Benjamin Girstmair empfiehlt: Tag 18 – Die Methode

Regal Doy bis Hou, zweites Regalbrett von unten, drittes Buch von links, S.57: „Bin dir sehr, sehr dankbar für deinen Brief, kann mir deine Scherereien vorstellen und bitte Dich um Verzeihung für mich und die Buchhändler.“
 
Wie es dann weitergeht, das spare ich mir hier, garstig jedenfalls. Ich entschuldige mich trotzdem, in aller Form, die mir noch bleibt, das kann ja nicht schaden.
 
Nach zu Rate ziehen meiner bisherigen Einträge, muss ich erstaunt feststellen, dass schon das Ende der dritten Woche seit dem Anfang des Beginns nur Zentimeter vor uns liegt. Kaum zu glauben, war mir die einsame Buchhandlung doch vor kurzem noch hier und da noch unheimlich, müsste ich mich nun wohl an Gäste erst wieder gewöhnen.
 
Die heutigen Lieferungen waren sternförmig in Innsbruck verteilt. Schön anzusehen, wenn man es aufmalt, im Sinne der Wegökonomie sicherlich nicht optimal. Wenn man darauf Wert legen würde zumindest. Viel angebrachter ist es aber, mal hier einzubiegen, weil es interessant wirkt, mal dort weiterzufahren, wo es den Anschein hat, es wäre eventuell in irgendeiner Form lohnend. Sicherlich, die Abkürzung und das Ziel ist wahrscheinlich irgendwo unter den Absichten vergraben, doch pendelnde Fortbewegung scheint mir der Freude zuträglicher und der Neugier unweigerlich zu zollendes Tribut.
Auch privat und meist abwechselnd auf dem Fuße, pflege ich, wenn ich alleine und am besten in einer unbekannten Umgebung bin, reichlich Vorlaufzeit über die „Pünktlichkeit plus“ hinaus einzubedenken, damit ein verschlungener Weg und glückliche Fügung mich dorthin bringen mögen, wo man mich erwartet. Das Telefon steht im Notfall oder wenn ich keine Lust mehr habe (was oft das selbe ist) bereit. Dies sei an dieser Stelle übrigens zur Nachahmung empfohlen, man wird so einiges erleben.
 
Ansonsten war alles aufregende Gewohnheit. Sonne auf dem Pelz, der meine Jacke ist, Vitamin D in der Blutbahn, brennende Waden (oder was man dafür halten mag), Gegenverkehrswind in den Haaren, ein immer noch ungeprüftes klopfendes Hinterrad (meine Güte), die Hoffnung einem Bekannten zufällig über die Füße zu fahren um dann ein wenig zu plaudern. Und schließlich das alte Klingeln-und-Bücher-bringen-Spiel… Ihr kennt das ja mittlerweile.
 
Nun werde ich meine gähnenden Knochen wohl zur Ruhe betten, aus Wertschätzungsgründen wohlgemerkt. Ich bedanke mich stellvertretend für Sebastian Kurz für eure Geduld mit mir (das hat er erstens bei der letzten Pressekonferenz vergessen zu erwähnen und zweitens hat er bei mir immer noch kein Buch bestellt) und wünsche euch ein Wochenende der Frohgemütlichkeit.
 
 
Im Bild: Die sicherlich legendäre „Bar Lounge Miami“, die ich zu besuchen gedenke, wenn diese denn wieder geöffnet ist. Jedoch bin ich mir nicht restlos sicher, ob die Schließung mit den derzeit herrschenden Verordnungen zu tun hat. Wir werden sehen.