Benjamin Girstmair empfiehlt: Trabantenbiografie

Wie jede(r) von uns wurde auch der den man Mond nennt vom Esel in der Nacht verloren, nur verfehlte er Grund und Boden weshalb er sich selbstständig machte. Mit Erfolg (gaukelte er allen vor zu leuchten). Privat ist der sympathische Trabant recht genügsam jedoch ein ausgesprochener Eigenkäsler, der seine tagnächtliche Zeit zu gleichen Teilen mit schonungslosem Beobachten, scharf veruteilen und mysteriös dreinschauen verbringt, während er von Tilion aus Oromes Schar gemächlich über den Himmel gezogen wird.
Aus den Jahrtausenden seiner Pubertät blieben dem Milchgesicht nicht viel mehr als tiefe Aknenarben, deren Kaschierung zu seinem Betrübnis bis dato ein unmögliches Verfahren ist, da ihm, zu allem Überfluss, ein ordentlicher Bartwuchs verwehrt wurde. Eine teuflische Kombination.
Nicht überraschend verfügt er wie so viele auch über eine dunkle Seite, die kurioserweise zwei Seiten hat und insgesamt zehn (manchmal neun) brilliant arrangierte (Ton-)spuren aufweist. Als bloße Spekulation muss aber der Zusammenhang zwischen seinem hartnäckigen punktuellen Akoholismus, der ihn einmal im Monat voll hinterlässt, und den äußerst spärlichen Besuchen (etwa von zahleichen Sam Rockwells oder einem nicht singenden Armstrong) gelten. Denn es muss hier kein Verständnis geheuchelt werden ob seiner nachlässigen sozialen Bemühungen, nein, das Verständnis ist voll und ganz in Fels gemeißelt, stellten sich bisher doch sämtliche Gäste als Ausgeburten der Unhöflichkeit heraus, indem sie beständig auf seinem rasierschaumigen Gesicht herumspazierten. Der kleinste Funken Anstand verbietet, dies sogar dem missmutigsten Hausherren anzutun, weshalb ich mich bemüßigt fühle, an dieser Stelle von Derartigem deutlich und aufs Dringendste abzuraten, es sei denn, es würde ausdrücklich verlangt, in welchen Falle es wiederum die Herzensbildung gebietet dem Wunsche möglichst unaufgeregt nachzukommen – ein guter Gast urteilt nie, und wenn, dann zuhause. Aber man lässt mich abschweifen.
Nun, es dürfte jedoch mittlerweile offenbar sein: Über unseren Trabanten wie die Facetten der Umgangsformen gäbe es zahlreiche Worte zu verlieren. Dem Himmel sei Dank sammeln einige diese zu Sätzen, die dann etwa der Verlag Kein und Aber in wunderbare Bücher bannt. Wem also die genannten Fakten über den Mond eher neu erscheinen, der informiere sich in diesem feinen Buch weiter. Bitte.