Benjamin Girstmair empfiehlt: Tag 21 – Sicherheit II

Zufallszitat des Tages: Regal Mor bis R, zweites Regal von unten, zweites Buch von rechts, Seite 21: „Sie sehen blendend aus!“
 
Heute Desinfektionsmittel erhalten. In Spendern, kleiner als gedacht aber wohl – so das Versprechen – ergiebig schäumend. Damit können wir wahrscheinlich für die erste Zeit der „Desinfektionspflicht“ nachkommen. Zumindest bleibt das zu hoffen, da dieses unverhofft häufig kursierende Wort durchaus seine Unklarheit behält, wirft man es achtlos in den Raum. Da hilft auch „Regelmäßiges Desinfizieren muss sichergestellt werden“ nicht. Fallen mir doch auf Anhieb gleich mehrere Stellen alleine an meinem eigenen Körper ein, die man „regelmäßig“ desinfizieren könnte (und wahrscheinlich auch sollte). Und ich bitte nun nicht diesen unsäglichen Hausverstand zu bemühen, nie sollte man das tun, das führt zu nichts oder zu dummen, übereilten Entscheidungen der schlechten Art. Stattdessen gilt es den alten Kameraden Logik niederzuringen (die man übrigens herrlich ad absurdum führen kann), die aus den Augen verlorene Umsicht mit vorsichtig-verschämtem Blickkontakt zu locken, die bösartige Schlange der Praktikabilität auf viel erquickendere Lösungen anzusetzen, so sehr es mir bei diesen Worten das Herz zerreißt.
Daraus folgt: Die Buchhandlung wird von mehreren riesigen Schläuchen durchzogen, weiß bis zur Durchsichtigkeit, wie bei E.T., Schilder zu den einzelnen Regalen dienen als Orientierungspunkte für die mit einer scharf riechenden Flüssigkeit abgespritzen und mit Schutzanzügen versehenen Gäste. Die Kleidung wird, je nach Ergebnis mit unserem potemkinschen Allesmesser, der als Hommage an die Zukunftsvision der 80er-Jahre wild blinkend aufgeregt piept, entweder gewaschen oder verbrannt. Geblättert wird in einzeln in Folie verpackten Seiten. Obwohl dieser Schutz nun wirklich nicht nötig ist, raschelt es bestimmt schön.
Entweder wir machen also das oder wir stellen die Desinfektionsgönner an ein paar Stellen auf und befolgen alle wichtigen Sicherheitsmaßnahmen, so dass sich alle Beiteiligten so gut als möglich schützen kann. Je nachdem, was sich als umsetzbarer erweist.
 
So oder so, am Dienstag geht es los, mit allen Sperenzchen, die die aktuelle Lage vernünftigermaßen gebietet. Ich bin recht gespannt, wen ich nicht erkenne und wie sich das Ganze abspielen wird.
Bis morgen, bis zum vielleicht letztem Eintrag dieser Art. Vorerst vielleicht. Wir werden es schon merken. Bis dann!
 
 
Im Bild: Einer der Monolithen der Hygiene, noch ungeladen und dem kontaktlosen Zugriff harrend. Bald …