Benjamin Girstmair empfiehlt: Stil

Liebe geht, behauptetermaßen, ja durch den Magen. Ein Konzept, das ich nur mit Mühe akzeptieren kann, da dort doch erstens das Mana wohnt (wo auch nicht?), mir zweitens das verbiöse „durchgehen“ in diesem Zusammenhang zumindest eine Zunkunftsunke, wenn nicht reiner Zynismus zu sein scheint (und Zynismus liegt mir fern), und ich drittens vermuten muss, dass auch der Hass in recht ähnlichen Gefilden zu finden ist. Zudem die saure Umgebung, ganz zu schweigen davon, dass Wahl der Ausgänge auf einen sehr unrühmlichen oder einen unfreiwilligen, ebenfalls tendentiell unappettitlichen beschränkt ist. Naja, lassen wir das. Romantik!
Aber nun zu Dingen, die wirklich etwas im Magen verloren haben – zumindest, wenn man sich bemüßigt ein Mindestmaß an Stil an den Tag zu legen und nicht so widerlich mittelmäßig ist (bäh!).
Wie wäre es etwa mit derart banalen Köstlichkeiten wie Pandapfoten, Flamingotopf (auch für Papageien geeignet), feines Igelchen, diverses aus Hund und Katz, Stachelschwein oder Krähenpastete? Und zum Dessert des Kanzlers Hinterbacken, Jungfrauenbrüste oder Gros Meringue á la Parisienne (Zubereitungszeit nur etwa vierzig Stunden)? Na, vorfrohlocket euer Gaumen schon? Dann soll euch dieses einzigartige Buch durch den Magen gehen*: Eine fantastische Mischung aus Kulinarik, Literatur und Geschichte zusammengestellt von den ehemaligen Besitzern des ominösen Restaurants „The Decadent“. So esset, Feinspitze, esset! Und das Minzblättchen nicht vergessen.

Anm.: Da dieses Büchlein seit Ä-o-nen vergriffen ist und allein zu eurer Freude ausgegraben wurde, ist es nur vor Ort und in geringer Stückzahl erhältlich. Man schimpfe (stilvoll) mit der Edition Tiamat, dass dies nicht neu aufgelegt wurde.

*Vom Nachkochen wird in den meisten Fällen dringend abgeraten. Das Buch selbst – ich sags nur – ist ebenfalls nicht zum Verzehr geeignet.