Benjamin Girstmair empfiehlt: Tag 22 – Ende (?)

Zufallszitat des Tages: Regal R bis Stre, zweites Regal von unten, dreiundvierzigstes Buch von links, S. 10 (kein Witz!): „Diese Geschichte ist zu Ende; sie Begann vor drei Jahren zu genau dieser Jahreszeit, um die Wahrheit zu sagen, sogar auf den Tag genau, und zwar ungefähr so:“
 
Frisch rasiert. Heute aufs Rad gestiegen. Mehr aus Nostalgie als aus Notwendigkeit. Ich kanns noch. Ein wenig enttäuscht, als ich das Ziel ohne Blick auf die Karte sofort gefunden habe (es war anderes versprochen).
Beim Versuch mich in der Buchhandlung zu bewegen heillos zwischen zwei Bücherwannen verkeilt. Die schon investierte kinetische Energie wurde mir zum Verhängnis, was eine sicherlich spektakuläre Drehung meiner Person in der Luft, eine blitzartige böse Vorahnung (ebenfalls in der Luft) und schließlich einen schweren Aufprall am allzu harten Boden zur Folge hatte. Passend dazu beklagte Big Mama Thornton (über unsere versteckte Lautsprecher) vollkommen zu Recht bei einem gewissen „Lord“ alles Erdenkliche und vor allem ihr Leid. Ich tat es ihr gleich.
 
Ansonsten liegt der Dunst der Veränderung in der Luft. Der und Staub. Staub ist in einer Buchhandlung so zuverlässig zu finden wie Bücher, wahrscheinlich ist er sogar ein konstituierendes Merkmal. Um ihm zu Leibe zu rücken, braucht man neben geeignetem Werkzeug entweder eine gefestigte, blinde oder sehr einfache Seele, die ganz gut mit Misserfolgen umgehen kann, oder aber die verinnerlichte Erkenntnis, dass zwar alles völlig absurd ist, aber deswegen aufzuhören ja auch. Die innere Revolte bricht das Licht des Findelkinds namens Hoffnung in unseren inmitten des Nebelfeldes schwimmenden Herzen. Also wischen wir Staub.
 
Dies ist nur jedoch nur einer von vielen Punkten, um die Buchhandlung wieder betretbarer und neuerdings sicher(er) zu machen. Allerhand muss hier und dorthin geräumt, dies auf den Kopf, jenes vom Kopf auf die Füsschen gestellt werden, hier eine Spur verwischt, dort eine falsche Fährte gelegt, das Deck ist auch noch zu schrubben. Die Beseitigung der Verwitterungen der letzten Wochen wird uns wohl noch eine Weile beschäftigen. Das gereicht aber nicht für einen Anlass zur Sorge, die Straße hat uns hart gemacht.
 
Es bleibt mir also nur noch, meine Buchhändleruniform (karierte Hemden, weiß der Teufel warum) herauszukramen und – mich zu verabschieden, ganz ohne angebrachte Sentimentalitäten. Nicht ganz und gar und nicht wirklich, bleibe ich doch hier sitzen. Hier und da wird es sicherlich einen Buchtipp zu verkosten geben und vielleicht gibt auch mal einen Bericht, wenn es Gevatter Zeit zulässt. Jedoch wird nun dieses Tagebuch, einsam und alleine verfasst in einer feinen Buchhandlung, mit diesem Eintrag geschlossen. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, eure Unterstützung und die freundlichen Worte.
 
Adieu.
 
 
Und bis bald (?)