und ist ihr Leben noch sicher?
Neben der spannenden Kriminalhandlung beschreibt der Autor sehr gut die sozialen Hintergründe und Entwicklungen der damaligen Zeit. Wien ist im Umbruch, neue technische Errungenschaften halten Einzug. Teile Wiens sind bereits elektrifiziert, bewegte Bilder auf der Leinwand faszinieren und ängstigen die Menschen gleichermaßen. Wenige Autos fahren, viele Menschen sind überzeugt, dass sich diese neumodischen Erfindungen nicht lange halten werden. Eine neue Sportart, das Fußballspiel, wird immer beliebter.

Julia, eine Frau, die ihre Unabhängigkeit und ihren Beruf schätzt, lebt mit ihrer gehörlosen Tochter Sisi in einem Untermietzimmer, Armut und Reichtum existieren nebeneinander. Inspektor Herzfeldt, der jüdische Wurzeln hat, wird mit Vorurteilen, Beleidigungen und Hass wegen seiner Religion konfrontiert, auch seitens seiner Kollegen. Antisemitismus ist allgegenwärtig. Augustin Rothmayer ist ein menschenscheuer Typ, der wissenschaftliche Erkenntnisse über die Leichen, mit denen er täglich zu tun hat, gewinnen will. Liebevoll kümmert er sich um seine Pflegetochter Anna, die bei ihm eine Lehre macht. Doch Anna ist dem Fußballspiel verfallen und Rothmayer nicht sehr geübt im Umgang mit jungen Mädchen. Auch alle weiteren Charaktere sind zeittypisch und authentisch dargestellt und ermöglichen den Einblick in eine Welt hinter dem Praterrummel.

Die Sprache des Buches, das flott und spannend zu lesen ist, ist oft sehr Wienerisch, wer Wiener Schimpfworte noch nicht kennt, wird sein Repertoire hier wirklich bereichern können, auch wenn manche Bezeichnungen heute nicht mehr geläufig sind. Zur besseren Verständlichkeit gibt es ein Glossar und ein Personenverzeichnis, das den Überblick erleichtert. Das Milieu und die historischen, baulichen und architektonischen Gegebenheiten sind lebendig und exakt geschildert. Um die Vorstellungskraft zu unterstützen, bietet das Buch auf der Rückseite des vorderen Buchumschlages eine Karte der historischen Wiener Innenstadt und des Praters. So ist “Der Totengräber und die Pratermorde” ein gelungener historischer Kriminalroman, der echtes Wiener Flair um die Jahrhundertwende bietet. Und der Große Calafati? Es ist eigentlich eine überlebensgroße Figur in der Mitte des Praters, die einen Chinesen darstellt und vor der sich die Kinder auch heute noch fürchten.

Mein Fazit:
Oliver Pötzsch hat einen lebendigen, gut lesbaren und sehr spannenden Kriminalroman geschrieben, der Wien um die Jahrhundertwende hervorragend beschreibt und es den Lesenden leicht macht, in die damalige Atmosphäre und Kultur einzutauchen. Das Verschwinden junger Mädchen war keineswegs ungewöhnlich, sehr gut gefallen hat mir, dass die eigentlichen Verbrechen nicht sensationslüstern dargestellt werden, man aber das Grauen der Situation deutlich spüren kann. Diesen actionreichen historischen Kriminalroman empfehle ich sehr gerne weiter und bewerte ihn mit verdienten fünf Sternen.

Noch ein Tipp für alle, die sich für Kriminalgeschichte interessieren: Das Kriminalmuseum im zweiten Wiener Gemeindebezirk kann ich wirklich empfehlen.

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Schweigen und Schuld/ Trauma und Lust

Wie sehr ich dich finde von Lea Söhner

“Wie sehr ich Dich finde” der Autorin Lea Söhner ist ein nachdenklich machender Roman, der verdient, dass sich die Lesenden Zeit zur Reflexion nehmen. Er umfasst nicht nur drei Generationen und ihre teils furchtbaren Schicksale, sondern stellt dem Glauben und dem Hadern mit Gott immer wieder das weibliche Prinzip der Mutter und Geliebten gegenüber, in deren warmen Armen die Protagonisten des Buches Zuflucht suchen.

Die Handlung wird getragen von zwei Stammelternpaaren, die beide den Krieg und die Nachkriegszeit erlebt haben, einem Elternpaar und deren Tochter, die langsam ihren Wurzeln auf den Grund gehen:

Das erste Stammelternpaar: Paul und Helene/ Sohn: Wolfgang
Das Buch beleuchtet das Schicksal von Helene, einem halbjüdischen Mädchen, das im Jahr 1942 gerade noch vor den Nazis in die Schweiz in Sicherheit gebracht werden kann. Doch die Eltern kommen nicht wie versprochen nach, die Sechsjährige, versehen mit neuer Schweizer Identität, verstummt. Ihr Schicksal wendet sich erst, als sie zu singen beginnt, ihr Traum, Opernsängerin zu werden geht in Erfüllung. Auch ihre Ehe mit Paul, einem Arzt und dem gemeinsamen Sohn Wolfgang scheint glücklich, doch Paul kennt ihre wahre Identität nicht. Helene öffnet sich erstmals, findet Briefe der Eltern, doch das Schicksal erlaubt keine Bewältigung.
Wolfgang leidet unter dem Tod der Mutter und liebt seine Großeltern. Doch hier gibt es dunkle Verbrechen, die Paul seinen Eltern entfremden. Erst spät wird Paul Wolfgang über die Gräueltaten seines Opas aufklären,

Das zweite Stammelternpaar: Hanna und Hans/ Tochter: Bettina
Hans hat die Gräueltaten des Krieges und die Brutalität seines Vaters erlebt. Ihm ist klar geworden, dass für ihn Gewalt und Lust eng verbunden sind. Doch gibt er Gott das Versprechen, nie jemandem zu schaden. Er heiratet Hannah, die tief gläubig ihr Leben und ihre lang ersehnte Tochter Bettina Gott weiht.

Das Elternpaar: Bettina und Wolfgang/ Tochter: Sarah
Bettina, eine Mathematikerin, aber eher schüchtern und farblos, heiratet Wolfgang, den Frauenhelden und bekannten Pianisten. Ihre Ehe ist geprägt von den Seitensprüngen Wolfgangs. Die gemeinsame Tochter Sarah leidet darunter, dass sich die Mutter der Familie immer wieder entzieht. Trotz schwerer Schicksalsschläge scheint die Beziehung zwischen Wolfgang und Bettina unverbrüchlich. Tochter Sarah, angehende Dirigentin, jedoch hadert lange mit ihrem Schicksal, besonders mit der Mutter, und erkennt erst durch Yvonne, dass jeder selbst für sein Liebesleben verantwortlich ist.

Versöhnlich und als Prinzip des Weiblichen wird Yvonne beschrieben, eine ehemalige Edelprostituierte, die Wolfgang zum Mann und Paul zum Ehemann gemacht hat. Yvonnes Klugheit und Gespür für menschliche Abgründe ermöglichen langsam Heilung.

Dieser von der Kriegszeit bis in die Gegenwart reichende Roman zeichnet Lebenswege und Schicksalsschläge nach, die als Traumata in den Figuren bis in die Jetztzeit fortwirken. Der Widerstreit zwischen Glauben und Lust ist ebenso Thema wie Inzest, sexuelle und psychische Gewalt und das schnelle Entstehen von Liebe und Beziehungen. “Wie sehr ich dich finde” ist ein kluger und menschlicher Roman. Auch wenn die Schicksale der Protagonisten einander gleichen, muss doch jeder die Frage nach individueller Schuld stellen. Doch steht am Ende Versöhnung und Verzeihen.

Der Schreibstil von Lea Söhner ist manchmal poetisch, manchmal unerwartet und direkt, immer jedoch lebendig und gut lesbar. Dazu trägt auch das Personenverzeichnis am Buchanfang bei. Außerdem steht am Beginn jedes Kapitels, das einer Person zugeordnet ist, ein Schlagwort, das den Inhalt des Geschriebenen charakterisiert. Auch wenn das Buch menschliche Abgründe behandelt, bietet es doch einen positiven Schluss. Lesenden, die Interesse an Zeitgeschichte und dem Nachwirken des Lebens der Vorfahren in der eigenen Geschichte haben, möchte ich dieses Buch besonders empfehlen. Oft sind es, wie in der Musik, die leisen Töne, die überzeugen.

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Hartes Leben, raue See: Ein mitreißender historischer Roman

Der Ruf des Horizonts von Jaane Janssen

Mit “Der Ruf des Horizonts” hat die Bestseller-Autorin Jaane Jansen den zweiten Band ihrer Ostfriesland Saga vorgelegt. Auf dem Cover ist Sventje abgebildet, der Hauptcharakter des Romans, die sich heimlich überlegt, ob ihr Leben vielleicht in anderen Bahnen und in der Ferne verlaufen könnte.

Die Geschichte beginnt in Borkum im Jahr 1780.

Sventje, Mutter von vier Kindern und mit Lian, einem Walfänger, verheiratet, ist glücklich. Ihr Mann, der sonst für Jahre zur See gefahren ist, ist zu Hause, sie kann den Unterhalt der Familie als Seifensiederin bestreiten. Nur Tammo, ihr ältester Sohn, kann seine Beine nicht bewegen, ohne dass eine Ursache bekannt wäre. Trotzdem, Sventje ahnt, dass das Glück nicht ewig dauern wird. Tatsächlich nützt der Bader des Dorfes den Aberglauben der Menschen aus, denn er bezeichnet es als Teufelszeug, sich zu waschen. Was Sventje am Anfang nicht ernst nimmt, soll ihr fast zum Verhängnis werden.

Im Rückblick auf das Jahr 1749 wird der Grund offenbar, wieso Sventje, das ehemalige Findelkind, und Lian so innig verbunden sind. Lian hat als Kind Sventje gefunden, aufgezogen wurde sie von Schwester Johanna, einer Nonne. Doch in Sventjes Kindheit gab es noch einen Freund, Valentin von Halversberg, der seit Langem Sventje heimlich und hoffnungslos liebt. Auch hat er ihr und ihrer Familie schon oft geholfen, ohne dass Sventje davon wusste. Durch Schwester Johanna kommt ein lange gehütetes Familiengeheimnis ans Licht, Lian und der Gutsherr haben eine besondere Verbindung. Und Valentin wird alles tun, um Sventje weiter zu helfen.

Tatsächlich kommt das Unglück, wie es Sventje geahnt hat. Sie wird von den Dörflern verfolgt, Lian ist auf See und gerät im Laufe des inzwischen ausgebrochenen Krieges zwischen England und Holland in Kriegsgefangenschaft. Wieder gelingt es Valentin mit einer List, Lian zu befreien und Sventje und ihrer Familie Unterschlupf auf seinem Gut zu gewähren. Doch ruft in der Ferne nicht schon der Horizont?

Besonders hervorheben muss man, dass Jaane Jansen ihren Charakteren wirklich Tiefe gibt. Die Schicksale der einzelnen Figuren sind nicht nur in historische Zusammenhänge gebettet, sondern auch die Persönlichkeiten und Charakterzüge hervorragend ausgearbeitet. So ist es leicht, in die Lebenswelt der damaligen Zeit einzutauchen und sich den Menschen verbunden zu fühlen. Alle genannten Protagonisten bestechen durch Stärke und Menschlichkeit, ohne jedoch ihrem Schicksal, das viele Prüfungen bereit hält, entrinnen zu können. Sventje tut alles für ihre Familie, unterstützt wird sie dabei von ihrer Freundin Fenna, einer Hebamme. Trotzdem ist die Zeit nicht reif für neue Ideen. Lian ist ein liebender Ehemann, der in seinen Logbüchern jeden Tag einen Brief an Sventje schreibt und ihr von seinen Gedanken und Gefühlen berichtet. Valentin von Halversberg hat sich beinahe damit abgefunden, sein Leben allein und kinderlos zu verbringen, denn seine Liebe zu Sventje kann unmöglich erfüllt werden.

Mit “Der Ruf des Horizonts” hat Jaane Jansen einen beeindruckenden historischen Roman vorgelegt. Sie ist eine großartige Erzählerin, die ihre Geschichten rund um akribisch recherchierte historische Fakten baut. Das Buch ist angenehm zu lesen und schildert das Geschehen so eindrücklich, dass Kopfkino beim Lesen entsteht. Auch ohne Band eins der Ostfriesland Saga zu kennen, kann man das Buch gut lesen und kommt problemlos in die Geschichte hinein. Eine große Hilfe ist das Personenverzeichnis, das dem eigentlichen Text vorangesetzt ist. Wer jedoch die früheren Zusammenhänge und Schicksale der Protagonisten kennen lernen will, dem sei Band eins wärmstens ans Herz gelegt. Im Nachwort zu Band zwei legt die Autorin die geschichtlichen Zusammenhänge offen, mein Tipp wäre, dieses noch vor dem eigentlichen Text zu lesen. “Der Ruf des Horizonts” ist nach meiner Meinung einer der besten Romane, die das ausgehende achtzehnte Jahrhundert zum Thema haben. Daher eine absolute Leseempfehlung von mir und verdiente fünf Sterne.

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Genial witzig und manchmal traurig: Ein Roadtrip der Gefühle

Maybe this is how it starts von Sarah Adler

Mit “Maybe this is how it starts” hat die bekannte Autorin Sarah Adler eine Romcom geschrieben, in der man nicht nur einen Roadtrip durch die USA, sondern auch durch viele Gefühlsfacetten erlebt.

Diese auf zwei Zeitebenen erzählte Geschichte behandelt eigentlich ein ernstes Thema, das aber durch die komischen Seiten dieser Reise in den Hintergrund tritt.

Millie, einst ein Kinderstar und auch heute noch bekannt, will von Washington DC nach Miami fliegen. In ihrem Rucksack: Drei Löffelchen Asche ihrer Freundin Rose, die im Alter von achtundneunzig Jahren verstorben ist und die erst kurz vor ihrem Tod von ihrer großen Liebe Elsie erzählt hat. Das ist achtzig Jahre her, aber Millie will Elsie finden und sie mit Rose vereinen- Liebe, die den Tod überdauert. Denn daran glaubt die Romantikerin Millie ganz fest, auch wenn sie in ihrer früheren Beziehung mit Josh ausgenutzt wurde. Als Millies Flug gestrichen wird, steigt sie zu Hollis ins Auto, einem zynischen und verschlossenen Schriftsteller, der seine Schreibblockade mit einer Woche Sex in Miami beenden möchte. Nun folgt ein von Pannen begleiteter Roadtrip quer durch die USA, wobei Millie erkennt, dass Hollis versucht, die Fassade des unbeteiligten Egoisten aufrecht zu erhalten, aber beginnt, Gefühle in Millie zu investieren. Obwohl er Millie bei ihrem Vorhaben unterstützt, Rose und Elsie zu vereinen, hält er Beziehungen und die ewige Liebe für ein Gerücht, würde er sich nicht immer mehr zu Millie hingezogen fühlen.

Sarah Adler lässt Millie in der Gegenwart und der Ich-Form ihre Geschichte erzählen. Sie ist eine junge Frau, die fast naiv immer das Beste von den Menschen annimmt, fest an die ewige Liebe glaubt und es daher als ihre Mission betrachtet, Rose und Elsie, die sich während des Krieges innig geliebt haben, zusammen zu bringen. Während der Fahrt beginnt sie, Gefühle für Hollis zu entwickeln, ist sich aber unklar, welche das sind. Ist “mögen” denn auch “lieben”? Und was ist dann Freundschaft? Trotzdem kommen sich Millie und Hollis sehr nah, einige Szenen im Buch sind very spicy. Für junge Leser und Leserinnen werden aber auch die Regeln für Sex klar definiert: Es ist immer in Ordnung “nein” zu sagen. Das Buch ist für Lesende ab sechzehn Jahren empfohlen.

Hollis ist der anfangs abweisende und oberflächlich wirkende Typ, der sich aber während der Reise als freundlicher Helfer herausstellt und Millie in ihrem Anliegen nach Kräften unterstützt. So entsteht erst langsam das Bild eines einfühlsamen Mannes, der sich lange Zeit weigert, zu seinen Gefühlen zu stehen.

“Maybe this is how it starts” ist ein manchmal schräger, manchmal tiefsinniger Liebesroman, der humorvoll erzählt, wie sich die Protagonisten Millie und Hollis im Lauf der Reise verändern. Neben spritzigen und witzigen Dialogen steht natürlich die Frage im Vordergrund: “Gibt es die ewige Liebe, die den Tod überdauert?” Die Story bietet gelungene Unterhaltung und ist durchaus spannend, denn man möchte es Millie gönnen, dass ihr Roadtrip, um Elsie zu finden, nicht vergebens war. Und da Millie und Hollis ausgeprägte Charaktere sind, finden sich neben mancher skurrilen Szene immer wieder berührende Gedanken und tiefe Gefühle.

Das Buch ist angenehm und leicht zu lesen, der Schreibstil flüssig und abwechslungsreich. Gute Unterhaltung bieten die erfrischend frechen Dialoge. Manchmal spricht Millie die Lesenden direkt an, das macht es leicht, in das Geschehen einzutauchen und die Gefühle und Handlungen der Protagonisten nachzuvollziehen. Damit hat Sarah Adler einen sehr gelungenen und unterhaltsamen Roman geschrieben, den ich gerne weiterempfehle und der fünf Sterne wirklich verdient hat.

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Spicy words and burning hearts

Literally Love 3. Paperweight Hearts von Tarah Keys

“Hass oder Liebe, oder geht beides”?
Diese Frage werden sich die Lesenden von “Paperweigt Hearts”, dem dritten Band der Literally Love Trilogie stellen. Die Autorin Tarah Keys hat mit ihrer New-Adult Romance wieder ein tolles Buch vorgelegt, das nicht nur Witz und hintergründige Dialoge bietet, sondern immer auch über den schmalen Grat zwischen Wahrheit und Lüge, Zuneigung und Rivalität balanciert.

Schon das Cover und der farbig illustrierte Buchschnitt machen das Buch zu einem Eyecatcher. Das ist besonders gelungen, da die Verlagsbranche, aber auch die Arbeit von Literaturagenturen immer wieder Thema sind und Tarah Keys der Kunstgriff gelungen ist, ein Buch im Buch zu schreiben. Die Geschichte hat es in sich: Chelsea, Programmdirektorin beim Verlag Plots&Pieces ist eine toughe Geschäftsfrau, Nolan Rowes ein erfolgreicher Literaturagent. Ihre gegenseitige Abneigung sitzt tief, Chelsea hat Nolan den Job weggeschnappt. Und obwohl die Beiden dauernd streiten, können sie einander im Literaturbetrieb nicht aus dem Weg gehen. Um dieses zwiespältige Verhältnis auf die Spitze zu treiben, schließen sie eine Wette ab: Kann Fake Dating zu echten Gefühlen führen? Verloren hat, wer sich zuerst in den Anderen verliebt. Wer wird hier in Verlangen entbrennen, so heftig, dass er oder sie die Wette verloren gibt? Die Nominierung für den selben Literaturpreis stachelt ihre Rivalität zusätzlich an.

In Paperweight Hearts hat die Autorin Tarah Keys zwei beeindruckende Hauptcharaktere geschaffen, die einander anfänglich in Zynismus und Schlagfertigkeit in nichts nachstehen. Doch mit der Zeit- ohne dass Nolan und Chelsea es wahrhaben oder einander zugestehen wollen- tritt echtes Begehren in ihre Beziehung. Einige spicy Szenen lassen erahnen, wie schwer es ist, Begehren zu verleugnen und sich doch so stark zum Anderen hingezogen zu fühlen. Doch immer, wenn man glaubt, dass echte Romance im Spiel ist, versuchen Chelsea und Nolan, Distanz zu schaffen. Denn keiner will die Wette verlieren.

Dieser mit Witz und Charme geschriebene Roman bietet durch kurze Kapitel wirkliches Lesevergnügen. Besonders gelungen sind die humorvollen Kapitelüberschriften, die darauf Bezug nehmen, dass sie aus dem Kapitelplan zu Paperweight Hearts von Tarah Keys entstammen. Auch in anderen Szenen wird die Verlagsbranche mit Augenzwinkern dargestellt, aber junge Leser*innen ab 16 Jahren werden über diese zusätzlichen Einblicke in den Literaturbetrieb sicher begeistert sein. Diese Workplace-Romance bietet einfach von Allem etwas: Ein erfrischend freches, ungewöhnliches Setting, witzige und hitzige Wortgefechte und natürlich sympathische Protagonisten, über deren Beziehungsverhalten sich Reflexion sicher lohnt. Denn auch in den einzelnen Kapiteln erzählen die Figuren aus der Ich-Perspektive, wie sich ihr Konkurrenzkampf, aber auch ihre Gefühle füreinander entwickeln. Hier lebt man richtig mit, denn dieser flüssige Schreistil lässt echtes Kopfkino entstehen.

So bietet “Paperweight Hearts” kurzweilige Unterhaltung, aber auch Romantik, Spannung und Humor. Ein Buch, das man wirklich lesen sollte, das ich daher gerne weiterempfehle und das fünf Sterne wirklich verdient.

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Nachbarn und andere Mörder

Marchfield Square von Nicola Whyte


Mit ihrem Romandebüt “Marchfield Square” steht Autorin Nicola White in der guten Tradition der britischen Cosy Crimes. Schon das Cover dieses Buches ist ein echter Eyecatcher, der erhabene Druck und der Farbschnitt vervollständigen die hochwertige Ausstattung. Und auf der Rückseite der Buchdeckel gibt es einen Plan des eleganten Londoner Gebäudeensembles, wobei jede Wohnung dem jeweiligen Mieter zugeordnet wird.

Das macht es leicht, sich in die Szenerie zu versetzen und hilft beim Mitraten und Miträtseln.

Denn als Lesende*r ist man genau so neugierig wie Celeste, die auf dem Buchcover abgebildet ist, eine reiche alte Dame, die “Menschen sammelt”. Sie ist Eigentümerin des Marchfield Square, sucht sich ihre Mieter nach eigenen Kriterien aus und beobachtet sie in ihren Wohnungen. Doch einmal hat sich Celeste bei der Auswahl geirrt, und genau dieser Mieter, Richard Glead, liegt jetzt tot in Wohnung Nummer zehn. Celeste ruft nicht die Polizei, seine Frau Linda, gegen die er gewalttätig war, wird die Leiche schon finden. Als die Polizei ermittelt, ist der Hintergrund des Verbrechens unklar. War es Linda? Oder war Richard in kriminelle Machenschaften verstrickt?

Da Celeste der Polizei nicht vertraut, gründet sie ein eigenes Ermittlerteam. Da ist Audrey, ihre Putzfrau, mit hellem Verstand, guter Menschenkenntnis und extrovertiert. Sie soll mit dem sozial unbegabten Schriftsteller Lewis, der gerade an einer Schreibblockade leidet, Licht in den Fall bringen. Diese beiden ungleichen Partner konzentrieren sich vorerst auf die Nachbarn. Und siehe da, jeder hat ein Geheimnis. Doch damit nicht genug, es gibt noch zwei weitere Leichen. Wie ist hier der Zusammenhang? Oder gibt es doch mehrere Täter?

In bester Agatha Christie Manier kümmern sich Audrey und Lewis um die Aufklärung des Falles. Dabei ergänzen sich die Beiden mit der Zeit immer besser, aber welches Spiel spielt Celeste? Gibt sie wirklich alle Informationen Preis?

Neben den zwei Hauptcharakteren sind die Nachbarn, die in diesem noblen Haus wohnen, hervorragend dargestellt. Neben schrulligen Charakteren und unerwarteten -auch kriminellen- Eigenschaften ergibt sich ein Tatbild, in dem auch die Lesenden zu Ermittlern werden, denn es gibt so viele Geheimnisse und Möglichkeiten, wer würde da nicht miträtseln. Und doch, kaum glaubt man, den Täter oder die Täterin zu kennen, nehmen die Fälle eine unerwartete Wendung, an der auch Miss Marple oder Hercule Poirot einiges aufzulösen hätten.

So ist Marchfield Square nicht nur ein gelungenes Debüt der Autorin Nicola White, sondern ein spannungsreicher, flüssig geschriebener und erzählerisch gelungener Cosy Crime Roman. Durch einprägsame Schilderungen verfolgt man einerseits die Bemühungen des Ermittlerduos Audrey und Lewis, andererseits entwickelt man selbst immer wieder Szenarien, die die Autorin geschickt wieder zu Fall bringt. Nicht zu kurz kommen der britische Humor, das Schmunzeln über skurrile Charaktere und der Charme des british way of life. Der Roman bietet erstklassige Unterhaltung, daher kann ich dieses gelungene Romandebüt gerne weiterempfehlen und bewerte es mit verdienten fünf Sternen.

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Eine Liebesgeschichte mit Neufundländer Samson

Pfotenglück und Sommerwellen von Petra Schier

Die bekannte Autorin Petra Schier hat mit ihren neuen Roman “Pfotenglück und Sommerwellen” Band acht ihrer Lichterhaven-Reihe vorgelegt. Schon das fröhliche Cover, das sofort Urlaubsfeeling vermittelt, zeigt neben wunderschönem blauen Himmel Samson, einen liebenswerten und gutmütigen Neufundländer, der in dieser Geschichte noch eine wesentliche Rolle spielen wird.

Eigentlich dreht sich dieser gefühlvolle Roman um Max, einen Bauer aus dem Dorf Lichterhaven, dessen Hof kurz vor dem Ruin steht. Nach einer unglücklichen und vor allem teuren Scheidung musste Max den Großteil seiner Tiere verkaufen und sieht keine Perspektive. Doch seine Mutter hat bereits Isalie engagiert, eine Hamburger Stadtpflanze, bekannte Influencerin und Unternehmensberaterin. Auch wenn Max Vorbehalte gegen sie hat, fühlt sich Isalie auf dem Hof gleich wohl. Besonders mag sie die Kinder Lilly und Jonathan, an denen die Mutter kein Interesse mehr hat. Doch nicht nur Hof, Kinder und Familie gefallen Isalie, eines Tages sitzt Samson vor dem Hühnerstall, ein trauriger, schwarzer Neufundländer. Er hat das Vertrauen zu den Menschen verloren, denn er wurde ausgesetzt. Wird Samson seine Lebensfreude wiederfinden und auf dem Hof bleiben dürfen?

Isalie bemüht sich weiterhin, Max von ihren Vorschlägen, den Hof wirtschaftlich zu führen, zu überzeugen. Vorerst bleibt Max skeptisch, doch zwischen Max und Isalie knistert es sehr bald, der Roman enthält auch einige spicy Szenen. Dennoch, zwei verschiedene Lebenswelten, zwei völlig unterschiedliche Charaktere- ist ein gemeinsames Leben denkbar?

Mit “Pfotenglück und Sommerwellen” hat Petra Schier ein fröhliches, aber auch berührendes Buch geschrieben, das immer wieder die Frage stellt: “Was ist Glück und ist es so einfach zu erkennen? Die Hauptcharaktere des Buches sind sehr eindrücklich beschrieben. Isalie ist eine kluge und erfolgreiche Geschäftsfrau, die aber das Gefühl hat, dass ihr dieses Lebensmodell gar nicht liegt und dass Geld nicht alles ist. Max ist der skeptische Bauer, der im Monet keinen Ausweg sieht, aber seinen Hof unbedingt erhalten möchte. Auch die Kinder Jonathan und Lilly haben Isalie bereits in ihr Herz aufgenommen. Dieser lebhaft und bildhaft erzählte Roman macht es den Lesenden leicht, in die Atmosphäre von Lichterhaven einzutauchen, mit den Protagonisten mitzufühlen und ihre Handlungen nachzuempfinden.

Doch der eigentliche Star der Geschichte ist Samson. Aus Trauer und Resignation von Isalie herausgeholt, entwickelt er sich zu einem klugen und treuen Familienhund. der mit Hundestimme alles kommentiert und dessen Gedankenwelt eindrücklich dargestellt wird. Die Geschichte des Buches aus der Hundeperspektive zu verfolgen ist ein sehr gelungenes und oft auch berührendes Stilmittel.

Dieses Buch ist eine wunderbare Wohlfühllektüre, die Lust auf den nächsten Urlaub macht, aber auch darauf, wie es in Lichterhaven weiter gehen wird. Denn die Geschichte von Max, Isalie und Samson ist noch lange nicht zu Ende und diesem gelungenen Buch wird hoffentlich bald eine Fortsetzung folgen. Anzufügen ist, dass alle Bände der Lichterhaven- Reihe unabhängig von einander gelesen werden können und immer Romantik und ein Happy End bieten. “Pfotenglück und Sommerwellen” ist ein Buch, das ideal zum Entspannen ist und das ich gerne weiterempfehle.

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Vom Grauen des Krieges und der Kraft der Liebe

Eine Welt nur für uns von Claire Deya

Das Romandebüt von Claire Deya “Eine Welt nur für uns” lässt, auch durch das idyllische Hardcover, einen Liebesroman vermuten. Natürlich kommt Liebe vor, unendlich, tief und besitzergreifend. Doch der Schauplatz der Geschichte und die Protagonisten sind ganz anders.

Die Strände der Cote d´ Azur sind vermint, es ist kurz vor Kriegsende.

Vincent, ein Franzose, der aus deutscher Kriegsgefangenschaft geflohen ist, kehrt zurück, besessen nur von einem Gedanken: Er muss seine Geliebte Ariane wiederfinden, die seit zwei Jahren verschwunden ist und zuletzt auf einem Fest der deutschen Feinde gearbeitet hat. Daher braucht er Kontakt zum Kriegsgefangenenlager, in dem Deutsche interniert sind. Vincent schließt sich dem Trupp von Minenräumern an, neben Franzosen müssen Deutsche hier Zwangsarbeit leisten. Vincent ist sicher, von ihnen etwas über Arianes Schicksal erfahren zu können und besessen von dem Gedanken, Rache zu nehmen, wenn ihr etwas zugestoßen ist. Doch die Deutschen sind verhasst und jeder Kontakt mit ihnen kann gefährlich sein, genau wie das sorgsame Aufspüren und Entschärfen der Minen. Nichts jedoch wird Vincent von seinem Vorhaben abbringen.

Claire Deya beschreibt in ihrem Roman, der ein Aufschrei gegen die Unmenschlichkeit des Krieges ist, alle Menschentypen, die dieses Wüten hervorgebracht hat. Da sind die Gaffer, wenn die Minenräumer ihrer lebensgefährlichen Arbeit nachgehen, die Menschen, die nur verharmlosen und vergessen wollen, die sich nach einem normalen Leben sehnen und die Denunzianten, die jüdische Familien um ihr Hab und Gut und oftmals auch um ihr Leben gebracht haben.

Einer der Hauptcharaktere des Buches ist Saskia, die aus einem deutschen Konzentrationslager entkommen ist und feststellen muss, dass ihr Haus von einer fremden Familie bewohnt wird. Freundlich empfangen wird sie nicht, bei den Behörden wird sie vertröstet. Doch sie begegnet Vincent, der sie einlädt, in seinem Haus zu wohnen. Saskia, traumatisiert und in ständiger Panik, nimmt das Angebot an. Doch sie sucht jeden kleinen Hinweis auf ihre Familie, die im Konzentrationslager umgekommen ist. Wer hat sie damals denunziert?

Claire Deya beschreibt in dieser aufrüttelnden und berührenden Geschichte, dass der Krieg mit der Kapitulation der Deutschen noch längst nicht vorbei war, die Franzosen hassten die deutschen Zwangsarbeiter weiterhin. Erst langsam gelingt es, den Menschen im Feind zu erkennen.

In der bildhaften Sprache der Autorin entsteht im Kopf der Lesenden eine Szenerie aus Mut und Verzweiflung. Mut, das Lager überleben zu wollen, was nur gelingen kann, wenn man dem Leben trotzdem einen Sinn abgewinnt. Verzweiflung, wenn man über das Schicksal der Angehörigen nicht Bescheid weiß, monatelang keine Post bekommt und unter Hunger, Gewalt und Demütigungen leidet. Der Gedanke an Flucht ist bei den Kriegsgefangenen allgegenwärtig, besonders bei Lukas, einem feinsinnigen Deutschen, der eigentlich in Paris eine Buchhandlung eröffnen wollte. Und Vincent ist überzeugt, dass Lukas etwas über den Aufenthaltsort von Ariane weiß.

Dieser Roman von Claire Deya ist mit erzählerischer Konzentration geschrieben und bietet keine einfachen Wendungen. Die subtile Schilderung der einzelnen Charaktere lässt die Lesenden mitfühlen und mitleben, froh, dieses Grauen nicht selbst erleben zu müssen. Entsetzen und Unverständnis entsteht, wenn man beobachtet, dass Menschen ungeheuer niederträchtig und grausam sein können, andererseits aber auch liebende Familienväter, die abends nichts dabei finden, ihre Fröhlichkeit im Umkreis der Zerstörung und Verzweiflung auszuleben.
Ich kann der Autorin nur zustimmen, wenn sie schreibt, dass man den Frieden planen müsse, um den Krieg zu vermeiden. Man merkt, dass die Autorin akribisch recherchiert hat, im Anhang des Buches findet sich ein Quellenverzeichnis. Dieses Buch hat mich sehr beeindruckt, ich empfehle es gerne weiter und bewerte es mit verdienten fünf Sternen.

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Hurra, endlich Schule!

Tschüss, Kindergarten! Ich bin bald ein Schulkind von Katrin Pokahr

Die bunten Vorlesebücher der Baumhausbande haben ein neues Mitglied bekommen. “Tschüss Kindergarten- Ich bin bald ein Schulkind” ist ein farbenfrohes Vorlesebuch, das den Kindern viele Fragen dazu beantworten kann, was sie in der Schule erwartet und wie der Abschied vom Kindergarten gut gelingt.

Schon auf dem fröhlichen Hardcover dieses hochwertig mit Lesebändchen ausgestatteten Buches tummeln sich die Kinder mit großen Schultüten und ihren neuen Schulranzen.

In vierzehn Kapiteln, deren Länge genau auf die Altersgruppe der Schulanfänger zugeschnitten ist, erleben die Kinder des Kindergartens Holterdiepolter, was es bedeutet, bald ein Schulkind zu sein. Sie dürfen in eine Gruppe nur für die Großen, besuchen die Polizei und dürfen sich endlich ihre Schultasche aussuchen. Das ist gar nicht so einfach, denn es gibt so viele verschiedene Modelle. Zum Abschluss des Kindergartens feiern alle ein buntes Fest und die Kinder übernachten im Kindergarten. Was für ein Abenteuer!

Natürlich lernen die Kinder auch ihre neue Schule bei einer Schnitzeljagd kennen, erleben den aufregenden ersten Schultag und finden sich doch noch nicht so ganz im neuen Gebäude zurecht. So ist nicht alles eitel Wonne, denn in der Tagesbetreuung ist es oft zu laut oder Schulkameraden geben den Kindern Spitznamen, was nicht jedem gefällt. Auch schreiben lernen ist gar nicht so einfach, da muss man schon viel üben, bis die Buchstaben gelingen.

Sehr gut sind die einzelnen Charaktere der Kinder dargestellt sowie die verschiedenen Kulturen, aus denen die Kinder kommen. Hier erkennen die kleinen (Mit)Lesenden sicher einige ihrer Freunde wieder und können über ihre eigenen Erlebnisse in Kindergarten und Schule berichten. In heiteren Erzählungen lernen die Kinder wie wichtig Freundschaft und gegenseitige Hilfe sind und dass manchmal ein Neuanfang auch ein bisschen holprig verlaufen darf.

Autorin Katrin Pokahr hat dazu sehr nette und kindgerechte Geschichten erfunden, die durch die gelungenen und phantasievollen Illustrationen von Jutta Berend wunderbar ergänzt werden und so die Freude am Lesen oder vorgelesen bekommen erhalten. Durch die bildhafte und lebendige Erzählweise und die große Schrift werden die Kinder- Vorschulkinder und Schulanfänger- noch lange Freude an diesem Buch haben. Das dicke Papier trägt dazu bei, dass auch mehrere Kinder aus unterschiedlichen Altersgruppen diese bunten Geschichten immer wieder gerne lesen. Am Ende des Buches gibt es einen tollen Aktivteil. Hier finden sich neben Bastelideen auch Rezepte, Rätsel und Übungen für Vorschulkinder. Ein Bilderbogen vervollständigt die gelungene Ausstattung.

“Tschüss Kindergarten- Ich bin bald ein Schulkind” ist ein leicht lesbares, liebevoll gemachtes Buch und damit bestens als Geschenk zum Eintritt in die neue Welt der Schule geeignet. Meinem kleinen Mitleser und mir hat das Buch sehr gut gefallen, wir empfehlen es gerne weiter und vergeben dafür verdiente fünf Sterne.

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Bücher, die die Seele heilen

Die geheime Sehnsucht der Bücher von Nina George


Mit “Die geheime Sehnsucht der Bücher” hat die Spiegel Bestseller-Autorin Nina George einen wunderbaren Roman vorgelegt, der beschreibt, wie Bücher geeignet sind, ihre Leser zu finden und je nach deren Gemütszustand auch zu heilen. Schon des gut gezeichnete Hardcover vermittelt einen Eindruck von Paris, in dem Pauline, eine junge Auszubildende, die Bücher- oder besser die Heilmittel für Herz und Seele- ausliefert.

Monsieur Perdu hat sein Bücherschiff am Quai der Seine angelegt. Er ist literarischer Apotheker und verschreibt seinen Kunden und Kundinnen als Medizin Bücher, die sie brauchen, um das innere Gleichgewicht wiederzufinden. Eines Tages erhält er Besuch von Francoise, von ihrer Mutter genannt Frankie, ein Namen, den sie nicht leiden kann. Frankie ist fast 12 Jahre alt, ein erwachsenes Kind, das heimlich liest und sonst hofft, die Situation ihrer Familie verbergen zu können. Denn Frankies Mutter ist einmal himmelhoch jauchzend, einmal zu Tode betrübt und trägt sich mit Selbstmordgedanken. Daher lügt Frankie ständig und versucht den Schein der Normalität aufrecht zu erhalten, denn sie hat Angst, dass sie in ein Heim und ihre Mutter in eine Anstalt gebracht wird. Um mit ihrer Situation fertig zu werden, hat sich Frankie angewöhnt, Synonyme zu verwenden. So wird “lügen zu “tagträumen”.

Als Frankie Monsieur Perdu aufsucht, von dem sie Hilfe erhofft, kann sie ihn einfach nicht belügen, sie läuft davon. Monsieur Perdu fragt Pauline, ob er etwas falsch gemacht habe. Erst als auch Frankies Mutter- nach langem Zweifeln- zu Monsieur Perdu kommt, erkennt dieser die Situation, denn Frankies Mutter versucht sich in die Seine zu stürzen. Und doch, diese Frau hat etwas an sich und er beginnt, ihr von seinem eigenen Leben zu erzählen, das bis vor kurzer Zeit nicht glücklich war, denn Monsieur Perdu war überzeugt, nicht lieben zu können und nicht geliebt zu werden, er war wie eine Axt aus Eis. Wird es ihm gelingen, Frankie und ihrer Mutter zu helfen?

Nina George hat mit “Die Sehnsucht der Bücher” einen berührenden und tiefgründigen Roman geschrieben, der das Schicksal von Kindern beleuchtet, die eigentlich die Elternrolle übernehmen. So muss Frankie ihrer Mutter, die die Außenwelt fürchtet und nicht mit ihr umgehen kann, die alltäglichsten Sachen erst beibringen, wie kochen und bügeln. Doch langsam kommt die Mutter in ihrer Rolle an, besonders als Frankies Vater auftaucht, der schöne Mann, wie ihn Frankie nennt. Darf Frankie nun endlich Kind sein und Bücher auch zu ihrem Vergnügen lesen und nicht nur, um sich Rat zu holen?

Die Autorin hat jedem Kapitel den Namen einer der handelnden Personen vorangestellt und die Charaktere feinsinnig und sensibel gezeichnet. Ein besonderes Stilmittel ist, dass Frankie bei ihren Synonymen immer auch mitdenkt, welche Wörter vor dem eigentlich gesuchten im Lexikon stehen. So relativieren sich Frankies Lügen und es gelingt ihr besser, die absurde Familiensituation zu ertragen. Doch unerwartet ergibt sich für Frankie eine Chance, zusammen mit Marie, einem elternlosen und genau so einsamen Mädchen, Bücher in der Öffentlichkeit vorzustellen. Bücher, die, wie viele meinen, dem Alter der Mädchen nicht angepasst sind. Die Eltern protestieren. Wird es Pauline und Jean Perdu gelingen, den Unmut zu ersticken und die Wahrhaftigkeit und Einzigartigkeit der Bücher zu verteidigen?

In ihrem Roman greift Nina George viele Probleme auf: Pauline, die wegen ihrer Abstammung angefeindet wird, hat Probleme, sich zwischen zwei Männern zu entscheiden. Eltern, die Jugendlichen Verantwortung, auferlegen, die sie eigentlich nicht tragen können und nicht tragen sollten. Engstirnigkeit von Eltern, die glauben, dass ihre Kinder von Büchern verdorben werden können. In fast poetischer Schreibweise schildert die Autorin sehr real, was Menschen bedrückt oder an einem erfüllten Leben hindert. Der eingängige, aber auch sensible und tiefschürfende Schreibstil zieht die Lesenden sehr schnell in seinen Bann, in den Bann dieses besonderen Buches.

“Die Sehnsucht der Bücher” ist ein Buch für Menschen, die Bücher lieben, die in einer Buchhandlung, die nicht nur aus Regalen bestehet, zwischen den Tischen mit den einzelnen Genres flanieren, mit suchendem Blick, und wenn sie ihre Lieblinge gefunden haben, diese verstohlen streicheln. Ein bisschen nur, das genügt. Sollten wir einander einmal in dieser Buchhandlung begegnen, beachten Sie mich bitte einfach nicht, ich bin auf der Suche nach “Die Sehnsucht der Bücher“, um es heimlich zu streicheln. Ganz kurz nur, denn das genügt.

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